Implan­to­lo­gi­sche Leis­tun­gen für Con­ter­gan-Geschä­dig­te

Im Bereich des Zahn­ersat­zes gehö­ren implan­to­lo­gi­sche Leis­tun­gen grund­sätz­lich nicht zum Leis­tungs­um­fang der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung. Ledig­lich bei bestimm­ten, in der sog. "Behand­lungs­richt­li­nie" vom Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss (GBA) näher beschrie­be­nen Aus­nah­me­in­di­ka­tio­nen, kommt daher die Kos­ten­über­nah­me für Zahn­im­plan­ta­te in Betracht. Zusätz­lich zu einer Aus­nah­me­in­di­ka­ti­on ist erfor­der­lich, dass eine kon­ven­tio­nel­le pro­the­ti­sche Ver­sor­gung ohne Implan­ta­te aus zahn­me­di­zi­ni­schen Grün­den nicht mög­lich ist.

Implan­to­lo­gi­sche Leis­tun­gen für Con­ter­gan-Geschä­dig­te

Eine Con­ter­gan-Schä­di­gung stellt jedoch kei­ne Aus­nah­me­in­di­ka­ti­on für die Über­nah­me implan­to­lo­gi­scher Leis­tun­gen durch die Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung dar, ent­schied jetzt das Sozi­al­ge­richt Aachen und wies damit die Kla­ge eines Con­ter­gan-Geschä­dig­ten auf Über­nah­me implan­to­lo­gi­scher Leis­tun­gen ab.

Zwar ist das Sozi­al­ge­richt Aachen dem Vor­trag des Klä­gers gefolgt, dass die kon­kre­te Erfor­der­lich­keit einer Zahn­be­hand­lung zumin­dest auch und nicht unwe­sent­lich auf die Con­ter­gan­schä­di­gung zurück­zu­füh­ren ist. Durch die Miss­bil­dung der obe­ren Extre­mi­tä­ten ist die nor­ma­le Greif­funk­ti­on der Arme und Hän­de erheb­lich beein­träch­tigt; die­se Behin­de­rung ver­su­chen der­art Con­ter­gan­ge­schä­dig­te dadurch aus­zu­glei­chen, dass sie sich ver­stärkt ihrer Zäh­ne (z.B. beim Öff­nen von Fla­schen) bedie­nen. Auf­grund der con­ter­gan­be­ding­ten Miss­bil­dung ist es dem Klä­ger unmög­lich, einen her­kömm­li­chen her­aus­nehm­ba­ren Zahn­ersatz zu hand­ha­ben.

Gleich­wohl, so das Sozi­al­ge­richt Aachen, kom­me eine Über­nah­me der Kos­ten durch die Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung nicht in Betracht, da es nach den kla­ren Vor­ga­ben der Behand­lungs­richt­li­nie eben nur dar­auf ankom­me, ob aus zahn­me­di­zi­ni­schen Grün­den eine pro­the­ti­sche Ver­sor­gung ohne Implan­ta­te nicht mög­lich sei. Der grund­sätz­li­che Aus­schluss implan­to­lo­gi­scher Leis­tun­gen im Sys­tem der GKV sei ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, die Lösung sol­cher Fäl­le kön­ne daher nicht im Rah­men der bei­trags­fi­nan­zier­ten Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung erfol­gen. Wenn Per­so­nen wie der Klä­ger auf­grund ihrer con­ter­gan­be­ding­ten Miss­bil­dung Fol­ge­schä­den (hier: der Zäh­ne) erlei­den wür­den, habe mög­li­cher­wei­se der Staat auf­grund der von ihm ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung eine Aus­wei­tung der Leis­tun­gen der "Con­ter­gan­stif­tung für behin­der­te Men­schen" oder aber ande­re steu­er­fi­nan­zier­te Lösun­gen in Betracht zu zie­hen, eine Leis­tungs­pflicht der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung begrün­de dies jedoch nicht.

Sozi­al­ge­richt Aachen, Urteil vom 1. Febru­ar 2011 – S 13 KR 235/​10