Miß­brauchs­ge­bühr beim Sozi­al­ge­richt

Im Ver­fah­ren vor dem Sozi­al­ge­richt kann das Gericht einem Betei­lig­ten ganz oder teil­wei­se die Kos­ten auf­er­le­gen, die dadurch ver­ur­sacht wer­den, dass die­ser den Rechts­streit fort­führt, obwohl ihm vom Vor­sit­zen­den die Miss­bräuch­lich­keit der Rechts­ver­fol­gung oder ‑ver­tei­di­gung dar­ge­legt wor­den und er auf die Mög­lich­keit der Kos­ten­auf­er­le­gung bei Fort­füh­rung des Rechts­strei­tes hin­ge­wie­sen wor­den ist, § 192 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 SGG.

Miß­brauchs­ge­bühr beim Sozi­al­ge­richt

Zu dise­en Ver­schul­dens­kos­ten wegen miss­bräuch­li­cher Fort­füh­rung des Rechts­streits gehö­ren auch die Auf­wen­dun­gen, die einem ande­ren Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ent­ste­hen. Hier­zu zählt ins­be­son­de­re die Hälf­te der von der Beklag­ten zu ent­rich­ten­den Pausch­ge­bühr, da im Fal­le einer Erle­di­gung nicht durch Urteil sich die Pausch­ge­bühr auf die Hälf­te ermä­ßigt hät­te, die­ser Gebüh­ren­an­teil daher bei ver­stän­di­gem Ver­hal­ten des Klä­gers ver­meid­bar gewe­sen wäre.

Miss­brauch ist anzu­neh­men, wenn die Rechts­ver­fol­gung von jedem Ein­sich­ti­gen als völ­lig aus­sichts­los ange­se­hen wer­den muss 1.

In einem sol­chen Fall hat jetzt das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg dem Klä­ger inso­weit Miss­brauchs­kos­ten in Höhe des Min­dest­be­trags von 225 € (§ 192 Abs. 1 Satz 3 i.V.m. § 184 Abs. 2 SGG) auf­er­legt. Dane­ben hat der Klä­ger der Beklag­ten die Hälf­te der von die­ser zu ent­rich­ten­den Pausch­ge­bühr zu erstat­ten, denn nach § 186 Satz 1 SGG wäre die Pausch­ge­bühr im Fal­le einer Erle­di­gung des Rechts­streits ohne Urteil auf die Hälf­te ermä­ßigt wor­den. Bei ver­stän­di­gem Han­deln des Klä­gers wären die­se Kos­ten daher ver­meid­bar gewe­sen, sie sind somit durch den Klä­ger zu erstat­ten 2.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 29. April 2010 – L 12 AL 5449/​09

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.06.1995 – 2 BvR 1379/​95, NJW 1996, 1273 f.[]
  2. vgl. BSG, Urteil vom 27.04.1994 – 10 Rar 10/​93; Leit­he­rer in Mey­er-Lade­wig u.a., a.a.O., § 192 Rdnr. 13, 15[]