Hartz IV und die Zin­sen aufs Schmer­zens­geld

Schmer­zens­geld wegen eines Unfall­scha­dens und die dar­auf gezahl­ten Zin­sen sind bei Emp­fän­gern von Arbeits­lo­sen­geld II (Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de) nicht als Ein­kom­men oder Ver­mö­gen leis­tungs­min­dernd anzu­rech­nen. Mit die­ser Begrün­dung gab jetzt das Sozi­al­ge­richt Aachen Klä­gern recht, die sich dage­gen wehr­ten, dass die zustän­di­ge ARGE ihre Zins­ein­künf­te von jähr­lich über 3000 € aus der Anla­ge eines Schmer­zens­geld­be­tra­ges von 132.500 € als Ein­kom­men bewer­te­te und die Leis­tun­gen ent­spre­chend min­der­te.

Hartz IV und die Zin­sen aufs Schmer­zens­geld

Das Schmer­zens­geld die­ne, so das Aache­ner Sozi­al­ge­richt, dem Aus­gleich imma­te­ri­el­ler Schä­den und der Genug­tu­ung für erlit­te­nes Unrecht, nicht aber wie das ALG II der Sicher­stel­lung des Lebens­un­ter­halts. Das Schmer­zens­geld für den Lebens­un­ter­halt ein­set­zen zu müs­sen, stel­le des­halb eine beson­de­re Här­te dar, die gemäß § 12 Abs. 3 Nr. 6 SGB II der Anrech­nung als Ver­mö­gen ent­ge­gen­ste­he. Der Schutz des Schmer­zens­gel­des sei umfas­send und erfas­se auch die Zins­ein­künf­te.

Zwar sei­en grund­sätz­lich auch Zin­sen aus sog. „Schon­ver­mö­gen“ von Leis­tungs­emp­fän­gern anzu­rech­nen­des Ein­kom­men. Die Höhe eines als Fest­be­trag gezahl­ten Schmer­zens­gel­des sei im Ver­gleich zu einer Schmer­zens­geld­ren­te aber gera­de auch dadurch bestimmt, dass der Emp­fän­ger den erhal­te­nen Betrag gewinn­brin­gend anle­gen kön­ne, der Zins­ge­winn also Bestand­teil der Kal­ku­la­ti­on des Ent­schä­di­gungs­be­tra­ges. Die Zin­sen sei­en des­halb in glei­cher Wei­se geschützt wie der Ent­schä­di­gungs­be­trag selbst.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die unter­le­ge­ne ARGE hat Beru­fung zum Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len ein­ge­legt (L 7 AS 33/​09).

Sozi­al­ge­richt Aachen, Urteil vom 3. Febru­ar 2009 – S 23 AS 2/​08