Licht­si­gnal­an­la­ge und Gehör­lo­sen­not­ruf

Eine hoch­gra­dig schwer­hö­ri­ge Ver­si­cher­te hat einen Anspruch gegen die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung auf Ver­sor­gung mit einer Licht­si­gnal­an­la­ge für den Ein­satz in ihrer häus­li­chen Woh­nung. Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men jetzt eine gesetz­li­che Kran­ken­kas­se in einem kürz­lich ent­schie­de­nen Fall dazu ver­pflich­tet, bei einer Klä­ge­rin die Kos­ten für eine sol­che Anla­ge zu über­neh­men, mit der die akus­ti­schen Signa­le von Tele­fon­an­la­ge und Tür­klin­gel in Licht­si­gna­le und Vibra­tio­nen umge­wan­delt und damit auch von Gehör­lo­sen wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen.

Licht­si­gnal­an­la­ge und Gehör­lo­sen­not­ruf

Die Kran­ken­kas­se hat­te sich zunächst gewei­gert mit Hin­weis dar­auf, dass es sich bei der Anla­ge um eine tech­ni­sche Hil­fe zur Anpas­sung des Wohn­um­fel­des und nicht um ein Hilfs­mit­tel der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung han­de­le. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat die­ser Ansicht wider­spro­chen und in sei­nem Urteil aus­ge­führt, dass die Licht­si­gnal­an­la­ge eine tech­ni­sche Hil­fe dar­stellt, die mit dem Wohn­ge­bäu­de nicht fest ver­bun­den ist, son­dern aus beweg­li­chen Ein­zel­tei­len (Blitz­lam­pen, Kabel, Vibra­ti­ons­kis­sen, Sen­der) besteht, die jeder­zeit von ihrer Ver­bin­dung mit Tele­fon­an­la­ge und Tür­klin­gel wie­der gelöst wer­den kön­nen und damit zum Aus­gleich der Behin­de­rung eines Schwer­hö­ri­gen in jeder Woh­nung geeig­net sind. Die­ses Hilfs­mit­tel war im kon­kre­ten Fall zum Aus­gleich der Behin­de­rung der Klä­ge­rin auch erfor­der­lich, da es deren gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be am Leben in der Gemein­schaft wesent­lich för­dert. Zur selbst­stän­di­gen und selbst­be­stimm­ten Lebens­füh­rung gehört es, so das Lan­des­so­zi­al­ge­richt wei­ter, bestimm­ten Per­so­nen wie Bekann­ten oder Ärz­ten jeder­zeit und selbst­stän­dig Ein­lass gewäh­ren zu kön­nen. Die Klä­ge­rin kön­ne des­halb auch nicht dar­auf ver­wie­sen wer­den, ihre Tür dau­er­haft offen ste­hen zu las­sen oder ande­re Per­so­nen mit einem Woh­nungs­schlüs­sel aus­zu­stat­ten.

In einem wei­te­ren Fall hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt mit Urteil vom glei­chen Tage einer gehör­lo­sen Ver­si­cher­ten, die bereits mit einer Licht­si­gnal­an­la­ge aus­ge­stat­tet ist, auch die Ver­sor­gung mit einer Gehör­lo­sen­not­ruf­an­la­ge zuge­bil­ligt. Die Klä­ge­rin in die­sem Ver­fah­ren lei­det zugleich an einer neu­ro­lo­gi­schen Erkran­kung unkla­rer Ursa­che mit schwe­ren Gang- und Stand­un­si­cher­hei­ten. Ihrem eben­falls gehör­lo­sen Ehe­mann kann sich die Klä­ge­rin ohne die Not­ruf­an­la­ge bei auf­tre­ten­den Stür­zen nicht bemerk­bar machen. Die Not­ruf­an­la­ge über­trägt als Erwei­te­rungs­set zur Licht­klin­gel­an­la­ge einen Not­ruf per Funk an einen trans­por­ta­blen Funk­emp­fän­ger, der die­sen durch Licht­blit­ze und/​oder Vibra­ti­on wie­der­gibt. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat auch in die­sem Fal­le ent­schie­den, dass es sich um ein erfor­der­li­ches Hilfs­mit­tel im Sin­ne der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung han­delt, das dem Aus­gleich der Behin­de­rung der Ver­si­cher­ten dient und ihr eine mög­lichst selbst­stän­di­ge Lebens­füh­rung ermög­licht.

In bei­den Fäl­len sind die Urteil noch nicht rechts­kräf­tig, das LSG hat in bei­den Fäl­len die Revi­si­on zum Bun­des­so­zi­al­ge­richt zuge­las­sen, die in dem Ver­fah­ren wegen der Licht­si­gnal­an­la­ge auch ber­eis ein­ge­legt wur­de (B 3 KR 5/​09)

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urtei­le vom 25. Febru­ar 2009 – L 1 KR 201/​07 (Licht­si­gnal­an­la­ge) und L 1 KR 151/​08 (Gehör­lo­sen­not­ruf)

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