Kran­ken­haus-Sanie­rungs­bei­trag

Kran­ken­häu­ser müs­sen für die Jah­re 2007 bis 2009 eine Kür­zung ihrer ver­trag­lich aus­ge­han­del­ten Ansprü­che durch die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen in Höhe von einem hal­ben Pro­zent der maß­geb­li­chen Kran­ken­haus­leis­tung hin­neh­men („Kran­ken­haus-Sanie­rungs­bei­trag”). Wie das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len jetzt in vier Mus­ter­ver­fah­ren zwi­schen Kran­ken­kas­sen und Kran­ken­häu­sern ent­schie­den hat, ist die­se Rege­lung des GKV-Wett­be­werbs­stär­kungs­ge­set­zes im Grund­satz nicht ver­fas­sungs­wid­rig. Das Esse­ner Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat damit Ent­schei­dun­gen der Sozi­al­ge­rich­te Aachen und Dort­mund bestä­tigt. Geklagt hat­ten zwei Kran­ken­häu­ser aus Unna und Düren gegen vier Kran­ken­kas­sen (Deut­sche BKK, Ham­burg-Mün­che­ner, Deut­sche Ange­stell­ten-Kran­ken­kas­se, Tech­ni­ker-Kran­ken­kas­se). Durch den Kran­ken­haus-Sanie­rungs­bei­trag wer­den den Kran­ken­häu­sern bun­des­weit ins­ge­samt rund 300 Mio Euro vor­ent­hal­ten.

Kran­ken­haus-Sanie­rungs­bei­trag

Nach Ansicht der Esse­ner Rich­ter stand dem Gesetz­ge­ber beim Erlass der Kür­zungs­re­ge­lung des § 8 Absatz 9 Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­set­zes ein Ein­schät­zungs­er­mes­sen zu. Der Gesetz­ge­ber beto­ne die Ver­ant­wor­tung der Leis­tungs­er­brin­ger und ver­pflich­te alle Betei­lig­ten am Gesund­heits­sys­tem dar­an mit­zu­wir­ken, das Gesamt­ver­sor­gungs­sys­tem der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung vor einem Zusam­men­bruch zu bewah­ren. In die­sem Rah­men ver­stößt der Rech­nungs­ab­schlag nach der Ein­schät­zung des LSG NRW weder gegen das Grund­recht der frei­en Berufs­aus­übung des Art. 12 GG noch gegen die Eigen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 GG oder den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz aus Art. 3 GG.

Die Kür­zungs­re­ge­lung ist nach Auf­fas­sung des LSG auch ver­hält­nis­mä­ßig. Sie sei geeig­net, weil sie zur Aus­ga­ben­sen­kung und Sta­bi­li­sie­rung der Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge bei­tra­ge. Sie sei erfor­der­lich, weil sich die Zie­le nicht durch ande­re Maß­nah­men sinn­vol­ler hät­ten ver­wirk­li­chen las­sen. Sie sei schließ­lich ange­mes­sen und zumut­bar, weil die Rege­lung zeit­lich begrenzt sei und die Ent­gelt­an­sprü­che mode­rat nur um ein Zwei­hun­derts­tel kür­ze.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Urtei­le vom 26. März 2009 – L 16 KR 87/​08, 88/​08, 135/​08 und 18/​09