Kran­ken­geld bei Arbeits­lo­sig­keit

Eine Fami­li­en­ver­si­che­rung hat nach § 19 Abs 2 Satz 2 SGB V Vor­rang vor dem nach­ge­hen­den Leis­tungs­an­spruch. Die­se in Kennt­nis der gegen­tei­li­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts 1 mit Wir­kung vom 1. Janu­ar 2004 in das Fünf­te Buch Sozi­al­ge­setz­buch ein­ge­führ­te Vor­schrift ver­stößt nicht gegen das Grund­ge­setz.

Kran­ken­geld bei Arbeits­lo­sig­keit

So die Ent­schei­dung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Streits über die Gewäh­rung von Kran­ken­geld. Die 1959 gebo­re­ne, ver­hei­ra­te­te Klä­ge­rin war auf­grund ihrer ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen Beschäf­ti­gung bei der Metz­ge­rei Z. Mit­glied bei der Beklag­ten. Am 15.11.2009 erhielt sie die Kün­di­gung zum 31.12.2009. Sie mel­de­te sich des­halb am 30.11.2009 bei der Agen­tur für Arbeit (AA) Mann­heim zum 01.01.2010 arbeits­los. Die­se stell­te für die Zeit vom 01. bis 07.01.2010 den Ein­tritt einer Sperr­zeit wegen ver­spä­te­ter Mel­dung nach § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 7 Drit­tes Buch Sozi­al­ge­setz­buch (SGG III) fest und bewil­lig­te ab dem 08.01.2010 Arbeits­lo­sen­geld. Mit Bescheid vom 25.01.2010 hob sie die Ent­schei­dung über Bewil­li­gung von Arbeits­lo­sen­geld ab dem 08.01.2010 auf. Zur Begrün­dung wur­de „Ende der Leis­tungs­fort­zah­lung im Krank­heits­fall“ ange­ge­ben. Arbeits­lo­sen­geld wur­de für den Zeit­raum vom 05.01. bis 05.02.2010 nicht aus­ge­zahlt (Beschei­ni­gung der AA Mann­heim vom 05.05.2010). Erst ab dem 08.02.2010 erhielt die Klä­ge­rin Arbeits­lo­sen­geld. Ab dem 05.01.2010 attes­tier­te die Gemein­schafts­pra­xis Dres. St./R. Arbeits­un­fä­hig­keit (AU) wegen Unwohl­sein und Ermü­dung (ICD-10: R53 G), die vor­aus­sicht­lich bis 17.01.2010 bestehe. Mit Fol­ge­be­schei­ni­gun­gen vom 18.01.2010 (vor­aus­sicht­li­che Dau­er der AU: 23.01.2010) und 22.01.2010 (vor­aus­sicht­li­che Dau­er der AU: 05.02.2010) beschei­nig­ten die­se wei­ter­hin AU. Im Aus­zah­lungs­schein vom 01.02.2010 wur­de ange­ge­ben, die Klä­ge­rin sei wei­ter­hin wegen Unwohl­sein und Ermü­dung bis ein­schließ­lich 05.02.2010 arbeits­un­fä­hig. Mit Bescheid vom 03.02.2010 lehn­te die Beklag­te die Gewäh­rung von Krg ab, da bei Beginn der Arbeits­un­fä­hig­keit am 05.01.2010 kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht bestan­den habe und sie dem Grun­de nach mit Anspruch auf Fami­li­en­ver­si­che­rung über ihren Ehe­mann ver­si­chert gewe­sen sei. Sie sei des­halb ab dem 01.01.2010 ohne Anspruch auf Krg ver­si­chert. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren hat die Klä­ge­rin Kla­ge vor dem Sozi­al­ge­richt Mann­heim erho­ben. Mit Urteil vom 22. Juli 2011 hat das Sozi­al­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen.

Die beim Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg ein­ge­leg­te Beru­fung ist mit fol­gen­der Begrün­dung abge­wie­sen wor­den: Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts bestimmt allein das bei Ent­ste­hen eines Kran­ken­geld-Anspruchs bestehen­de Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis, wer in wel­chem Umfang als Ver­si­cher­ter Anspruch auf Kran­ken­geld hat 2. Gemäß § 44 Abs 1 Satz 1 SGB V haben „Ver­si­cher­te“ Anspruch auf Kran­ken­geld, wenn – abge­se­hen von den Fäl­len sta­tio­nä­rer Behand­lung – Krank­heit sie arbeits­un­fä­hig macht. Das Kran­ken­geld wird ohne zeit­li­che Begren­zung, für den Fall der AU wegen der­sel­ben Krank­heit jedoch längs­tens 78 Wochen inner­halb von drei Jah­ren, gerech­net vom Tage des Beginns der AU an, gezahlt (§ 48 Abs 1 Satz 1 SGB V). Der Anspruch auf Kran­ken­geld ent­steht gemäß § 46 Satz 1 Nr 2 SGB V von dem Tag an, der auf den Tag der ärzt­li­chen Fest­stel­lung der AU folgt. Grund­sätz­lich setzt daher der Anspruch auf Kran­ken­geld die vor­he­ri­ge ärzt­li­che Fest­stel­lung der AU vor­aus. Dem Attest des behan­deln­den Arz­tes mit der Fest­stel­lung der AU kommt ledig­lich die Bedeu­tung einer gut­acht­li­chen Stel­lung­nah­me zu, wel­che die Grund­la­ge für den über den Kran­ken­geld-Bezug zu ertei­len­den Ver­wal­tungs­akt der Kran­ken­kas­se bil­det, ohne dass Kran­ken­kas­se und Gerich­te an den Inhalt der ärzt­li­chen Beschei­ni­gung gebun­den sind 3. Vor­lie­gend käme daher allen­falls ein Kran­ken­geld-Anspruch ab dem 06.01.2010 – und nicht wie bean­tragt bereits seit dem 05.01.2010 – in Betracht. Denn erst am 05.01.2010 wur­de AU durch die Gemein­schafts­pra­xis Dres. St./R. beschei­nigt. Die Vor­aus­set­zun­gen eines Kran­ken­geld-Anspruchs, also nicht nur die AU son­dern auch die ärzt­li­che Fest­stel­lung der AU, müs­sen bei zeit­lich befris­te­ter AU-Fest­stel­lung und dem­entspre­chen­der Krg-Gewäh­rung für jeden Bewil­li­gungs­ab­schnitt jeweils erneut vor­lie­gen 4. Zudem muss der Ver­si­cher­te die AU und deren Fort­dau­er grund­sätz­lich recht­zei­tig ärzt­lich fest­stel­len las­sen und sei­ner Kran­ken­kas­se gemäß § 49 Abs 1 Nr 5 SGB V mel­den 5.

Die Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis­se, die die Gewäh­rung von Kran­ken­geld nicht ein­schlie­ßen, sind in § 44 Abs 2 SGB V auf­ge­führt. Danach kön­nen ins­be­son­de­re gemäß § 10 SGB V Fami­li­en­ver­si­cher­te Kran­ken­geld nicht bean­spru­chen (§ 44 Abs 2 Satz 1 Nr 1 SGG V), wäh­rend Mit­glie­dern der Kran­ken­ver­si­che­rung der Beschäf­tig­ten (§ 5 Abs 1 Nr 1 SGB V) und der Arbeits­lo­sen (§ 5 Abs 1 Nr 2 SGB V) bei AU Kran­ken­geld zusteht.

Vor­lie­gend war die Klä­ge­rin nur bis zum 31.12.2009 mit Anspruch auf Kran­ken­geld ver­si­chert. Sie gehör­te zwar ursprüng­lich in ihrer Eigen­schaft als ver­si­che­rungs­pflich­tig Beschäf­tig­te gemäß § 5 Abs 1 Nr 1 SGB V zum Kreis der Ver­si­che­rungs­pflich­ti­gen mit Anspruch auf Kran­ken­geld. Die­ser Ver­si­che­rungs­schutz ende­te aber mit dem Ende des ent­gelt­li­chen Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses am 31.12.2009 (vgl § 190 Abs 2 SGB V).

Ein Kran­ken­geld-Anspruch der Klä­ge­rin lässt sich ab dem 06.01.2010, dem Tag, der auf die ärzt­li­che Fest­stel­lung der Arbeits­un­fä­hig­keit am 05.01.2010 folg­te, nicht aus § 44 Abs 1 SGB V iVm §§ 5 Abs 1 Nr 2, 47b SGB V her­lei­ten (Pflicht­ver­si­che­rung in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Arbeits­lo­sen, KVdA). Nach § 5 Abs 1 Nr 2 SGB V sind ver­si­che­rungs­pflich­tig Per­so­nen in der Zeit, für die sie Arbeits­lo­sen­geld oder Unter­halts­geld nach dem SGB III bezie­hen oder nur des­halb nicht bezie­hen, weil der Anspruch ab Beginn des zwei­ten Monats bis zur 12. Woche einer Sperr­zeit (§ 144 SGB III) oder ab Beginn des zwei­ten Monats wegen einer Urlaubs­ab­gel­tung (§ 143 Abs 2 SGB III) ruht; dies gilt auch, wenn die Ent­schei­dung, die zum Bezug der Leis­tung geführt hat, rück­wir­kend auf­ge­ho­ben oder die Leis­tung zurück­ge­for­dert oder zurück­ge­zahlt wor­den ist. Das Gesetz unter­schei­det mit­hin eine Ver­si­che­rungs­pflicht bei Leis­tungs­be­zug (das Bestehen eines Anspruchs ist inso­weit nicht erfor­der­lich, aber auch nicht aus­rei­chend 6) und eine Ver­si­che­rungs­pflicht ohne Leis­tungs­be­zug. Letz­te­re tritt nur ein für die Zeit ab dem zwei­ten Monat einer Sperr­zeit nach § 144 SGB III. Erfasst sind damit (bis zu) zwölf­wö­chi­ge Sperr­zei­ten (vor allem) wegen Arbeits­auf­ga­be, Arbeits­ab­leh­nung, bei unzu­rei­chen­den Eigen­be­mü­hun­gen oder Abbruch einer beruf­li­chen Ein­glie­de­rungs­maß­nah­me im Sin­ne des § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 1, 2, 3 und 5 SGB III. In die­sen Fäl­len besteht Ver­si­che­rungs­pflicht aber nur für die Zeit ab Beginn des zwei­ten Sperr­zeit­mo­nats, nicht jedoch für den vom Gesetz aus­drück­lich aus­ge­nom­me­nen ers­ten Sperr­zeit­mo­nat. Der Ver­si­che­rungs­pflicht­tat­be­stand des § 5 Abs 1 Nr 2 2. Alter­na­ti­ve SGB V ist über sei­nen Wort­laut hin­aus nicht, auch nicht ent­spre­chend, auf die Sperr­zeit bei ver­spä­te­ter Arbeits­su­chend­mel­dung nach § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 7 SGB III anwend­bar, da die­se gemäß § 144 Abs 6 SGB III nur eine Woche beträgt und damit in den von der Ver­si­che­rungs­pflicht aus­ge­nom­me­nen ers­ten Sperr­zeit­mo­nat fällt 7.

Vor­lie­gend hat die Klä­ge­rin weder ab dem 01.01.2010 noch zu einem spä­te­ren Zeit­punkt im hier strei­ti­gen Zeit­raum Arbeits­lo­sen­geld oder Unter­halts­geld bezo­gen. Zum Zeit­punkt des Ein­tritts der AU am 05.01.2010 ruh­te näm­lich der Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld gemäß § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 7 SGB III. Wie bereits dar­ge­legt, kann die Rege­lung des § 5 Abs 1 Nr 2 2. Alter­na­ti­ve SGB V in den Fäl­len einer ein­wö­chi­gen Sperr­zeit nach § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 7 SGB III aber nicht ange­wen­det wer­den. Eine Pflicht­ver­si­che­rung in der Kran­ken­ver­si­che­rung der Arbeits­lo­sen nach § 5 Abs 1 Nr 2 SGB V ist daher im hier strei­ti­gen Zeit­raum nicht begrün­det wor­den.

Die auf­grund des frü­he­ren Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses basie­ren­de Mit­glied­schaft der Klä­ge­rin bei der Beklag­ten bestand auch nicht nach § 192 Abs 1 Nr 2 SGB V über den 31.12.2009 hin­aus fort, weil es an einem Tat­be­stand fehlt, der die Mit­glied­schaft ver­län­ger­te. Nach § 192 Abs 1 Nr 2 SGB V bleibt die Mit­glied­schaft Ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger erhal­ten, solan­ge ein Anspruch auf Kran­ken­geld besteht oder die­se Leis­tung in Anspruch genom­men wird. Die Klä­ge­rin bezog aber weder ab dem 01.01.2010 Kran­ken­geld noch hat­te sie für die­sen Tag Anspruch hier­auf. Ihre AU wur­de ent­spre­chend der Beschei­ni­gung der Dres. St./R. erst am 05.01.2010 beschei­nigt.

Ist die Mit­glied­schaft auch unter Berück­sich­ti­gung der Erhal­tungs­tat­be­stän­de in § 192 SGB V been­det, besteht gemäß § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V noch ein nach­ge­hen­der Leis­tungs­an­spruch (ggf auch auf Kran­ken­geld) längs­tens für einen Monat nach dem Ende der Mit­glied­schaft, solan­ge kei­ne Erwerbs­tä­tig­keit aus­ge­übt wird. Der bei­trags­freie, nach­wir­ken­de Ver­si­che­rungs­schutz dient der Ver­mei­dung sozia­ler Här­ten. Er soll ver­hin­dern, dass Betrof­fe­ne bei kurz­zei­ti­gen Beschäf­ti­gungs­lü­cken, etwa wegen eines Arbeits­platz­wech­sels, vor­über­ge­hend kei­nen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz haben 8. Da § 19 Abs 2 Satz 1 eine Aus­nah­me­vor­schrift zur Ver­mei­dung sozia­ler Här­ten dar­stellt, ent­fal­len die Schutz­be­dürf­tig­keit und damit der gesetz­ge­be­ri­sche Grund für die Gewäh­rung eines über das Mit­glied­schafts­en­de hin­aus­rei­chen­den, begrenz­ten, bei­trags­frei­en Ver­si­che­rungs­schut­zes, wenn es kei­ne Siche­rungs­lü­cke (mehr) gibt. Eine sol­che Lücke ist nicht gege­ben, wenn ent­we­der unmit­tel­bar im Anschluss eine bis­he­ri­ge Pflicht­mit­glied­schaft oder zu einem spä­te­ren Zeit­punkt inner­halb der Monats­frist des § 19 Abs 2 Satz 2 SGB V ein neu­es Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis begrün­det wird 9. Das aktu­el­le Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis hat mit­hin Vor­rang gegen­über dem nach­ge­hen­den Anspruch. Eine Ver­si­che­rung nach § 10 SGB V (Fami­li­en­ver­si­che­rung) hat des­we­gen Vor­rang vor dem )(grund­sätz­lich sub­si­diä­ren, vgl BSG 20.08.1986 – 8 RK 74/​84)) nach­ge­hen­den Leis­tungs­an­spruch. Dies hat der Gesetz­ge­ber mit Wir­kung vom 01.01.2004 durch die Ein­fü­gung von Satz 2 in Kennt­nis der ent­ge­gen­ste­hen­den Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts 1 aus­drück­lich nor­miert. Mit­glie­der, deren eige­ne Mit­glied­schaft endet, die aber nach § 10 SGB V Fami­li­en­ver­si­cher­te sind oder wer­den kön­nen, sind daher auf den Fami­li­en­ver­si­che­rungs­schutz ver­wie­sen. Sie haben (man­gels Schutz­be­dürf­tig­keit) kei­nen nach­ge­hen­den Leis­tungs­an­spruch aus § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V 10.

Im Gegen­satz zur Auf­fas­sung der Klä­ge­rin ver­letzt § 19 Abs 2 Satz 2 SGB V nicht Art 3 Abs 1, Art 6 Abs 1 GG. Das Ver­fah­ren war inso­weit nicht gemäß Art 100 Abs 1 GG aus­zu­set­zen, um die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­zu­ho­len.

Die Rege­lung des § 19 Abs 2 Satz 2 SGB V ver­stößt nicht gegen Art 3 Abs 1 GG. Die­ses Grund­recht gebie­tet, alle Men­schen vor dem Gesetz gleich zu behan­deln. Damit ist dem Gesetz­ge­ber aller­dings nicht jede Dif­fe­ren­zie­rung ver­wehrt. Er ver­letzt aber das Grund­recht, wenn er eine Grup­pe von Normadres­sa­ten anders als eine ande­re behan­delt, obwohl zwi­schen bei­den Grup­pen kei­ne Unter­schie­de von sol­cher Art und von sol­chem Gewicht bestehen, dass sie die unglei­che Behand­lung recht­fer­ti­gen könn­ten 11. Die von der Klä­ge­rin geschil­der­te Ungleich­be­hand­lung zwi­schen ver­hei­ra­te­ten und unver­hei­ra­te­ten Mit­glie­dern in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ist jedoch sach­lich gerecht­fer­tigt. Denn durch den nach­ge­hen­den Leis­tungs­an­spruch des § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V wird kein neu­es (vor­ran­gi­ges) Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis begrün­det. Das Gegen­teil ist viel­mehr der Fall. Sobald ein vor­ran­gi­ges gesetz­li­ches Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis besteht, schei­det eine Anwen­dung des inso­weit nach­ran­gi­gen § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V aus. Denn es han­delt sich bei die­ser Rege­lung – wie bereits dar­ge­legt – um eine Aus­nah­me­vor­schrift zur Ver­mei­dung sozia­ler Här­ten. Die Schutz­be­dürf­tig­keit und damit der gesetz­ge­be­ri­sche Grund für die Gewäh­rung eines über das Mit­glied­schafts­en­de hin­aus­ge­hen­den, begrenz­ten, bei­trags­frei­en Ver­si­che­rungs­schut­zes ent­fällt jedoch, wenn es kei­ne Siche­rungs­lü­cke (mehr) gibt. Eine sol­che Siche­rungs­lü­cke liegt dann nicht vor, wenn nach dem Ende der Mit­glied­schaft inner­halb der Monats­frist des § 19 Abs 2 Satz 1 ein neu­es gesetz­li­ches Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis begrün­det wird. Ein sol­ches Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis wird jedoch durch die Fami­li­en­ver­si­che­rung nach § 10 SGB V begrün­det. Die Klä­ge­rin ver­kennt bei ihrer Argu­men­ta­ti­on, dass § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V nicht pri­mär dazu die­nen soll, Ent­gel­ter­satz­leis­tun­gen (Kran­ken­geld) in Anspruch zu neh­men. Hier­für hat der Gesetz­ge­ber viel­mehr – bei Vor­lie­gen der ent­spre­chen­den Vor­aus­set­zun­gen – die Zah­lung von Arbeits­lo­sen­geld sowie die Wei­ter­zah­lung von Krg nach § 192 Abs 1 Nr 2 SGB V nor­miert. § 19 Abs 2 Satz 1 SGB V soll viel­mehr die Leis­tun­gen eines all­ge­mei­nen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schut­zes, wor­un­ter auch (aber nicht in ers­ter Linie) Kran­ken­geld fal­len kann, sicher­stel­len. Einen sol­chen gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz haben jedoch – im Gegen­satz zur den Fami­li­en­ver­si­cher­ten – Unver­hei­ra­te­te nach Ende ihrer Mit­glied­schaft nach § 5 Abs 1 Nr 1 SGB V nicht. Die­se müs­sen sich viel­mehr ent­we­der frei­wil­lig wei­ter­ver­si­chern oder einen ande­ren Ver­si­che­rungs­pflicht begrün­den­den Tat­be­stand erfül­len. Aus die­sen Aus­füh­run­gen folgt auch, dass der Gesetz­ge­ber nicht ver­pflich­tet war, § 44 Abs 2 SGB V – wie von der Klä­ge­rin gel­tend gemacht – zu ändern.

Dar­über hin­aus ver­stößt die Rege­lung des § 19 Abs 2 Satz 2 SGB V auch nicht gegen Art 6 Abs 1 GG. Nach Art 6 Abs 1 GG ste­hen Ehe und Fami­lie unter dem beson­de­ren Schutz des Staa­tes. Aus der in die­ser Rege­lung getrof­fe­nen Wert­ent­schei­dung zuguns­ten von Ehe und Fami­lie iVm dem Sozi­al­staats­prin­zip (Art 28 GG) ergibt sich aber ledig­lich eine all­ge­mei­ne Pflicht des Staa­tes zu einem Fami­li­en­las­ten­aus­gleich, nicht aber eine kon­kre­te Ent­schei­dung dar­über, in wel­chem Umfang und in wel­cher Wei­se ein sol­cher sozia­ler Aus­gleich vor­zu­neh­men ist; viel­mehr besteht inso­weit grund­sätz­lich eine Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers 12. Im Bereich des Sozi­al­rechts hat der Gesetz­ge­ber grund­sätz­lich einen wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum. Mit der bei­trags­frei­en Fami­li­en­ver­si­che­rung gemäß § 10 SGB V hat der Gesetz­ge­ber eine deut­li­che finan­zi­el­le Ent­las­tung von Ehen und Fami­li­en im Sinn von Art 6 Abs 1 GG geschaf­fen. Es besteht kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers, die­sen Fami­li­en­ver­si­cher­ten in jedem Leis­tungs­be­reich Ansprü­che zu gewäh­ren, die den Ansprü­chen der ande­ren gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­cher­ten im Umfang min­des­tens gleich­wer­tig sind. Es ist daher von Ver­fas­sungs wegen nicht zu bean­stan­den, dass Fami­li­en­ver­si­cher­te kei­nen Anspruch auf Krg haben.

Im Gegen­satz zur Auf­fas­sung der Klä­ge­rin liegt auch kei­ne Rege­lungs­lü­cke vor. Denn der Umstand, dass sie ab dem 1. Janu­ar 2010 kein Arbeits­lo­sen­geld erhal­ten hat, liegt in ihrem eige­nen Ver­hal­ten begrün­det. Sie hat sich näm­lich – nach ihrem eige­nen Vor­brin­gen – ent­ge­gen ihrer Ver­pflich­tung nach § 38 Abs 1 SGB III nicht inner­halb von drei Tagen nach Kennt­nis des Been­di­gungs­zeit­punk­tes ihres Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­ses bei der Arbeits­agen­tur Mann­heim arbeit­su­chend gemel­det. Des­we­gen ruh­te der Anspruch auf Arbeits­lo­sen­geld vom 01. bis 07.01.2010 gemäß § 144 Abs 1 Satz 2 Nr 7 SGB III. Eine gesetz­li­che Rege­lungs­lü­cke liegt mit­hin nicht vor.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 12. März 2012 – L 11 KR 3638/​11

  1. BSG, Urteil vom 07.05.2002 – B 1 KR 24/​01 R, SozR 3 – 2500 § 19 Nr 5[][]
  2. vgl BSG, 05.05.2009 – B 1 KR 20/​08 R und vom 02.11.2007 – B 1 KR 38/​06 R[]
  3. BSG 08.11.2005 – B 1 KR 18/​04 R, SozR 4 – 2500 § 44 Nr 7[]
  4. BSG, 26.06.2007 – B 1 KR 8/​07 R, SozR 4 – 2500 § 44 Nr 12 mwN[]
  5. BSG, 08.11.2005 – B 1 KR 30/​04 R, SozR 4 – 2500 § 46 Nr 1[]
  6. vgl BSG, 05.05.2009 – B 1 KR 20/​08 R, SozR 4 – 2500 § 192 Nr 4 RdNr 11 mwN; Peters in Kas­se­ler Kom­men­tar, § 5 SGB V RdNr 40, Stand 01/​2009[]
  7. vgl LSG Baden-Würt­tem­berg 14.12.2011 – L 5 KR 119/​11, nv[]
  8. vgl nur Brandts in Kas­se­ler Kom­men­tar, § 19 SGB V RdNr 33, Stand 07/​2010[]
  9. BSG 26.06.2007 – B 1 KR 2/​07 R[]
  10. vgl auch LSG Hes­sen, 26.10.2010 – L 1 KR 84/​10 sowie LSG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 28.06.2011 – L 11 KR 3181/​09 und LSG Baden-Würt­tem­berg 14.12.2011, L 5 KR 119/​11[]
  11. BVerfG 28.02.2007 – 1 BvL 5/​03, SozR 4 – 2500 § 27a Nr 11[]
  12. BVerfGE 87, 1, 35f, 40, SozR 3 – 5761 Allg Nr 1[]