Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung – Zuschlä­ge für Brust­zen­tren

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat jetzt in sechs Ver­fah­ren ent­schie­den, dass Kran­ken­häu­ser mit einem beson­de­ren Ver­sor­gungs­auf­trag für die Behand­lung von Brust­krebs­er­kran­kun­gen (Brust­zen­tren) von den Kran­ken­kas­sen einen Zuschlag für sta­tio­nä­re Zen­trums­leis­tun­gen bean­spru­chen kön­nen, soweit die­se Leis­tun­gen nicht schon über die nor­ma­len Ent­gel­te nach dem Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­setz ver­gü­tet wer­den.

Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung – Zuschlä­ge für Brust­zen­tren

Die Klä­ger – drei Kran­ken­haus­trä­ger sowie meh­re­re Kran­ken­kas­sen und Zusam­men­schlüs­se von Kran­ken­kas­sen – wen­den sich mit ihren Kla­gen gegen Geneh­mi­gun­gen von Schieds­stel­len­en­t­schei­dun­gen, mit denen drei Kran­ken­häu­sern in Nord­rhein-West­fa­len für 2006 Zuschlä­ge für die beson­de­ren Auf­ga­ben als Brust­zen­trum gewährt wor­den sind. Die Kran­ken­haus­trä­ger begeh­ren einen höhe­ren Zuschlag, wäh­rend die Kran­ken­kas­sen die Vor­aus­set­zun­gen für einen Zuschlag schon dem Grun­de nach als nicht erfüllt anse­hen.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len hat in sei­nen Beru­fungs­ur­tei­len 1 die erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dun­gen der Ver­wal­tungs­ge­rich­te Aachen 2und Müns­ter 3 abge­än­dert und ange­nom­men, dass den Kran­ken­haus­trä­gern nur im Hin­blick auf zwei der gel­tend gemach­ten Leis­tungs- und Kos­ten­po­si­tio­nen (Tumor­kon­fe­renz und Psy­cho­on­ko­lo­gie) ein Zuschlag zuste­he. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Müns­te­ra­ner Beru­fungs­ur­tei­le auf­ge­ho­ben und die Ver­fah­ren an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Bei den Kran­ken­häu­sern han­delt es sich um zuschlags­be­rech­tig­te Zen­tren im Sin­ne des Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­set­zes. Wur­de – wie hier vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Müns­ter fest­ge­stellt – ein Kran­ken­haus bestands­kräf­tig als Brust­zen­trum mit dem ent­spre­chen­den beson­de­ren Ver­sor­gungs­auf­trag in den Kran­ken­haus­plan des Lan­des auf­ge­nom­men, ergibt sich aus der Ver­knüp­fung von Kran­ken­haus­pla­nungs- und Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rungs­recht, dass auch ent­geltrecht­lich von einem Zen­trum aus­zu­ge­hen ist.

Anders als vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ange­nom­men, setzt die Zuschlags­fä­hig­keit von Zen­trums­leis­tun­gen nicht vor­aus, dass sie unmit­tel­bar der sta­tio­nä­ren Behand­lung des ein­zel­nen Pati­en­ten die­nen. Ein Zen­trum kann Zuschlä­ge für sol­che Leis­tun­gen bean­spru­chen, die im Rah­men des pau­scha­lie­ren­den Ent­gelt­sys­tems nicht durch Fall­pau­scha­len oder ande­re Ver­gü­tun­gen (Zusatz­ent­gel­te, sons­ti­ge Ent­gel­te) abge­gol­ten wer­den, weil der Finan­zie­rungs­tat­be­stand nicht in allen Kran­ken­häu­sern vor­liegt. Außer­dem muss es sich um sta­tio­nä­re Ver­sor­gungs­leis­tun­gen han­deln, so dass ambu­lan­te Leis­tun­gen von der Zuschlags­ge­wäh­rung aus­ge­schlos­sen sind.

Ob die­se Vor­aus­set­zun­gen außer bei den vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt als zuschlags­fä­hig aner­kann­ten Leis­tungs­po­si­tio­nen noch bei wei­te­ren der strei­ti­gen Pos­ten erfüllt sind, konn­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nicht abschlie­ßend fest­stel­len, weil die Vor­in­stan­zen dazu kei­ne hin­rei­chen­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen getrof­fen haben. Die Ver­fah­ren sind des­halb zur wei­te­ren Auf­klä­rung an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter zurück­ver­wie­sen wor­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 22. März 2014 – 3 C 8.2013 – 3 C 9.2013 – 3 C 12.2013 – 3 C 13.2013 – 3 C 14.2013 – und 3 C 15.2013 -

  1. OVG NRW, Urtei­le vom 18.04.2013 – 13 A 2102/​11, 13 A 2140/​11, 13 A 1167/​12, 13 A 1168/​12, 13 A 1169/​12 und 13 A 1170/​12[]
  2. VG Aachen, Urtei­le vom 22.06.2011 – 8 K 2424/​08 und 8 K 947/​08[]
  3. VG Müns­ter, Urtei­le vom 21.03.2012 – 9 K 1067/​09, 9 K 1117/​09, 9 K 1404/​09 und 9 K 1412/​09[]