Hilfs­mit­tel statt Pfle­ge­kraft

Eine Kran­ken­kas­se kann ein not­wen­di­ges Hilfs­mit­tel nicht mit der Begrün­dung ableh­nen, der ent­spre­chen­de Bedarf kön­ne auch durch Pfle­ge­kräf­te gedeckt wer­den.

Hilfs­mit­tel statt Pfle­ge­kraft

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schied jetzt, dass dies mit dem Grund­satz der Selbst­be­stim­mung aus dem Neun­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch nicht zu ver­ein­ba­ren ist, die Selbst­be­stim­mung behin­der­ter Men­schen hat inso­weit Vor­rang.

Die Antrag­stel­le­rin des jetzt vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schie­de­nen Rechts­streits begehr­te im Wege des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes die Ver­pflich­tung der Kran­ken­kas­se zur Über­nah­me der Kos­ten für einen Dusch-WC-Auf­satz. Die Kran­ken­kas­se wand­te hier­ge­gen ein, für die Intim­rei­ni­gung sei bereits ein Pfle­ge­be­darf ermit­telt und die­ser wer­de durch die Pfle­ge­kräf­te gedeckt.

Die­ses Argu­ment lies das Lan­des­so­zi­al­ge­richt aber nicht gel­ten: Das SGB IX lege gera­de fest, so das Main­zer Lan­des­so­zi­al­ge­richt, dass die Leis­tun­gen an behin­der­te Men­schen deren Selbst­be­stim­mung för­dern sol­len. Damit ist ein Ver­weis auf die Intim­rei­ni­gung durch Pfleg­kräf­te nicht in Ein­klang zu brin­gen, wenn die Betrof­fe­ne bei einer Ver­sor­gung mit einem Hilfs­mit­tel die Rei­ni­gung selbst durch­füh­ren kann. Zudem wür­de dies auch gegen die Men­schen­wür­de ver­sto­ßen. Eine sol­che Ein­schrän­kung der Antrag­stel­le­rin kann auch nicht vor­über­ge­hend bis zur Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che hin­ge­nom­men wer­den.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Beschluss vom 10. März 2011 – L 5 KR 59/​11 B ER