Leih­ge­büh­ren für ein Cel­lo als Leis­tung des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets

Leih­ge­büh­ren für ein Cel­lo kön­nen nicht als Leis­tung des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets über­nom­men wer­den.

Leih­ge­büh­ren für ein Cel­lo als Leis­tung des Bil­dungs- und Teil­ha­be­pa­kets

In dem jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit besuch­te der Klä­ger im strei­ti­gen Zeit­raum die Klas­sen­stu­fe 7 eines Gym­na­si­ums im musi­schen Zweig. Nach der Abbu­chung der Leih­ge­büh­ren für ein aus­schließ­lich schu­lisch ein­ge­setz­tes Cel­lo vom Kon­to der Mut­ter bean­trag­te er die Über­nah­me die­ser Auf­wen­dun­gen durch den Beklag­ten als Teil­ha­be­leis­tun­gen nach § 28 Abs 7 SGB II. Der Beklag­te lehn­te dies mit der Begrün­dung ab, dass die Über­nah­me von Leih­ge­büh­ren für ein Instru­ment grund­sätz­lich nicht als Teil­ha­be­leis­tung för­der­fä­hig sei. Nach­dem der Klä­ger vor dem Sozi­al­ge­richt Mann­heim [1] zunächst erfolg­reich gewe­sen ist, hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg [2] der Beru­fung des Beklag­ten mit der Begrün­dung statt­ge­ge­ben, Leis­tun­gen nach § 28 Abs 7 SGB II wür­den nicht für einen durch den Schul­be­such ent­ste­hen­den Bedarf gewährt.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat die­ses Urteil mit der Begrün­dung bestä­tigt, dass nach alter – hier noch anzu­wen­den­der – Rechts­la­ge bereits nach dem Wort­laut von § 28 Abs 7 SGB II Bedar­fe durch Leih­ge­büh­ren für ein Musik­in­stru­ment von der Vor­schrift nicht erfasst waren.

Der Klä­ger hat kei­nen Anspruch auf die Über­nah­me der Leih­ge­büh­ren für das Cel­lo durch das Job­cen­ter. Er konn­te den Streit­ge­gen­stand zwar zuläs­si­ger Wei­se auf die Erstat­tung der Leih­ge­büh­ren für das Cel­lo beschrän­ken. Es man­gelt jedoch an einer gesetz­li­chen Grund­la­ge für den gel­tend gemach­ten Anspruch. § 28 Abs. 7 SGB II schei­det als Anspruchs­grund­la­ge aus. Nach der Rechts­la­ge bis zum 31.07.2013 wur­de ein Bedarf zur Teil­ha­be am sozia­len und kul­tu­rel­len Leben in der Gemein­schaft in Höhe von ins­ge­samt 10 Euro monat­lich u.a. für Unter­richt in künst­le­ri­schen Fächern (zum Bei­spiel Musik­un­ter­richt) berück­sich­tigt. Bereits nach dem Wort­laut der Vor­schrift waren Bedar­fe durch Leih­ge­büh­ren für ein Musik­in­stru­ment von der Vor­schrift nicht erfasst. Aus­schließ­lich der Unter­richt selbst konn­te durch sie finan­ziert wer­den. Dies hat sich zwar zum 01.08.2013 durch Ein­fü­gung eines Sat­zes 2 in § 28 Abs. 7 SGB II geän­dert, ohne dass sich hier­aus jedoch Fol­gen für die vor­her­ge­hen­de Rechts­la­ge erge­ben. Unab­hän­gig davon hat­te der Klä­ger jedoch auch des­we­gen kei­nen Anspruch auf Leis­tun­gen nach § 28 Abs. 7 SGB II, weil durch sie grund­sätz­lich nur Bedar­fe auf Grund außer­schu­li­scher Aktivitäten/​Bedarfe im Teil­ha­be­be­reich gedeckt wer­den sol­len. Im vor­lie­gen­den Fall ist das Cel­lo hin­ge­gen aus­schließ­lich für schu­li­sche Zwe­cke ein­ge­setzt wor­den.

Der Klä­ger kann sein Begeh­ren eben­so wenig auf die Här­te­re­ge­lung des § 21 Abs. 6 SGB II stüt­zen. Bedar­fe, die unmit­tel­bar durch den Schul­un­ter­richt ent­ste­hen wer­den durch den per­sön­li­chen Schul­be­darf nach § 28 Abs. 3 SGB II gedeckt. Für die Gewähr­leis­tung des Unter­richts selbst sind hin­ge­gen Schu­le und Schul­trä­ger zustän­dig, auch für das Zur­ver­fü­gung­stel­len eines Musik­in­stru­ments in einem musi­schen Zweig – bei Ein­satz in die­sem. Unab­hän­gig davon war der Bedarf im kon­kre­ten Fall jedoch auch kein unab­weis­ba­rer i.S.d. § 21 Abs. 6 SGB II, denn nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­so­zi­al­ge­richts hät­ten für die Klas­sen­stu­fe 7 im Musik­pro­fil der von dem Klä­ger besuch­ten Schu­le kei­ne Leih­ge­büh­ren für das Cel­lo mehr ent­rich­tet wer­den müs­sen.

Bun­des­so­zi­al­ge­ircht, Urteil vom 10. Sep­tem­ber 2013 – B 4 AS 12/​13 R

  1. SG Mann­heim – S 1 AS 1671/​11[]
  2. LSG Baden-Würt­tem­berg – L 2 AS 580/​12[]