Kei­ne Kos­ten­über­nah­me der Kran­ken­kas­se bei Ginseng

Die Tai­ga- /​Gin­seng­wur­zel ist nicht vom Leis­tungs­ka­ta­log der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung umfasst. Die Kran­ken­kas­sen sind nicht gehal­ten, alles zu leis­ten, was zur Erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der Gesund­heit ver­füg­bar ist. Außer­dem reicht der indi­vi­du­el­le Glau­be an die Wirk­sam­keit nicht aus.

Kei­ne Kos­ten­über­nah­me der Kran­ken­kas­se bei Ginseng

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kos­ten­über­nah­me für das Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel durch die Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung abge­lehnt und die Beru­fung des Klä­gers gegen den Gerichts­be­scheid des Sozi­al­ge­richts Han­no­ver [1] zurück­ge­wie­sen. Der behan­deln­der Arzt eines 1967 gebo­re­nen Man­nes aus Lan­gen­ha­gen, der seit lan­gem an chro­ni­scher Erschöp­fung, all­er­gi­schem Asth­ma, Tin­ni­tus, einer Nie­ren­er­kran­kung u.a. lei­det, emp­fahl ihm eine Nah­rungs­er­gän­zung mit Eleu­the­ro­coc­cus­kap­seln (Tai­ga-/Gin­seng­wur­zel) und Zink­ta­blet­ten. Bei sei­ner Kran­ken­kas­se bean­trag­te er die Kos­ten­über­nah­me und die Erstat­tung bereits gezahl­ter Rechnungen.

Von der Kas­se ist der Antrag abge­lehnt wor­den. Zur Begrün­dung führ­te sie aus, dass Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel gene­rell von der Kos­ten­über­nah­me aus­ge­schlos­sen sei­en und nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel nur in weni­gen Aus­nah­me­fäl­len über­nom­men wer­den könn­ten. Dem­ge­gen­über mein­te der Mann, dass die Prä­pa­ra­te wegen der Schwe­re der Erkran­kung not­wen­dig sei­en. Sein Gesund­heits­zu­stand habe sich durch die Gabe der Kap­seln bereits verbessert.

Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren hat der Klä­ger vor dem Sozi­al­ge­richt Han­no­ver geklagt. Dort ist die Kla­ge mit Gerichts­be­scheid abge­wie­sen wor­den. Der Bescheid der Beklag­ten vom 28. Janu­ar 2019 in Gestalt des Wider­spruchs­be­schei­des vom 9. Juli 2019 sei recht­mä­ßig und ver­let­ze den Klä­ger nicht in sei­nen Rech­ten. Gegen den Gerichts­be­scheid hat der Klä­ger unter Bei­be­hal­tung sei­nes Begeh­rens Beru­fung eingelegt.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men aus­führ­lich erklärt, dass Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel unab­hän­gig von der Art der Erkran­kung durch die Arz­nei­mit­tel­richt­li­ni­en aus­ge­schlos­sen sei­en und bei nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­teln müs­se es sich um einen aus­nahms­wei­se gelis­te­ten The­ra­pie­stan­dard han­deln. Die strei­ti­gen Prä­pa­ra­te sei­en nicht vom Leis­tungs­ka­ta­log der GKV umfasst. 

Außer­dem sei­en die Kran­ken­kas­sen auch nicht gehal­ten, alles zu leis­ten, was zur Erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der Gesund­heit ver­füg­bar sei. Bestimm­te Pro­duk­te könn­ten aus dem Leis­tungs­ka­ta­log aus­ge­klam­mert und der Eigen­ver­ant­wor­tung der Ver­si­cher­ten zuge­wie­sen werden. 

Dar­über hin­aus sei nach Mei­nung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nie­der­sach­sen-Bre­men der indi­vi­du­el­le Glau­be an die Wirk­sam­keit nicht aus­rei­chend. Nach den Her­stel­ler­in­for­ma­tio­nen ziel­ten Gin­seng und Zink all­ge­mein auf die Stär­kung des Immun­sys­tems; für eine spe­zi­fi­sche Hei­lungs­aus­sicht des Erschöp­fungs­syn­droms lägen kei­ne wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se vor.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 19. August 2020 – L 4 KR 161/​20

Keine Kostenübernahme der Krankenkasse bei Ginseng
  1. SG Han­no­ver, Gerichts­be­scheid vom 06.03.2020 – S 10 KR 1312/​19[]

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