Jugend­hil­fe­recht­li­cher Kos­ten­bei­trag und das Geschwis­ter­kin­der­geld

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat heu­te ent­schie­den, dass b

Jugend­hil­fe­recht­li­cher Kos­ten­bei­trag und das Geschwis­ter­kin­der­geld

Bei der Berech­nung des jugend­hil­fe­recht­li­chen Kos­ten­bei­trags darf das Kin­der­geld, das für die Geschwis­ter des unter­ge­brach­ten Kin­des gezahlt wird, nicht zum Ein­kom­men der Eltern gerech­net wer­den.

In einem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall lebt der Klä­ger als allein ver­die­nen­der Eltern­teil mit sei­ner zwei­ten Ehe­frau und zwei 1995 und 1998 gebo­re­nen gemein­sa­men Kin­dern zusam­men. Für die­se Kin­der bezieht er Kin­der­geld. Sein 1989 gebo­re­ner Sohn aus ers­ter Ehe, für den er kein Kin­der­geld erhält, wur­de vom Jugend­amt in einer Pfle­ge­fa­mi­lie unter­ge­bracht. Hier­für zog der beklag­te Rems-Murr-Kreis den Klä­ger zur Zah­lung eines Kos­ten­bei­trags in Höhe von monat­lich 275 € ab dem 1. Okto­ber 2006 her­an. Dabei leg­te er das Net­to­ein­kom­men des Vaters von 1 800 € zugrun­de und rech­ne­te das Kin­der­geld für die Geschwis­ter hin­zu. 2006 waren dies monat­lich 308 €. Der Klä­ger wand­te sich ins­be­son­de­re gegen die Berück­sich­ti­gung des Geschwis­ter­kin­der­gel­des.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart ist den Argu­men­ten des Klä­gers gefolgt und hat eine Berück­sich­tung des für die Geschwis­ter gezahl­ten Kin­der­gel­des abge­lehnt. Dem­entspre­chend hat das Ver­wal­tungs­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben und den Kos­ten­bei­trags­be­scheid auf­ge­ho­ben. Auf die Beru­fung des beklag­ten Rems-Murr-Krei­ses hat bejah­te der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim dage­gen die Anrech­nung auch des Geschwis­ter­kin­der­gel­des, wies die Beru­fung jedoch gleich­wohl zurück, weil ein Här­te­fall vor­lie­ge, so dass das erst­in­stanz­li­che Urteil im Ergeb­nis gleich­wohl rich­tig sei.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die bereits vom Ver­wal­tungs­gs­ge­richt Stutt­gart ver­tre­te­ne Auf­fas­sung bestä­tigt. Die Her­an­zie­hung des Klä­gers zu einem Kos­ten­bei­trag ist nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts schon des­halb rechts­wid­rig, weil der beklag­te Land­kreis das Geschwis­ter­kin­der­geld nicht zum Ein­kom­men des Klä­gers rech­nen darf.

Nach dem Jugend­hil­fe­recht zäh­len Ein­künf­te aus staat­li­chen Leis­tun­gen nicht zum Ein­kom­men, die einem "aus­drück­lich genann­ten Zweck" die­nen. Dies trifft für das Kin­der­geld zu. Nach den gesetz­li­chen Rege­lun­gen, nament­lich im Ein­kom­men­steu­er­ge­setz, dient das Kin­der­geld in ers­ter Linie der Siche­rung "des Exis­tenz­mi­ni­mums eines Kin­des ein­schließ­lich der Bedar­fe für Betreu­ung und Erzie­hung oder Aus­bil­dung". Das Kin­der­geld ist danach eine für das jewei­li­ge Kind bestimm­te Leis­tung. Mit die­sem Zweck ist es unver­ein­bar, wenn das für Geschwis­ter gezahl­te Kin­der­geld zur Leis­tung eines Kos­ten­bei­trags zu Jugend­hil­fe­maß­nah­men für ein ande­res Kind in Anspruch genom­men wird. Dies wür­de zu einer indi­rek­ten Kos­ten­be­tei­li­gung der Geschwis­ter füh­ren. Nur das für ein unter­ge­brach­tes Kind selbst gezahl­te Kin­der­geld muss nach aus­drück­li­cher gesetz­li­cher Rege­lung für die Jugend­hil­fe­kos­ten ein­ge­setzt wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 12. Mai 2011 – 5 C 10.10