Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge für frei­wil­lig Kran­ken­ver­si­cher­te und die Lebens­ver­si­che­rung

Bei der Bemes­sung der Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge von frei­wil­li­gen Mit­glie­dern der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ist die Aus­zah­lung aus einer pri­va­ten Lebens­ver­si­che­rung nach Ansicht des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts nicht zu berück­sich­ti­gen. Die „Bei­trags­ver­fah­rens­grund­sät­ze Selbst­zah­ler“ erfass­ten zwar im Ver­gleich zu den Bei­trä­gen von Pflicht­ver­si­cher­ten wei­te­re Arten von Ein­nah­men. Die­se Grund­sät­ze sei­en jedoch vom Vor­stand des Spit­zen­ver­ban­des der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen erlas­sen wor­den, der hier­zu nicht hin­rei­chend demo­kra­tisch legi­ti­miert sei.

Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge für frei­wil­lig Kran­ken­ver­si­cher­te und die Lebens­ver­si­che­rung

In dem jetzt vom Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall erhielt ein frei­wil­lig kran­ken­ver­si­cher­ter Mann im April 2009 aus einer pri­va­ten Lebens­ver­si­che­rung knapp 74.000 €. Dies leg­te die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se ihrer Bei­trags­be­mes­sung zugrun­de und erhöh­te die Bei­trä­ge des 62-Jäh­ri­gen.

Das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt äußer­te nun im einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren ernst­li­che Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit der Bei­trags­er­he­bung. Die Kran­ken­ver­si­che­rung kön­ne sich nicht auf die „Bei­trags­ver­fah­rens­grund­sät­ze Selbst­zah­ler“ beru­fen. Denn die­se sei­en weder als Sat­zung noch durch das zur Recht­set­zung beru­fe­ne Organ des Spit­zen­ver­ban­des der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen erlas­sen wor­den. Daher könn­ten die­se Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit der frei­wil­lig Ver­si­cher­ten nicht abwei­chend vom gesetz­li­chen Leit­bild bestim­men.

Hin­ter­grund die­ser Ent­schei­dung ist eine Geset­zes­än­de­rung zum 1. Janu­ar 2009. Bis zum 31.12.2008 waren die Kran­ken­kas­sen befugt, die Bei­trags­be­mes­sung zur frei­wil­li­gen Kran­ken­ver­si­che­rung auch abwei­chend von der Bemes­sung für Pflicht­ver­si­cher­te durch Sat­zung ver­bind­lich zu regeln. Die­se Sat­zungs­be­fug­nis soll­te durch eine ent­spre­chen­de Kom­pe­tenz des Spit­zen­ver­ban­des Bund der Kran­ken­kas­sen ersetzt wer­den. Die Ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts hat Bedeu­tung für die Her­an­zie­hung aller sons­ti­gen Ein­nah­men, die „für den Lebens­un­ter­halt ver­braucht wer­den kön­nen“. Hier­un­ter kön­nen z.B. auch Ein­nah­men aus Ver­mie­tung, Ver­pach­tung sowie Kapi­tal­ver­mö­gen fal­len, die bei Pflicht­ver­si­cher­ten bei­trags­frei sind.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Beschluss vom 21. Febru­ar 2011 – L 1 KR 327/​10 B ER