Kran­ken­ver­si­che­rung für ewi­ge Stu­den­ten

Die (kos­ten­güns­ti­ge) Ver­si­che­rungs­pflicht als Stu­dent in der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung endet auch im Fall des naht­lo­sen Vor­lie­gens von so genann­ten Hin­de­rungs­grün­den (zB Erkran­kung, Behin­de­rung), spä­tes­tens mit dem 37. Lebens­jahr.

Kran­ken­ver­si­che­rung für ewi­ge Stu­den­ten

Die Kran­ken­ver­si­che­rungs­pflicht als Stu­dent über den Zeit­punkt der Voll­endung des 30. Lebens­jah­res hin­aus kommt nur in Fra­ge, wenn Hin­de­rungs­grün­de für die Über­schrei­tung die­ser Alters­gren­ze ursäch­lich waren (§ 5 Abs 1 Nr 9 SGB V). Lie­gen sol­che Grün­de vor und bestehen sie über den Zeit­punkt der Voll­endung des 30. Lebens­jah­res hin­aus naht­los fort, ver­län­gern sie gleich­wohl die Ver­si­che­rungs­pflicht nicht zeit­lich unbe­grenzt. Viel­mehr hat sich das Fort­dau­ern des kos­ten­güns­ti­gen Ver­si­che­rungs­schut­zes als Stu­dent an dem maxi­ma­len Zeit­rah­men zu ori­en­tie­ren, den das Gesetz auch vor Voll­endung des 30. Lebens­jah­res für das nicht ver­zö­ger­te Errei­chen eines Stu­di­en­ab­schlus­ses akzep­tiert. Das sind 14 Fach­se­mes­ter, mit­hin sie­ben Jah­re. Die Höchst­dau­er der Ver­si­che­rungs­pflicht als Stu­dent reicht daher längs­tens bis zur Voll­endung des 37. Lebens­jah­res.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ist damit nicht den Vor­in­stan­zen und der Beklag­ten gefolgt, die als maxi­ma­len Ver­län­ge­rungs­zeit­raum eine Zeit­span­ne von elf bis zwölf Jah­ren ange­nom­men hat­ten (= typi­scher Zeit­raum zwi­schen dem Erwerb der Hoch­schul­rei­fe und der gesetz­li­chen Alters­gren­ze des 30. Lebens­jah­res).

Die vom Stu­den­ten gerüg­te Ver­let­zung des behin­der­te Men­schen schüt­zen­den Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots (Arti­kel 3 Abs 3 S 2 GG), ande­rer Rege­lun­gen höher­ran­gi­gen Rechts und der UN-Behin­der­ten­­­rechts­­kon­­ven­ti­on liegt nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nicht vor. Ein Ver­stoß gegen das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung behin­der­ter Men­schen ist nicht ersicht­lich.

Zu ihren Guns­ten bestehen kei­ne Ansprü­che auf eine bestimm­te Art der Durch­füh­rung der Gesund­heits­ver­sor­gung, ins­be­son­de­re nicht dar­auf, die kos­ten­güns­tig aus­ge­stal­te­te Ver­si­che­rungs­pflicht als Stu­dent zeit­lich unbe­grenzt zur Ver­fü­gung gestellt zu erhal­ten.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 15. Okto­ber 2014 – B 12 KR 17/​12 R

  1. idF des GKV-Wett­be­werbs­stär­kungs­ge­set­zes – GKVWSG – vom 26.03.2007, BGBl I 378[]