Kos­ten­er­stat­tung im sozi­al­recht­li­chen Wider­spruchs­ver­fah­ren

Nach § 63 Abs 1 S 1 SGB X hat der Rechts­trä­ger, des­sen Behör­de den ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akt erlas­sen hat, dem­je­ni­gen, der Wider­spruch erho­ben hat, die zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen zu erstat­ten, soweit der Wider­spruch erfolg­reich ist.

Kos­ten­er­stat­tung im sozi­al­recht­li­chen Wider­spruchs­ver­fah­ren

Ein Wider­spruch hat im Regel­fall immer dann Erfolg im Sin­ne des Geset­zes, wenn ihm die Behör­de statt­gibt 1.

Gegen einen Erfolg in dem vor­be­zeich­ne­ten Sinn spricht nicht der Umstand, dass die Behör­de im Aus­gangs­be­scheid nur eine vor­läu­fi­ge Ent­schei­dung getrof­fen hat. Denn es ist dem Adres­sa­ten eines Ver­wal­tungs­akts nicht ver­wehrt, auch gegen eine vor­läu­fi­ge Rege­lung Wider­spruch ein­zu­le­gen 2. Der Bescheid­adres­sat ist durch den vor­läu­fi­gen Bescheid – mit dem ihm im hier ent­schie­de­nen Fall Ent­gel­ter­satz­leis­tun­gen ver­wei­gert wor­den sind – beschwert und er war des­halb nicht gehin­dert, auf eine Ände­rung die­ser Ent­schei­dung mit den ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln hin­zu­wir­ken 3.

Für die in der Recht­spre­chung zu § 63 Abs 1 S 1 SGB X gefor­der­te ursäch­li­che Ver­knüp­fung zwi­schen Rechts­be­helf und begüns­ti­gen­der Ent­schei­dung 4 genügt es, dass der Abhil­fe eine vom Aus­gangs­be­scheid abwei­chen­de Beur­tei­lung der Sach- und Rechts­la­ge – hier: hin­sicht­lich Ein­tritt einer Sperr­zeit – zugrun­de liegt; einer Kau­sa­li­tät zwi­schen Wider­spruchs­be­grün­dung und Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Bescheids bedarf es nicht 5.

Soweit in dem hier ent­schie­de­nen Fall die Behör­de gel­tend macht, die Abhil­fe­ent­schei­dung beru­he auf der Vor­la­ge des arbeits­ge­richt­li­chen Ver­gleichs und inso­fern sei die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung mit Fäl­len der nach­träg­li­chen Erfül­lung von Mit­wir­kungs­pflich­ten ver­gleich­bar, in denen das BSG eine ursäch­li­che Ver­knüp­fung zwi­schen Rechts­be­helf und begüns­ti­gen­der Ent­schei­dung ver­neint habe, folgt ihr das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nicht. Denn die­se Recht­spre­chung beruht auf der Erwä­gung, dass ein ursäch­li­cher Zusam­men­hang dann nicht besteht, wenn dem Wider­spruch des­we­gen statt­ge­ge­ben wird, weil der Wider­spruchs­füh­rer wäh­rend des Wider­spruchs­ver­fah­rens eine Hand­lung nach­holt, die er bis zur Ertei­lung des ange­foch­te­nen Bescheids pflicht­wid­rig unter­las­sen hat 6. Im vor­lie­gen­den Fall, in dem der arbeits­ge­richt­li­che Ver­gleich erst am 3.12.2008 zustan­de gekom­men ist, kann kei­ne Rede davon sein, der Klä­ger habe in der Zeit bis zum Erlass des Bescheids vom 1.10.2008 eine ihm oblie­gen­de Mit­wir­kungs­hand­lung unter­las­sen. Dies steht auch nicht im Wider­spruch zu der Tat­sa­che, dass die Beklag­te aus­weis­lich der vom LSG in Bezug genom­me­nen Ver­wal­tungs­ak­ten mit Schrei­ben vom 30.9.2008 den Klä­ger unter Hin­weis auf des­sen Mit­wir­kungs­pflicht um Vor­la­ge des arbeits­ge­richt­li­chen Ver­gleichs gebe­ten hat­te.

Gegen die Annah­me eines Erfolgs iS des § 63 Abs 1 S 1 SGB X spricht auch nicht die Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts vom 25.01.2011 7, in der ein Erfolg des Wider­spruchs des­halb ver­neint wor­den ist, weil über­haupt kein Ver­wal­tungs­akt vor­lag und der Wider­spruch damit ins Lee­re ging 8. Im vor­lie­gen­den Fall wird auch von der beklag­ten Behör­de nicht bezwei­felt, dass sie mit dem Bescheid vom 1.10.2008 einen Ver­wal­tungs­akt erlas­sen hat.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 2. Mai 2012 – B 11 AL 23/​10 R

  1. vgl BSG SozR 3 – 1300 § 63 Nr 3 S 13, ua mit Hin­weis auf BVerwG Buch­holz 316 § 18 VwVfG Nr 12[]
  2. vgl BSG, Urteil vom 19.10.2011 – B 6 KA 35/​10 R, SozR 4 – 1300 § 63 Nr 16[]
  3. vgl BSG, Urteil vom 19.10.2011 aaO RdNr 18[]
  4. BSG SozR 3 – 1300 § 63 Nr 3 S 13 f; SozR 4 – 1300 § 63 Nr 1 RdNr 9; SozR 4 – 1300 § 63 Nr 13 RdNr 13 mwN[]
  5. vgl BSG, Urteil vom 19.10.2011 – B 6 KA 35/​10 R – RdNr 20[]
  6. vgl BSG SozR 3 – 1300 § 63 Nr 3 S 14; BSG USK 2001 – 61; BSG SozR 4 – 1300 § 63 Nr 1 RdNr 10[]
  7. BSG, Urteil vom 25.01.2011 – B 5 R 14/​10 R = SozR 4 – 1300 § 63 Nr 15[]
  8. zu einer sol­chen Fall­ge­stal­tung vgl bereits BSG SozR 4 – 1300 § 63 Nr 2[]