Kin­der­geld­be­zug – auf­grund inlän­di­scher Pachteinkünfte

Erzielt ein im Aus­land woh­nen­der Steu­er­pflich­ti­ger aus der Ver­pach­tung einer inlän­di­schen Immo­bi­lie oder eines inlän­di­schen Betriebs i.S. des § 49 EStG inlän­di­sche Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb oder aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung, so berech­tigt dies zum Kin­der­geld­be­zug in allen Mona­ten, in denen das Pacht­ver­hält­nis besteht und für die eine Behand­lung nach § 1 Abs. 3 EStG erfolgt. Akti­ver Tätig­kei­ten (z.B. Instand­hal­tungs­maß­nah­men) oder Zah­lungs­ein­gän­gen in den jewei­li­gen Mona­ten bedarf es dazu nicht.

Kin­der­geld­be­zug – auf­grund inlän­di­scher Pachteinkünfte

Nach § 62 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b EStG hat Anspruch auf Kin­der­geld, wer nach § 1 Abs. 3 EStG als unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig behan­delt wird. Bei Anwen­dung des § 62 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b EStG liegt eine Behand­lung „nach § 1 Abs. 3 EStG als unbe­schränkt ein­kom­men­steu­er­pflich­tig“ jedoch nicht not­wen­dig für das gesam­te Kalen­der­jahr vor, d.h. den Ver­an­la­gungs­zeit­raum i.S. von § 25 Abs. 1 EStG, son­dern auf­grund der kin­der­geld­spe­zi­fi­schen monats­be­zo­ge­nen Betrach­tungs­wei­se des § 66 Abs. 2 EStG nur in den Kalen­der­mo­na­ten, in denen der Kin­der­geld­be­rech­tig­te Ein­künf­te i.S. des § 49 EStG erzielt, die nach § 1 Abs. 3 EStG der Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen1.

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat die Mut­ter aus der Ver­pach­tung ihres frü­he­ren Hotel­be­triebs Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb erzielt; dies stimmt mit der teil­wei­sen Ablich­tung des Ein­kom­men­steu­er­be­scheids für 2016 in der Kin­der­geld­ak­te über­ein. Ob die Ein­künf­te aus der grenz­über­schrei­ten­den Ver­pach­tung des Hotel­be­triebs als inlän­di­sche gewerb­li­che Ein­künf­te (§ 49 Abs. 1 Nr. 2 i.V.m. § 15 EStG) oder statt­des­sen als inlän­di­sche Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung (§ 49 Abs. 1 Nr. 6 i.V.m. § 21 EStG) zu qua­li­fi­zie­ren sind, wie die Fami­li­en­kas­se ver­mu­tet, ist nicht voll­stän­dig zwei­fels­frei, aber unerheblich.

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Mit der Ver­pach­tung des gan­zen Betriebs oder der wesent­li­chen, dem Betrieb das Geprä­ge geben­den Betriebs­ge­gen­stän­de erzielt der Ver­päch­ter wei­ter­hin grund­sätz­lich gewerb­li­che Ein­künf­te, wenn er kei­ne Betriebs­auf­ga­be erklärt2. Die Erzie­lung von Ein­künf­ten i.S. des § 49 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG setzt indes­sen vor­aus, dass für den Betrieb eine Betriebs­stät­te unter­hal­ten wird oder ein stän­di­ger Ver­tre­ter bestellt ist. Dar­an fehlt es regel­mä­ßig bei der grenz­über­schrei­ten­den Ver­pach­tung eines im Inland bele­ge­nen Betriebs durch einen im Aus­land ansäs­si­gen Ver­päch­ter, weil die Geschäfts­ein­rich­tung ledig­lich dem Unter­neh­men des Päch­ters dient und der ver­pach­te­te Betrieb daher kei­ne Betriebs­stät­te des Ver­päch­ters begrün­det3. In Betracht kommt in der­ar­ti­gen Fäl­len aller­dings die Erzie­lung ‑sog. betriebs­stät­ten­lo­ser- inlän­di­scher gewerb­li­cher Ein­künf­te nach § 49 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. f EStG durch die Ver­mie­tung und Ver­pach­tung inlän­di­schen unbe­weg­li­chen Ver­mö­gens oder inlän­di­scher Sachinbegriffe.

Inlän­di­sche Ein­künf­te i.S. des § 49 EStG wer­den im Fal­le der gewerb­li­chen Ver­pach­tung einer Immo­bi­lie oder eines Betriebs im Hin­blick auf das kin­der­geld­recht­li­che Monats­prin­zip in allen Mona­ten erzielt, in denen das Pacht­ver­hält­nis besteht.

Gewinn­ein­künf­te wer­den in dem Monat erzielt, in dem die wirt­schaft­li­che Tätig­keit im Inland ent­fal­tet wird4. Bei einer Betriebs­ver­pach­tung nach § 15 EStG ist die wirt­schaft­li­che Tätig­keit in der Gebrauchs­über­las­sung zu sehen (vgl. § 581 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs). Denn gewerb­li­che Ein­künf­te aus einer Betriebs­ver­pach­tung beru­hen ‑anders als sol­che aus Bau­aus­füh­run­gen wie im BFH, Urteil in BFHE 261, 117, BStBl II 2018, 482- nicht auf akti­ven Tätig­kei­ten (vgl. § 15 Abs. 2 EStG), son­dern auf der Ver­pach­tung eines Gewer­be­be­triebs als sol­cher5. Der Inlands­be­zug wird in § 49 EStG dann nicht über eine Betriebs­stät­te her­ge­stellt, der die akti­ve Tätig­keit zuzu­ord­nen ist (§ 49 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG), son­dern bereits durch die inlän­di­sche Bele­gen­heit des über­las­se­nen Ver­mö­gens (§ 49 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. f EStG).

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Nichts ande­res gilt, wenn aus der Über­las­sung inlän­di­schen Ver­mö­gens nicht gewerb­li­che Ein­künf­te, d.h. Gewinn­ein­künf­te, son­dern inlän­di­sche (Überschuss-)Einkünfte aus Ver­mie­tung oder Ver­pach­tung erzielt wer­den (§ 49 Abs. 1 Nr. 6 i.V.m. § 21 EStG).

Da somit bereits die Über­las­sung des Hotel­be­triebs die Ein­künf­te zu „inlän­di­schen“ i.S. des § 49 EStG macht, berech­ti­gen sie zum Kin­der­geld­be­zug in allen Mona­ten, in denen das Miet- oder Pacht­ver­hält­nis besteht und eine Behand­lung nach § 1 Abs. 3 EStG erfolgt. Es kommt mit­hin weder dar­auf an, ob die Mut­ter in den jewei­li­gen Mona­ten akti­ve Tätig­kei­ten ent­fal­tet hat (z.B. Instand­hal­tungs­maß­nah­men am Grund­stück oder Ver­wal­tungs­auf­ga­ben) noch auf den ‑von Zufäl­lig­kei­ten abhän­gen­den und gestalt­ba­re- Ein­gang von Zahlungen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 23. März 2021 – III R 11/​20

  1. BFH, Urteil vom 14.03.2018 – III R 5/​17, BFHE 261, 117, BStBl II 2018, 482, Rz 11 und 13[]
  2. BFH, Urteil vom 13.11.1963 – GrS 1/​63 S, BFHE 78, 315, BStBl III 1964, 124; und BFH, Urteil vom 14.12.1993 – VIII R 13/​93, BFHE 174, 503, BStBl II 1994, 922[]
  3. Valta/​Lemm in Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 49, unter VIII. Besteue­rung beschränkt Steu­er­pflich­ti­ger, § 49 Beschränkt steu­er­pflich­ti­ge Ein­künf­te, Kom­men­tie­rung, D. Gewerb­li­che Ein­künf­te gemäß § 49 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a, III. Ein­zel­nach­wei­se, 1. Betriebs­stät­te, Betriebs­ver­pach­tung[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 261, 117, BStBl II 2018, 482, Rz 22 f.; Wendl in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 62 EStG Rz 7; Blümich/​Selder, § 62 EStG Rz 28[]
  5. BFH, Urtei­le in BFHE 78, 315, BStBl III 1964, 124; und vom 11.10.2007 – X R 39/​04, BFHE 219, 144, BStBl II 2008, 220[]

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