Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­ben für den Chris­to­pher Street Day

Der Ver­an­stal­ter des Ber­li­ner Chris­to­pher Street Day (CSD) – ein gemein­nüt­zi­ger ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein – muss nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts kei­ne Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be ent­rich­ten für Künst­ler, die im Anschluss an die poli­ti­sche Demons­tra­ti­on im Rah­men des Abend­pro­gramms des CSD auf­tre­ten.

Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­ben für den Chris­to­pher Street Day

In dem hier vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Streit­fall stell­te die beklag­te Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund im Rah­men einer Betriebs­prü­fung die Abga­be­pflicht des CSD-Trä­ger­ver­eins nach dem Recht der Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rung fest, da eini­ge der auf­tre­ten­den Künst­ler Hono­ra­re erhiel­ten, und erhob von dem Ver­ein für die Jah­re 2002 bis 2006 Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be (ins­ge­samt 763,34 Euro). Mit sei­ner Kla­ge gegen die­sen Bescheid ist der CSD-Trä­ger­ver­ein in den Vor­in­stan­zen und nun auch in letz­ter Instanz erfolg­reich gewe­sen.

Der CSD-Trä­ger­ver­ein unter­liegt nach allen in Betracht kom­men­den gesetz­li­chen Vari­an­ten nicht der Abga­be­pflicht nach dem Künst­ler­so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht. Er ist kein "pro­fes­sio­nel­ler Kunst­ver­mark­ter". Im Vor­der­grund sei­ner gemein­nüt­zi­gen Ver­eins­tä­tig­keit ste­hen der Abbau von Vor­ur­tei­len gegen­über sexu­el­len Min­der­hei­ten und die Bekämp­fung von Dis­kri­mi­nie­run­gen, die sich gegen die­se Men­schen rich­ten. Der Ver­wirk­li­chung die­ser Zie­le dient die jähr­li­che CSD-Ver­an­stal­tung, die von einem künst­le­ri­schen Abend­pro­gramm ledig­lich flan­kiert wird. Der Ver­ein bezweckt inso­weit im Wesent­li­chen kei­ne "Wer­bung oder Öffent­lich­keits­ar­beit für Drit­te". Die Abga­be­pflicht erfor­dert eine gewis­se Nach­hal­tig­keit der Unter­neh­mens­tä­tig­keit und nicht nur eine "gele­gent­li­che" Ver­ga­be von Auf­trä­gen. Dafür reicht es nicht aus, wenn nur ein­mal pro Jahr für weni­ge Stun­den selbst­stän­di­ge Künst­ler gegen Ent­gelt beauf­tragt wer­den. Dar­an schei­tert letzt­lich auch die Abga­be­pflicht nach ande­ren gesetz­li­chen Rege­lun­gen, hier ins­be­son­de­re Wer­bung oder Öffent­lich­keits­ar­beit für das eige­ne Unter­neh­men sowie die Durch­füh­rung von Ver­an­stal­tun­gen, in denen künst­le­ri­sche Leis­tun­gen auf­ge­führt wer­den (für die das Gesetz mehr als drei Ver­an­stal­tun­gen im Kalen­der­jahr ver­langt).

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil am 28. Sep­tem­ber 2017 – B 3 KS 2/​16 R