Leis­tun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se

Gesetz­li­che Kran­ken­kas­sen dür­fen kei­nen welt­wei­ten Ver­si­che­rungs­schutz anbie­ten.

Leis­tun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se

So hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt 1 in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Ver­pflich­tung einer Kran­ken­kas­se als rech­tens ange­se­hen, den Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trag bei einem pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rer unver­züg­lich zu been­den. Nach § 16 SGB V ruht der Leis­tungs­an­spruch bei gesetz­lich Ver­si­cher­ten, wenn sie sich im Aus­land auf­hal­ten und zwar auch dann, wenn sie dort wäh­rend eines vor­über­ge­hen­den Auf­ent­halts erkran­ken. Die­se Rege­lung hat die betref­fen­de Kran­ken­kas­se zu umge­hen ver­sucht, indem sie ihre Mit­glie­der und deren fami­li­en­ver­si­cher­ten Ange­hö­ri­gen welt­weit bei Aus­lands­rei­sen gegen Krank­heits­kos­ten bei einem pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rer ver­si­chert hat. Das Bun­des­auf­sichts­amt hat die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se ver­pflich­tet, die­sen Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trag unver­züg­lich zu been­den. Dage­gen hat sie sich gewehrt. Nach erfolg­lo­ser Kla­ge ver­folgt sie ihr Ziel wei­ter mit der Revi­si­on.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts fehlt es an einer aus­drück­li­chen gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung, damit die Klä­ge­rin mit dem Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trag zusätz­li­che, nicht durch Gesetz zuge­las­se­ne Leis­tun­gen über­neh­men darf. Nach § 30 SGB IV dür­fen die Ver­si­che­rungs­trä­ger nur Geschäf­te zur Erfül­lung ihrer gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen oder zuge­las­se­nen Auf­ga­ben füh­ren und ihre Mit­tel nur für die­se Auf­ga­ben sowie die Ver­wal­tungs­kos­ten ver­wen­den. Wer­den Bei­trags­mit­tel dar­über hin­aus ein­ge­setzt, ist das unzu­läs­sig und die Klä­ge­rin hat den Grup­pen­ver­si­che­rungs­ver­trag zu been­den. Aus­drück­lich betont das Bun­des­so­zi­al­ge­richt, dass gesetz­lich Ver­si­cher­te sich im Fall einer Aus­lands­rei­se selbst ergän­zend mit einem ent­spre­chen­den welt­wei­tem Schutz absi­chern müs­sen.

Inso­weit bie­tet eine gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung also kei­nen Vor­teil gegen­über einer pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung. Stellt sich für einen Selb­stän­di­gen die Fra­ge der Kran­ken­ver­si­che­rung, bie­tet es sich an, die Vor­tei­le und Nach­tei­le einer gesetz­li­chen bzw. einer pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung genau gegen­ein­an­der abzu­wä­gen. Beson­ders nütz­lich sind in die­sem Zusam­men­hang diver­se Ver­gleichs­por­ta­le im Inter­net. Für die Ent­schei­dung wich­tig ist die indi­vi­due­le Lebens­si­tua­ti­on des Betref­fen­den: So erscheint für einen Selb­stän­di­gen mit Fami­lie die Mög­lich­keit einer Fami­li­en­ver­si­che­rung im Rah­men einer gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung sehr attrak­tiv. Maß­ge­bend für eine sol­che bei­trags­freie Fami­li­en­mit­ver­si­che­rung ist die Erfül­lung bestimm­ter Vor­aus­set­zun­gen. So zäh­len zu den Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen:

Dar­über hin­aus sind Alters­gren­zen bei den Kin­dern und Ein­kom­mens­gren­zen für die Fami­li­en­ver­si­che­rung zu beach­ten. Ver­dient z.B. der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge zuviel (über 1/​7 von 2.905 Euro = 415 Euro für 2016), sind die Vorraus­set­zun­gen nicht erfüllt und die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung kann eine Alter­na­ti­ve sein.

  1. BSG, Urteil vom 31.05.2016 – B 1 A 2/​15 R[]