Hartz IV und die Strom­sper­re

Ein Bezie­her von Arbeits­lo­sen­geld II hat einen Anspruch gegen den Trä­ger der Grund­si­che­rung, dass ihm ein Dar­le­hen für die Beglei­chung von Strom­schul­den gewährt wird, wenn bei ihm eine Strom­sper­re droht oder der Strom sogar bereits gesperrt wur­de. Dies ent­schied jetzt im Fal­le einer Arbeits­lo­sen­geld II-Bezie­he­rin, der wegen Ener­gie­kos­ten­rück­stän­den die Strom­ver­sor­gung gesperrt wor­den war, das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men und bestä­tig­te damit einen Beschluss des Sozi­al­ge­richts Bre­men, mit dem die zustän­di­ge Arbeits­ge­mein­schaft ver­pflich­tet wor­den ist, der Antrag­stel­le­rin ein Dar­le­hen zur Beglei­chung der Strom­schul­den zu gewäh­ren.

Hartz IV und die Strom­sper­re

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men hat, wie schon zuvor das Sozi­al­ge­richt Bre­men, in dem einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren dar­auf ver­wie­sen, dass die Sper­rung der Ener­gie­zu­fuhr eine der Woh­nungs­lo­sig­keit nahe kom­men­de Not­la­ge dar­stellt. Denn die regel­mä­ßi­ge Ver­sor­gung eines Haus­hal­tes mit (Heiz-)Energie gehört nach den Lebens­ver­hält­nis­sen in Deutsch­land zum sozi­al­hil­fe­recht­lich aner­kann­ten Min­dest­be­darf. Die fak­ti­sche Unbe­wohn­bar­keit einer Woh­nung infol­ge (dro­hen­der) Sper­rung der Ener­gie- und Was­ser­zu­fuhr steht daher dem Ver­lust der Unter­kunft gleich. Dies bedeu­tet, dass der Leis­tungs­trä­ger in der Regel ent­spre­chen­de Schul­den gemäß § 22 Absatz 5 SGB II durch ein Dar­le­hen zu über­neh­men hat, wenn, wie hier, die Strom­sper­re bereits voll­zo­gen wor­den ist, und ledig­lich in aty­pi­schen Fäl­len nach sei­nem Ermes­sen hier­von abwei­chen kann.

Die zustän­di­ge Bre­mer Arbeits­ge­mein­schaft für Inte­gra­ti­on und Sozia­les (BAgIS) hat­te zuvor die dar­le­hens­wei­se Über­nah­me der Strom­schul­den mit der Begrün­dung abge­lehnt, die Woh­nung wer­de durch die Ein­stel­lung der Strom­ver­sor­gung nicht unbe­wohn­bar, da die Antrag­stel­le­rin weder aus medi­zi­ni­schen Grün­den auf Strom ver­brau­chen­de elek­tri­sche Gerä­te ange­wie­sen sei, noch klei­ne Kin­der in der Woh­nung leb­ten. Auch den Betrieb eines Kühl­schranks hat­te die BAgIS nicht für zwin­gend erfor­der­lich gehal­ten, da es der Arbeits­lo­sen­geld II-Emp­fän­ge­rin zuzu­mu­ten sei, ihre Lebens­mit­tel täg­lich ein­zu­kau­fen.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Beschluss vom 28. Mai 2009 – L 7 AS 546/​09 B ER
Sozi­al­ge­richt Bre­men, Beschluss vom 31. März 2009 – S 23 AS 547/​09 ER