Liqui­da­tor in Tscher­no­byl – und die deut­schen Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che

Auf­räum­ar­bei­ten am hava­rier­ten Kern­kraft­werk von Tscher­no­byl kön­nen grund­sätz­lich Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che nach dem Bun­des­ver­sor­gungs­ge­setz (BVG) aus­lö­sen. Aller­dings muss die Ver­strah­lung als Ursa­che für den Krebs bestä­tigt wer­den.

Liqui­da­tor in Tscher­no­byl – und die deut­schen Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen – Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine Hin­ter­blie­be­nen­ren­te abge­lehnt. Gleich­zei­tig ist die Ent­schei­dung des Sozi­al­ge­richts Osna­brück [1] bestä­tigt wor­den. Ein Spät­aus­sied­ler (*1950, † 2006) hat in der Sowjet­uni­on von 1969 bis 1971 sei­nen Wehr­dienst abge­leis­tet und ist 1987 für ein hal­bes Jahr ver­pflich­tet wor­den, bei Auf­räum­ar­bei­ten als sog. Liqui­da­tor zu hel­fen. Die Ehe­leu­te kamen 1993 nach Deutsch­land. Im Jah­re 2005 erkrank­te der Mann an Krebs, den er auf eine erlit­te­ne Ver­strah­lung in Tscher­no­byl zurück­führ­te. Nach dem Tod des Man­nes begehr­te sei­ne Wit­we eine Hin­ter­blie­be­nen­ren­te. Das Ver­sor­gungs­amt lehn­te Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen für den Mann ab, da es sich bei der Tätig­keit nicht um Wehr­dienst oder Reser­vis­ten­dienst gehan­delt habe.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen – Bre­men aus­ge­führt, dass der Mann in Erfül­lung sei­ner Reser­vis­ten­pflich­ten tätig gewor­den ist und damit grund­sätz­lich einen Ent­schä­di­gungs­an­spruch haben kann. Denn nach der dama­li­gen Rechts­la­ge in der Sowjet­uni­on habe sein Dienst auf der Zuord­nung zu den Reser­ve­streit­kräf­ten beruht. Durch die deut­sche Aner­ken­nung als Spät­aus­sied­ler kön­ne auch aus dem sowje­ti­schen Reser­ve­dienst ein inlän­di­scher Anspruch aus einer Wehr­dienst­be­schä­di­gung fol­gen. So kön­nen sich eben­falls Ver­sor­gungs­an­sprü­che erge­ben.

In die­sem spe­zi­el­len Fall konn­te nach der medi­zi­ni­schen Sach­la­ge die Ver­strah­lung nicht als Ursa­che für den Krebs bestä­tigt wer­den. Der Mann sei zu einer rela­tiv spä­ten Pha­se der Auf­räum­ar­bei­ten her­an­ge­zo­gen wor­den. Die genaue Strah­len­do­sis sei – im Gegen­satz zu ähn­li­chen Fäl­len – nie bekannt gewor­den und es sei auch nie fest­ge­stellt wor­den, wel­cher Pri­mär­tu­mor vor­ge­le­gen habe.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 26. Febru­ar 2020 – L 10 VE 70/​14

  1. SG Osna­brück, Urteil vom 12.11.2014 – S 2 VE 12/​12[]