Kei­ne Pil­le für die Pickel

Ein Arzt, der die Anti-Baby-Pil­le nur zur Behand­lung von Akne ver­ord­net hat, muss Regress an die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se leis­ten. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf die Kla­ge eines Frau­en­arz­tes aus Eus­kir­chen abge­wie­sen.

Kei­ne Pil­le für die Pickel

Nach Ansicht der Düs­sel­dor­fer Sozi­al­rich­ter müs­sen gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­run­gen in aller Regel nur für Arz­nei­mit­tel zah­len. Die Anti-Baby-Pil­le sei aber grund­sätz­lich kein Arz­nei­mit­tel, da sie nicht der Behand­lung einer Krank­heit, son­dern der Emp­fäng­nis­ver­hü­tung die­ne. Den Ein­wand des Gynä­ko­lo­gen, mit der Anti-Baby-Pil­le habe er Haut­pro­ble­me wirk­sam und kos­ten­güns­tig behan­deln wol­len, ließ das Gericht nicht gel­ten. Für die­se Art der Kran­ken­be­hand­lung sei das Ver­hü­tungs­mit­tel nicht zuge­las­sen. Ledig­lich für Ver­si­cher­te bis zur Voll­endung des 20. Lebens­jah­res dür­fe die Pil­le indi­ka­ti­ons­un­ab­hän­gig ver­ord­net wer­den. Der Klä­ger müs­se daher Regress leis­ten.

Auch aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den, so das Sozi­al­ge­richt, sei im vor­lie­gen­den Fall kei­ne Aus­nah­me gebo­ten. Ein Medi­ka­ment kön­ne außer­halb sei­ner arz­nei­mit­tel­recht­li­chen Zulas­sung nur aus­nahms­wei­se dann ver­ord­net wer­den (sog. Off-Label-Use), wenn eine schwer­wie­gen­de, ins­be­son­de­re eine lebens­be­droh­li­che Erkran­kung behan­delt wer­den soll. Die­se Vor­aus­set­zung war hier nicht erfüllt.

Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 29. Juli 2009 – S 14 KA 166/​07 (nicht rechts­kräf­tig)