Leis­tungs­ab­sen­kung bei Asyl­be­wer­ber­leis­tun­gen

Ent­schei­dend für eine Leis­tungs­ab­sen­kung nach § 1a Abs. 1 Satz 2 Asyl­bLG ist nur, dass der gestell­te Asyl­an­trag unzu­läs­sig ist. Es kommt nicht auf ein Fehl­ver­hal­ten durch den Antrag­stel­ler an.

Leis­tungs­ab­sen­kung bei Asyl­be­wer­ber­leis­tun­gen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Osna­brück in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren die Recht­mä­ßig­keit einer Leis­tungs­kür­zung nach Abwei­sung eines Asyl­an­tra­ges bestä­tigt. Den Antrag hat ein suda­ne­si­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger gestellt, der nach eige­nen Anga­ben im August 2019 in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­reis­te. Wäh­rend des Asyl­ver­fah­rens wur­de bekannt, dass er bereits im Juni 2017 einen Asyl­an­trag in Frank­reich gestellt hat­te. Im Sep­tem­ber 2019 lehn­te daher das Bun­des­amt für die Aner­ken­nung aus­län­di­scher Flücht­lin­ge den Antrag auf Gewäh­rung von Asyl als unzu­läs­sig ab, da Frank­reich wegen des dort gestell­ten Asyl­an­trags für das Asyl­ver­fah­ren zustän­dig sei.

Der Antrag­stel­ler erhielt zunächst unge­kürz­te Leis­tun­gen nach dem Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz (Asyl­bLG). Für die Zeit ab dem 13.10.2019 wur­den ihm vom zustän­di­gen Land­kreis (Antrags­geg­ner) dann nur noch ein­ge­schränk­te Leis­tun­gen zur Deckung des Bedar­fes an Ernäh­rung und Unter­kunft ein­schließ­lich Hei­zung sowie Kör­per- und Gesund­heits­pfle­ge gewährt (Leis­tungs­ein­schrän­kung nach § 1a Abs. 1 Satz 2 Asyl­bLG). Gegen die Leis­tungs­kür­zung hat sich der Betrof­fe­ne mit einem einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren beim Sozi­al­ge­richt Osna­brück gewehrt.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Osna­brück ist nur ent­schei­dend, dass der gestell­te Asyl­an­trag unzu­läs­sig ist, da ein ande­res Land (hier Frank­reich) nach dem sog. Dub­lin-Ver­fah­ren zustän­dig ist. Auf ein Fehl­ver­hal­ten durch den Antrag­stel­ler kommt es nach der anzu­wen­den­den Vor­schrift nicht an.

Dar­über hin­aus teilt das Sozi­al­ge­richt Osna­brück die von dem Antrag­stel­ler geäu­ßer­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken nicht: Der Gesetz­ge­ber kön­ne Anrei­ze zur frei­wil­li­gen Aus­rei­se in das für das Asyl­ver­fah­ren zustän­di­ge Land auch durch Leis­tungs­kür­zun­gen set­zen. Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom Novem­ber 2019 zu den Sank­tio­nen im Zwei­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­buchs, wonach Kür­zun­gen von mehr als 30% des Regel­sat­zes zur Ein­glie­de­rung in Arbeit nicht mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar sind [1], lässt sich zur Über­zeu­gung des Sozi­al­ge­richts Osna­brück nicht auf das Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­recht über­tra­gen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat sich im genann­ten Urteil nur mit der Leis­tungs­kür­zung zur Ein­glie­de­rung in Arbeit und den dor­ti­gen Vor­schrif­ten befasst.

Sozi­al­ge­richt Osna­brück, Beschluss vom 27. Janu­ar 2020 – S 44 AY 76/​19 ER

  1. BVerfG, Urteil vom 05.11.2019 – 1 BvL 7/​16[]