"Min­dest­men­ge" zu behan­deln­der Früh­ge­bo­re­ner

Die Erhö­hung der "Min­dest­men­ge" zu behan­deln­der Früh­ge­bo­re­ner mit Geburts­gewicht unter 1250 Gramm von 14 auf 30 Gebur­ten pro Jahr für Kran­ken­häu­ser ist nich­tig.

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Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt gab zwar dem Gemein­sa­men Bun­des­aus­schuss im Aus­gangs­punkt Recht, dass die Behand­lung Früh­ge­bo­re­ner mit Geburts­ge­wicht unter 1250 Gramm eine plan­ba­re Leis­tung dar­stellt, für die er ver­fas­sungs­kon­form Min­dest­men­gen beschlie­ßen darf. Er durf­te auch anneh­men, dass die Qua­li­tät des Behand­lungs­er­geb­nis­ses Früh­ge­bo­re­ner mit Geburts­ge­wicht unter 1250 Gramm in beson­de­rem Maße von der Men­ge der erbrach­ten Leis­tun­gen in einer Abtei­lung abhän­gig ist. Es han­delt sich um hoch­kom­ple­xe medi­zi­ni­sche Leis­tun­gen, bei denen die mit wis­sen­schaft­li­chen Bele­gen unter­mau­er­te Erwar­tung berech­tigt ist, dass die Güte der Leis­tungs­er­brin­gung hin­sicht­lich der Mor­ta­li­täts­ra­te in beson­de­rem Maße auch von der Erfah­rung und Rou­ti­ne der mit der jewei­li­gen Ver­sor­gung betrau­ten Kran­ken­haus­ein­heit beein­flusst ist.

Der Gemein­sa­me Bun­des­aus­schuss über­schritt indes mit der Erhö­hung der Min­dest­men­ge sei­nen Beur­tei­lungs­spiel­raum. Die neue­re Stu­di­en­la­ge recht­fer­tigt die beschlos­se­ne Erhö­hung der Min­dest­men­ge nicht. Die Mor­ta­li­täts­ra­te Früh­ge­bo­re­ner sinkt nicht line­ar mit stei­gen­der Zahl behan­del­ter Kin­der. Viel­mehr behan­del­ten 56 % der Abtei­lun­gen mit einer jähr­li­chen Fall­zahl von min­des­tens 30 die Früh­ge­bo­re­nen mit über­durch­schnitt­li­cher Qua­li­tät risi­ko­ad­jus­tier­ter Mor­ta­li­tät, aber auch immer­hin 44 % der Abtei­lun­gen mit einer Fall­zahl von 14 bis 29 Früh­ge­bo­re­nen. Inso­weit kommt bei der umstrit­te­nen Erhö­hung der Min­dest­men­ge in Betracht, dass in ein­zel­nen Regio­nen Deutsch­lands durch die Erhö­hung der Min­dest­men­ge die Behand­lungs­qua­li­tät ins­ge­samt sinkt. Der Beklag­te hat dies­be­züg­lich in der ange­grif­fe­nen Rege­lung kei­ne Aus­nah­me­tat­be­stän­de geschaf­fen, die sol­che Fol­gen ver­hin­dern. Er ist auch nicht der Anre­gung gefolgt, durch eine Beglei­teva­lua­ti­on die Grund­la­gen für eine Ver­än­de­rung der Min­dest­men­gen­re­ge­lung zu ver­tie­fen. Der Beklag­te ver­fügt zur Beschaf­fung und Aus­wer­tung der hier­für erfor­der­li­chen Daten inzwi­schen über ein umfas­sen­des Rechts­in­stru­men­ta­ri­um. Nutzt er dies, kommt auf der Basis spe­zi­fi­sche­rer Erkennt­nis­se eine Ver­än­de­rung der Min­destmengenregelung in Betracht, die eine Qua­li­täts­ver­bes­se­rung ohne Gefahr regio­na­ler Qua­li­täts­min­de­rung erwar­ten lässt.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 18. Dezem­ber 2012 – - B 1 KR 34/​12 R