Kin­der­geld wäh­rend des Stu­di­ums – und die nicht ange­tre­te­ne letzt­ma­li­ge Prü­fung

Die Berufs­aus­bil­dung endet auch dann, wenn das Kind ein Stu­di­um – unge­ach­tet einer fort­be­stehen­den Imma­tri­ku­la­ti­on – durch Nicht­an­tritt zur letz­ma­li­gen Prü­fung end­gül­tig abge­bro­chen hat.

Kin­der­geld wäh­rend des Stu­di­ums – und die nicht ange­tre­te­ne letzt­ma­li­ge Prü­fung

Nach § 66 Abs. 2 EStG wird das Kin­der­geld vom Beginn des Mona­tes an gezahlt, in dem die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen erfüllt sind, bis zum Ende des Mona­tes, in dem die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen weg­fal­len.

Ein Kind befin­det sich in Berufs­aus­bil­dung, solan­ge es sein Berufs­ziel noch nicht erreicht hat, sich aber noch ernst­lich dar­auf vor­be­rei­tet 1. Zur Hoch­schul­aus­bil­dung gehört auch die Able­gung des Examens. Ein Uni­ver­si­täts­stu­di­um ist regel­mä­ßig erst in dem Zeit­punkt abge­schlos­sen, in dem eine nach dem ein­schlä­gi­gen Prü­fungs­recht zur Fest­stel­lung des Stu­di­en­erfol­ges vor­ge­se­he­ne Prü­fungs­ent­schei­dung ergan­gen ist 2.

Ein Hoch­schul­stu­di­um endet spä­tes­tens mit der Bekannt­ga­be des Prü­fungs­er­geb­nis­ses, kann aber auch bereits zuvor mit Erbrin­gung aller Prü­fungs­leis­tun­gen been­det sein. Die Aus­bil­dung endet auch, wenn das Kind sie (unge­ach­tet z. B. einer fort­be­stehen­den Imma­tri­ku­la­ti­on) tat­säch­lich abbricht 3.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall ist die Berufs­aus­bil­dung zum Wirt­schafts­in­for­ma­ti­ker mit dem Nicht­an­tritt zur Prü­fung "Ein­füh­rung in die Grund­la­gen der Betriebs­wirt­schafts­leh­re" im Febru­ar 2015 been­det wor­den. Der Nicht­an­tritt zur Prü­fung doku­men­tiert, dass der Sohn A die­se Berufs­aus­bil­dung abge­bro­chen hat. Die Uni­ver­si­tät hat mit­ge­teilt, das A im Rah­men sei­nes Stu­di­en­gan­ges BA Wirt­schafts­in­for­ma­tik am 09.02.2015 auf­grund einer Sank­ti­ons­ent­schei­dung nach Nicht­er­schei­nen zur Prü­fung sei­nen Prü­fungs­an­spruch in dem genann­ten Stu­di­en­gang end­gül­tig ver­lo­ren habe. Der zustän­di­ge Prü­fungs­aus­schuss habe dann mit Bescheid vom 24.02.2015 den end­gül­ti­gen Ver­lust des Prü­fungs­an­spru­ches förm­lich fest­ge­stellt. A hat­te somit kei­ne Mög­lich­keit mehr, die Berufs­aus­bil­dung zum Wirt­schafts­in­for­ma­ti­ker fort­zu­set­zen. Auf den Zeit­punkt der Exma­tri­ku­la­ti­on im Mai 2015 kommt es nicht an, da die Berufs­aus­bil­dung zum Wirt­schafts­in­for­ma­ti­ker bereits mit dem Nicht­an­tritt zur Prü­fung abge­bro­chen wor­den ist. Ein Kind befin­det sich nur solan­ge in Berufs­aus­bil­dung, soweit es sich ernst­lich auf einen Berufs­ab­schluss vor­be­rei­tet. Nach der Mit­tei­lung des Prü­fungs­aus­schus­ses über den end­gül­ti­gen Ver­lust des Prü­fungs­an­spru­ches im Stu­di­en­gang Wirt­schafts­in­for­ma­tik vom 14.02.2015 kann hier­von nicht mehr aus­ge­gan­gen wer­den.

Dass A im unmit­tel­ba­ren Anschluss an den end­gül­ti­gen Ver­lust des Prü­fungs­an­spru­ches im Stu­di­en­gang Wirt­schafts­in­for­ma­tik im strei­ti­gen Zeit­raum "März 2015" eine ande­re Berufs­aus­bil­dung begon­nen hat, hat die Mut­ter nicht vor­ge­tra­gen. Viel­mehr hat sie dar­ge­legt, dass A nach dem Som­mer­se­mes­ter 2015 das Erst­stu­di­um abge­bro­chen habe und den Beginn eines neu­en Stu­di­ums zum Win­ter­se­mes­ter 2016 anstre­be.

Finanz­ge­richt Meck­len­burg ‑Vor­pom­mern, Gerichts­be­scheid vom 18. Okto­ber 2018 – 3 K 65/​17

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 09.06.1999 – VI R 50/​98, BSt­Bl II 1999, 706; vom 23.04.1997 – VI R 135/​95, BFH/​NV 1997, 655[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 21.01.1999 – VII B 214/​98, BSt­Bl II 1999, 141[]
  3. vgl. Sei­ler in Kirch­hof, EStG, 17. Aufl., § 32 EStG Rz. 12[]