Kran­ken­kas­sen­pro­gram­me fürs Ver­sor­gungs­ma­nage­ment

Kran­ken­kas­sen dür­fen Pro­gram­me für Ver­sor­gungs­ma­nage­ment in Erman­ge­lung einer gesetz­li­chen Grund­la­ge nicht in Koope­ra­ti­on mit pri­va­ten Bera­tungs­un­ter­neh­men ver­ein­ba­ren.

Kran­ken­kas­sen­pro­gram­me fürs Ver­sor­gungs­ma­nage­ment

Seit 2007 haben Ver­si­cher­te der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung Anspruch auf ein Ver­sor­gungs­ma­nage­ment, ins­be­son­de­re zur Lösung von Pro­ble­men beim Über­gang in die ver­schie­de­nen Ver­sor­gungs­be­rei­che.

In dem hier vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall schloss eine bun­des­un­mit­tel­ba­re Ersatz­kas­se mit einer Con­sul­ting Fir­ma zwei Dienst­leis­tungs­ver­trä­ge zur Pla­nung und Durch­füh­rung eines Ver­sor­gungs­ma­nage­ments. Die beklag­te Bun­des­re­pu­blik ver­pflich­te­te als Auf­sichts­be­hör­de die Kran­ken­kas­se, die Ver­trä­ge zu kün­di­gen. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat die dage­gen gerich­te­te Kla­ge nun letzt­in­stanz­lich abge­wie­sen:

Eine Kran­ken­kas­se ist nicht berech­tigt, ihren Ver­si­cher­ten in Kon­kur­renz zu Leis­tun­gen zuge­las­se­ner Leis­tungs­er­brin­ger eige­ne Leis­tungs­an­ge­bo­te des Ver­sor­gungs­ma­nage­ments zu unter­brei­ten. Die Kran­ken­kas­se erfüllt den hier­auf gerich­te­ten Anspruch Ver­si­cher­ter mit­tels der zuge­las­se­nen betei­lig­ten Leis­tungs­er­brin­ger. Sie hat die Leis­tungs­er­brin­ger bei der Erfül­lung die­ser Auf­ga­be ledig­lich zu unter­stüt­zen.

Soweit die von der Kran­ken­kas­se ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Maß­nah­men als zuläs­si­ge Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen in Betracht kom­men, darf die Kran­ken­kas­se hier­für nicht pri­va­te Drit­te ein­schal­ten. Bei die­sen auf eine bes­se­re Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten gerich­te­ten Bera­tungs- und Hil­fe­leis­tun­gen han­delt es sich um eige­ne Kern­auf­ga­ben, die sie nicht auf Drit­te über­tra­gen darf.

Die unzu­läs­si­ge Ein­be­zie­hung pri­va­ter Drit­ter in das Ver­sor­gungs­ma­nage­ment bewirkt zugleich einen Ver­stoß gegen natio­na­les Recht zum Schutz der Sozi­al­da­ten der Ver­si­cher­ten. Kran­ken­kas­sen dür­fen Sozi­al­da­ten nur für geset­zes­kon­for­me, abschlie­ßend benann­te Zwe­cke der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung erhe­ben und spei­chern, ver­ar­bei­ten und nut­zen, nicht aber für ein geset­zes­wid­ri­ges Ver­sor­gungs­ma­nage­ment. Dies gilt auch bei Ein­be­zie­hung der Daten­schutz­grund­ver­ord­nung.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 8. Okto­ber 2019 – B 1 A 3/​19 R