Kei­ne Opfer­ent­schä­di­gung für Con­ter­ga­nop­fer

Con­ter­gan­ge­schä­dig­te haben kei­nen Anspruch auf Ver­sor­gung nach dem Opfer­ent­schä­di­gungs­ge­setz in Ver­bin­dung mit dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz, sie sind kei­ne Gewalt­op­fer im Sin­ne des Opfer­ent­schä­di­gungs­ge­set­zes. Mit die­ser Ent­schei­dung hat jetzt das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in Essen einen Beschluss des Sozi­al­ge­richts Köln bestä­tigt, das einer Klä­ge­rin wegen feh­len­der Erfolgs­aus­sicht ihrer Kla­ge die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe ver­sagt hat­te.

Kei­ne Opfer­ent­schä­di­gung für Con­ter­ga­nop­fer

Der Ent­schei­dung lag der Fall einer 1961 in Mün­chen gebo­re­nen und in Köln leben­den Frau zugrun­de, die durch das Schlaf- und Beru­hi­gungs­mit­tel „Con­ter­gan“ des Phar­ma­un­ter­neh­mens Grü­nen­thal GmbH im Mut­ter­leib geschä­digt wor­den. Sie erhält Ren­ten­leis­tun­gen nach dem Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz und klagt der­zeit beim Sozi­al­ge­richt Köln auf eine wei­te­re Ent­schä­di­gung nach dem Opfer­ent­schä­di­gungs­ge­setz.

Nach Ansicht des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len ist die Klä­ge­rin jedoch nicht Opfer einer Gewalt­tat gewor­den. Ein vor­sätz­li­cher, in feind­se­li­ger Wil­lens­rich­tung auf die kör­per­li­che Inte­gri­tät der Klä­ge­rin abzie­len­der schä­di­gen­der Vor­gang durch die Ver­ant­wort­li­chen der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH sei weder in der Ent­wick­lung noch in dem anschlie­ßen­den Ver­trieb des Schlaf- und Beru­hi­gungs­mit­tels „Con­ter­gan“ fest­stell­bar.

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len hat sich damit im Wesent­li­chen die Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts Aachen aus einem Beschluss aus dem Jahr 1970 in der Straf­sa­che gegen die Ver­ant­wort­li­chen der Fir­ma Grü­nen­thal GmbH zu eigen gemacht, in dem sei­ner­zeit das Land­ge­richt Aachen nach umfas­sen­der Beweis­auf­nah­me das Straf­ver­fah­ren gegen die ver­ant­wort­li­chen Mit­ar­bei­ter der Grü­nen­thal GmbH ein­ge­stellt hat­te. Die Miss­bil­dun­gen durch „Con­ter­gan“ sei­en für die Mit­ar­bei­ter der Fir­ma Grü­nen­thal nach dem dama­li­gen Erkennt­nis­stand nicht vor­her­seh­bar gewe­sen. Neue Erkennt­nis­se, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt in sei­nen Ent­schei­dungs­grün­den, sei­en heu­te, vier­zig Jah­re nach die­sem Straf­pro­zess nicht zu erwar­ten und wür­den von der Klä­ge­rin auch nicht ange­führt.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 22. Febru­ar 2010 – L 10 (6) B 8/​09 VG