Kfz-Hil­fe für Behin­der­te und das Auto der Ehe­frau

Der Anspruch auf Bezu­schus­sung der Beschaf­fung eines Kfz setzt vor­aus, dass die all­ge­mei­nen per­sön­li­chen (§ 10 SGB VI) und ver­si­che­rungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen (§ 11 SGB VI) für Leis­tun­gen zur Teil­ha­be am Arbeits­le­ben durch den Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger vor­lie­gen, kei­ner der Aus­schluss­grün­de nach § 12 SGB VI ein­schlä­gig ist und zudem die zwin­gen­den spe­zi­fi­schen (per­sön­li­chen und sach­li­chen) Vor­aus­set­zun­gen einer Kfz-Hil­fe gemäß § 16 SGB VI in Ver­bin­dung mit § 33 SGB IX und §§ 3, 4 KfzHV gege­ben sind [1].

Kfz-Hil­fe für Behin­der­te und das Auto der Ehe­frau

Nach § 4 Abs 1 KfzHV setzt die Hil­fe zur Beschaf­fung eines Kraft­fahr­zeugs vor­aus, dass der behin­der­te Mensch nicht über ein Kfz ver­fügt, das die Vor­aus­set­zun­gen nach Abs 2 die­ser Vor­schrift (das sind die sich im Ein­zel­fall aus der Behin­de­rung erge­ben­den Anfor­de­run­gen an Grö­ße und Aus­stat­tung des Pkw) erfüllt und des­sen wei­te­re Benut­zung ihm zumut­bar ist. Die­se Rege­lung soll aus­weis­lich der Begrün­dung im Ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung zur KfzHV ange­sichts der weit­ge­hen­den Moto­ri­sie­rung der Gesell­schaft, in der ein Kfz als Gebrauchs­ge­gen­stand des täg­li­chen Lebens zur Stan­dard­aus­stat­tung auch von Arbeit­neh­mer­haus­hal­ten mit durch­schnitt­li­chem Ein­kom­men gehö­re, eine Beschrän­kung der Hil­fen auf den unab­weis­ba­ren behin­de­rungs­be­ding­ten Bedarf sicher­stel­len [2]. Hil­fe zur Beschaf­fung eines Autos sol­le nur geleis­tet wer­den, wenn dies im Ein­zel­fall not­wen­dig sei; sie kom­me nicht in Betracht, wenn jemand bei Ein­tritt der Behin­de­rung bereits über ein behin­de­rungs­ge­rech­tes oder ohne unver­hält­nis­mä­ßi­gen Mehr­auf­wand umzu­rüs­ten­des Kfz ver­fü­ge. Aller­dings müs­se dem Behin­der­ten die wei­te­re Benut­zung des Fahr­zeugs unter tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten zumut­bar sein [3].

Die­se Begrün­dung des Ver­ord­nungs­ge­bers lässt erken­nen, dass das einen Anspruch auf Kfz-Hil­fe aus­schlie­ßen­de „Ver­fü­gen“ über ein Kfz danach zu beur­tei­len ist, ob tat­säch­lich eine Ver­fü­gungs­mög­lich­keit über ein Fahr­zeug besteht, d.h. ob der kon­kret bestehen­de Bedarf des behin­der­ten Men­schen fak­tisch gedeckt ist, weil ihm für die erfor­der­li­chen Fahr­ten ein Kfz zuver­läs­sig zur Ver­fü­gung steht [4]. Auch die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des BSG zu § 4 Abs 1 KfzHV hat unter Bezug­nah­me auf die Begrün­dung zu die­ser Ver­ord­nung betont, dass sich der Bedarf bzw die Bedarfs­de­ckung „nach dem kon­kre­ten Ist-Zustand“ rich­te; des­halb wer­de der behin­der­te Mensch „auf ein vor­han­de­nes Kfz“ ver­wie­sen [5]. Dies recht­fer­tigt es, ein (fak­ti­sches) Ver­fü­gen über ein Kfz im Sin­ne von § 4 Abs 1 KfzHV auch dann anzu­neh­men, wenn das Fahr­zeug zwar im Eigen­tum des Ehe­gat­ten steht bzw der Ehe­gat­te als Hal­ter ein­ge­tra­gen ist, aber nach den Umstän­den des Ein­zel­falls unzwei­fel­haft ist, dass es zuver­läs­sig für den behin­der­ten Men­schen ein­ge­setzt wird [6].

Aus der Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts [7] ergibt sich nichts Abwei­chen­des. Soweit dort dar­auf abge­stellt wird, dass der betref­fen­de Klä­ger „im Rechts­sin­ne über ein Kfz auf­grund des Erfül­lungs­an­spruchs aus dem am 6.9.1991 abge­schlos­se­nen Kauf­ver­trag (§ 433 Abs 1 BGB) ver­füg­te“, die­nen die­se Aus­füh­run­gen nicht der Aus­le­gung des § 4 Abs 1 KfzHV, son­dern ver­deut­li­chen das Erfor­der­nis einer recht­zei­ti­gen Antrag­stel­lung nach § 10 Satz 1 KfzHV.

Die somit gemäß § 4 Abs 1 KfzHV für den Anspruchs­aus­schluss maß­geb­li­che tat­säch­li­che Ver­fü­gungs­mög­lich­keit über ein Fahr­zeug im Sin­ne einer fak­ti­schen Bedarfs­de­ckung darf nicht allein des­halb als gege­ben ange­se­hen wer­den, weil ein an sich behin­de­rungs­ge­rech­tes (oder ohne unver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­wand umzu­rüs­ten­des) Fahr­zeug auf den behin­der­ten Men­schen zuge­las­sen ist.

Die Zulas­sung im Sin­ne des Stra­ßen­ver­kehrs­rechts ist die behörd­li­che Geneh­mi­gung für den Betrieb eines Kfz im öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr; sie wird auf Antrag des Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ten des Fahr­zeugs erteilt, indem dem Fahr­zeug ein amt­li­ches Kenn­zei­chen zuge­teilt wird (§ 1 Abs 1 Satz 1 und 2 StVG, § 6 Abs 1 und § 8 Abs 1 FZV). Bei der Antrag­stel­lung sind Anga­ben zum Hal­ter des Fahr­zeugs (vgl § 7 StVG) zu machen, die in den Fahr­zeug­re­gis­tern gespei­chert und auch in die Zulas­sungs­be­schei­ni­gun­gen Teil I und Teil II (frü­her: Fahr­zeug­schein und Fahr­zeug­brief) über­nom­men wer­den (§ 6 Abs 1 Satz 2, §§ 11, 12 FZV). Hal­ter des Kfz im Sin­ne von § 7 StVG ist der­je­ni­ge, der die­ses nicht nur ganz vor­über­ge­hend für eige­ne Rech­nung in Gebrauch hat und die dafür erfor­der­li­che Ver­fü­gungs­ge­walt über das Fahr­zeug besitzt [8]. Gleich­wohl darf aus der Ein­tra­gung einer bestimm­ten Per­son als Hal­ter in den Fahr­zeug­pa­pie­ren nicht der Schluss gezo­gen wer­den, dass die­se tat­säch­lich auch die Ver­fü­gungs­ge­walt über das Kfz hat. Den Ein­tra­gun­gen in den Fahr­zeug­pa­pie­ren kommt hier­für nach der Recht­spre­chung des BGH eben­so wenig ent­schei­den­de Bedeu­tung zu wie dem Umstand, wer den Ver­trag über die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung abge­schlos­sen hat [9]. Dies gilt, obwohl unrich­ti­ge Anga­ben über den Hal­ter gegen­über der Kfz-Zulas­sungs­be­hör­de eine Ord­nungs­wid­rig­keit dar­stel­len kön­nen (§ 24 StVG i.V.m. § 13 Abs 1 Satz 1 Nr 1 und Abs 4, § 48 Nr 12 FZV).

Hier­nach ist auch bei Ehe­gat­ten nicht allein die Ein­tra­gung in den Fahr­zeug­pa­pie­ren, son­dern viel­mehr die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung des Nut­zungs­ver­hält­nis­ses an dem betref­fen­den Kfz maß­geb­lich dafür, wel­che Per­son die tat­säch­li­che Ver­fü­gungs­ge­walt über das Fahr­zeug hat und somit als des­sen Hal­ter anzu­se­hen ist (u.U. auch bei­de Ehe­gat­ten gemein­sam). Wird daher nach den Abspra­chen der Ehe­gat­ten das auf den Namen (nur) des einen zuge­las­se­ne Kfz dem ande­ren tat­säch­lich zur völ­lig frei­en Ver­fü­gung über­las­sen, so ist letz­te­rer Hal­ter im stra­ßen­ver­kehrs- und haf­tungs­recht­li­chen Sin­ne [10].

Kann aber schon nach Stra­ßen­ver­kehrs­recht nicht nur auf­grund der Ein­tra­gung in den Fahr­zeug­pa­pie­ren ange­nom­men wer­den, dass die dort genann­te Per­son tat­säch­lich als Hal­ter die Ver­fü­gungs­ge­walt und wirt­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung für das Fahr­zeug inne­hat, so ist dies auch bei der Anwen­dung von § 4 Abs 1 KfzHV zu beach­ten. Allein der Umstand, dass der Ver­si­cher­te als Hal­ter eines Kfz in der Zulas­sungs­be­schei­ni­gung ein­ge­tra­gen ist, ver­mag daher die Ableh­nung von Kfz-Hil­fe nicht zu recht­fer­ti­gen [11].

  1. vgl BSG vom 21.03.2001 – B 5 RJ 8/​00 R[]
  2. BR-Drucks 266/​87 S 12 und S 17 f.[]
  3. aaO S 18[]
  4. vgl auch BR-Drucks 266/​87 S 17 – Zu § 3 Abs 1 Nr 2[]
  5. BSG SozR 3–4100 § 56 Nr 8 S 27[]
  6. vgl Trach­te, BG 1988, 212, 215; Kater in Kas­se­ler Komm, Anh 1 § 16 SGB VI RdNr 13, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung Juli 2009; Groß­mann in Gemein­schafts­komm SGB IX, Anhang 5 zu § 33, § 4 KfzHV RdNr 1, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung Febru­ar 2010; Römer in Hauck/​Noftz, SGB VII, K § 40 RdNr 19, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung Febru­ar 2007[]
  7. BSG SozR 3–5765 § 3 Nr 2 S 7[]
  8. vgl. BGHZ 87, 133, 135; BGHZ 116, 200, 205 f.[]
  9. so schon BGHZ 13, 351, 358; sie­he auch Gre­ger, Haf­tungs­recht des Stra­ßen­ver­kehrs, 4. Aufl 2007, § 3 RdNr 276[]
  10. vgl Gre­ger, aaO, RdNr 299; in die­sem Sin­ne auch König in Hent­schel, Stra­ßen­ver­kehrs­recht, 39. Aufl 2007, § 7 StVG RdNr 19; Kuckuk in Ludo­vi­sy, Pra­xis des Stra­ßen­ver­kehrs­rechts, 2001, Teil 4 RdNr 62[]
  11. eben­so Scha­dek, Amtl­MittL­VA Rhein­pr 1989, 175, 178; s auch Kras­ney in Becker/​Burchardt/​Krasney/​Kruschinsky, Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung (SGB VII), § 40 RdNr 15, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung Juli 2007; Baum­jo­hann, Kom­pass 1989, 152, 156 f; Trach­te, BG 1988, 212, 215; Eben­höch in Ruland/​Försterling, Gemein­schafts­komm zum SGB VI, § 16 Anhang 1 RdNr 51, Stand Ein­zel­kom­men­tie­rung März 2004; aA Götz, MittL­VA Ober­fr 1989, 1, 5; Padé in juris Pra­xis­Komm SGB VII, 2009, § 40 RdNr 31; Anger­mai­er in Jahn, SGB für die Pra­xis, Stand Sep­tem­ber 2010, § 40 SGB VII RdNr 11[]