Kran­ken­trans­port­kos­ten – zwi­schen zwei Kli­ni­ken des­sel­ben Kran­ken­hau­ses

Wenn wäh­rend eines Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes aus medi­zi­ni­schen Grün­den eine sta­tio­nä­re Behand­lung eines Pati­en­ten in einem ande­ren Kran­ken­haus not­wen­dig ist, sind die für den Kran­ken­trans­port ent­ste­hen­den Kos­ten von der Kran­ken­kas­se zu tra­gen. Das gilt auch wenn bei­de Kli­ni­ken zu einem Kran­ken­haus gehö­ren.

Kran­ken­trans­port­kos­ten – zwi­schen zwei Kli­ni­ken des­sel­ben Kran­ken­hau­ses

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Reut­lin­gen in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge des DRK gegen die Kran­ken­kas­se statt­ge­ge­ben. Das Schwarz­wald-Baar-Kli­ni­kum (SBK) betreibt in Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen und Donau­eschin­gen Kli­ni­ken, die ca. 20 km von­ein­an­der ent­fernt sind. Ent­spre­chend der baden-würt­tem­ber­gi­schen Kran­ken­haus­pla­nung sind die bei­den Kli­ni­ken arbeits­tei­lig orga­ni­siert, Fach­ab­tei­lun­gen wer­den nur an jeweils einer Kli­nik vor­ge­hal­ten. Wird wäh­rend eines Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes aus medi­zi­ni­schen Grün­den eine sta­tio­nä­re Behand­lung eines Pati­en­ten in einem ande­ren Kran­ken­haus not­wen­dig, weil nur die­ses die zur Behand­lung not­wen­di­ge Fach­ab­tei­lung besitzt, sind die für den Kran­ken­trans­port ent­ste­hen­den Kos­ten von der Kran­ken­kas­se zu tra­gen. Ob dies aller­dings auch gilt, wenn zwei räum­lich von­ein­an­der ent­fern­te Kli­ni­ken zu einem Kran­ken­haus gehö­ren, ist höchst umstrit­ten. Gestützt auf die Rechts­an­sicht des Sozi­al­mi­nis­te­ri­ums Baden-Würt­tem­berg lehnt es das SBK seit 2016 ab, dem DRK die ent­stan­de­nen Kos­ten für Kran­ken­trans­por­te zwi­schen den bei­den Kli­ni­ken zu bezah­len, da die Kran­ken­kas­se hier­für zustän­dig sei. Die Kran­ken­kas­se wie­der­um sah das SBK in der Pflicht, die Kos­ten zu zah­len. Damit saß das DRK, das als Ret­tungs­dienst­leis­ter die Trans­port­fahr­ten erbrin­gen muss, zwi­schen allen Stüh­len, obwohl sich alle Betei­lig­ten einig waren, dass das DRK „nicht auf den Kos­ten sit­zen blei­ben darf“. Bei For­de­rungs­aus­fäl­len in einer Grö­ßen­ord­nung von ca. 500.000 € seit 2016 droh­te dem DRK-Ret­tungs­dienst der finan­zi­el­le Ruin.

Nach­dem das DRK mit einer Kla­ge gegen das SBK vor den Zivil­ge­rich­ten kei­nen Erfolg hat­te, ist nun­mehr die Kla­ge des DRK gegen die Kran­ken­kas­se vor dem Sozi­al­ge­richt Reut­lin­gen ein­ge­reicht wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Reut­lin­gen hat die Kran­ken­kas­se die Kos­ten für die Ver­le­gungs­fahr­ten zu tra­gen, auch wenn bei­de Kli­ni­ken zu einem Kran­ken­haus gehö­ren. Dies erge­be sich nach Ansicht des Sozi­al­ge­richts Reut­lin­gen zum einen aus Sinn und Zweck der Kran­ken­trans­por­te, die in einem unmit­tel­ba­ren und untrenn­ba­ren Zusam­men­hang mit der erfor­der­li­chen Kran­ken­haus­be­hand­lung stün­den, die die Kran­ken­kas­se zu erbrin­gen habe. Die Kran­ken­trans­por­te sei­en hier erfor­der­lich gewe­sen, um das Ziel der Kran­ken­haus­be­hand­lung über­haupt errei­chen zu kön­nen. Zum ande­ren erge­be sich die Leis­tungs­pflicht der Kran­ken­kas­se auch aus der Ver­ord­nung der Kran­ken­trans­por­te durch die Ärz­te des SBK, die zulas­ten der Kran­ken­kas­se wir­ke.

Sozi­al­ge­richt Reut­lin­gen, Urteil vom 8. Janu­ar 2020 – S 1 KR 3340/​18