Kei­ne Pro­zess­kos­ten­hil­fe für Kla­gen wegen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Regel­sät­ze

Wer gegen die bewil­lig­ten Leis­tun­gen nach dem Zwei­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­buchs (Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de – "Hartz IV") allein mit der Begrün­dung klagt, die Regel­sät­ze für Erwach­se­ne sei­en ver­fas­sungs­wid­rig, hat nach Ansicht des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Sach­sen-Anhalt kei­nen Anspruch auf Pro­zess­kos­ten­hil­fe.

Kei­ne Pro­zess­kos­ten­hil­fe für Kla­gen wegen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Regel­sät­ze

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für ein gericht­li­ches Ver­fah­ren wird nur bewil­ligt, wenn die Klä­ger wirt­schaft­lich bedürf­tig sind und hin­rei­chen­de Aus­sich­ten auf Erfolg der Kla­ge bestehen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat­te am 9. Febru­ar 2010 1 die bis dahin gel­ten­den Regel­sät­ze für ver­fas­sungs­wid­rig erklärt. Aller­dings wur­de nicht fest­ge­stellt, dass die Leis­tun­gen zur Siche­rung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mum unzu­rei­chend sind. Viel­mehr wur­den metho­di­sche Män­gel bei der Ermitt­lung der Regel­sät­ze gerügt. Der Gesetz­ge­ber hat zum 1. Janu­ar 2011 die Regel­sät­ze neu ermit­telt und die Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auf­ge­grif­fen.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat zwi­schen­zeit­lich mehr­fach die neu ermit­tel­ten Regel­sät­ze als ver­fas­sungs­kon­form beur­teilt. Eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts steht aber noch aus.

Die ab 1. Janu­ar 2011 gel­ten­den Regel­sät­ze sind, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt, zur Sicher­stel­lung eines men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums aus­rei­chend. Die Mög­lich­keit, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erneut die Ermitt­lung der Regel­satz­hö­he wegen metho­di­scher Män­gel für ver­fas­sungs­wid­rig hält, ist damit für das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Sach­sen-Anhalt fern­lie­gend. Daher sind hin­rei­chen­de Aus­sich­ten für einen sol­chen Pro­zess nicht gege­ben und die Bei­ord­nung eines Rechts­an­walts auf Kos­ten der Staats­kas­se schei­det aus.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 15. März 2013, L 5 AS 606/​12 B, rechts­kräf­tig

  1. BVerfG, Urteil vom 09.02.2010 – 1 BvL 1/​09[]