Hartz-IV-Regel­leis­tun­gen lan­den vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Die Hartz IV-Regel­leis­tun­gen decken nach einem Beschluss des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts nicht das sozio­kul­tu­rel­le Exis­tenz­mi­ni­mum von Fami­li­en und ver­sto­ßen daher gegen das Grund­ge­setz, so dass das Lan­des­so­zi­al­ge­richt nun­mehr das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Prü­fung vor­ge­legt hat.

Hartz-IV-Regel­leis­tun­gen lan­den vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Geklagt hat eine Fami­lie aus dem Wer­ra-Meiß­ner-Kreis, die als Bedarfs­ge­mein­schaft Arbeits­lo­sen­geld II bezieht. Für die Eltern wur­de jeweils der Regel­satz in Höhe von 311 € und für die 1994 gebo­re­ne Toch­ter in Höhe von 207 € bewil­ligt. Nach Ansicht der Klä­ger ist damit ihr exis­tenz­mi­ni­ma­ler Bedarf nicht gedeckt. Mit ihrem Antrag auf wei­te­re 133 € für jedes Eltern­teil und 89 € für die Toch­ter blie­ben sie im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren sowie vor dem Sozi­al­ge­richt erfolg­los. Die zuer­kann­ten Leis­tun­gen sei­en recht­mä­ßig. Ein Ver­stoß gegen das Grund­ge­setz lie­ge nicht vor. Dies ent­spricht der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts, das dem Gesetz­ge­ber bei der Bestim­mung der Regel­leis­tun­gen einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum zuge­bil­ligt hat.

Nach Ein­ho­lung von vier Gut­ach­ten zur Bedarfs­be­mes­sung sowie einer umfang­rei­chen Recher­che (Geset­zes­ma­te­ria­li­en, rechts- sowie sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Lite­ra­tur und Recht­spre­chung) bean­stan­de­ten die Darm­städ­ter Rich­ter, dass der beson­de­re Bedarf von Fami­li­en mit Kin­dern durch die Regel­leis­tun­gen nicht berück­sich­tigt wer­de. Ins­be­son­de­re feh­le es für die Begren­zung der Leis­tung für Kin­der auf 60 % des Regel­sat­zes eines Erwach­se­nen an einer hin­rei­chen­den Begrün­dung. Nicht ersicht­lich sei auch, wes­halb 14jährige Kin­der trotz höhe­ren Bedarfs die glei­che Regel­leis­tung erhal­ten wie Neu­ge­bo­re­ne. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt habe bereits 1998 im Rah­men der ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung der Steu­er­frei­be­trä­ge den damals gel­ten­den Regel­satz für Kin­der bean­stan­det, weil die­ser die außer­schu­li­schen Bil­dungs­be­dar­fe von Kin­dern nicht berück­sich­ti­ge. Die­se höchst­rich­ter­li­che Ent­schei­dung sei, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt, bei der Hartz-IV-Gesetz­ge­bung nicht beach­tet wor­den. Für die steu­er­recht­li­che Ver­scho­nungs­gren­ze und das sozi­al­recht­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum sei­en aber die glei­chen Maß­stä­be gebo­ten. Daher sei­en die Regel­sät­ze weder mit der Men­schen­wür­de in Ver­bin­dung mit dem Sozi­al­staats­ge­bot, dem Gleich­heits­ge­bot und dem beson­de­ren Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot gegen­über Fami­li­en sowie den Grund­sät­zen der Nor­men­klar­heit, Fol­ge­rich­tig­keit und Sys­tem­ge­rech­tig­keit in Ver­bin­dung mit dem Rechts­staats­prin­zip ver­ein­bar.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Beschluss vom – L 6 AS 336/​0