Mund-Nasen-Schutz und der Mehr­be­darf

Eine Mund-Nasen-Bede­ckung ist als Bestand­teil der Klei­dung zu betrach­ten und daher bei SGB II-Emp­fän­gern aus dem Regel­be­darf zu bezah­len.

Mund-Nasen-Schutz und der Mehr­be­darf

So hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in dem hier vor­lie­gen­den Fall des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ent­schie­den und dem Begeh­ren des Antrag­stel­lers auf Mehr­be­darf zur Beschaf­fung von Schutz­mas­ken kei­nen Erfolg beschie­den. Vor dem Sozi­al­ge­richt Gel­sen­kir­chen führ­te der Antrag­stel­ler erfolg­los ein Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes gegen das Job­cen­ter. Nach­dem er erst­in­stanz­lich zunächst ande­re Begeh­ren ver­folgt hat­te, ver­lang­te er im Beschwer­de­ver­fah­ren vor dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len außer­dem erst­ma­lig die Aus­zah­lung von 349 Euro für die Anschaf­fung von Mund-Nase-Schutz­mas­ken bzw. die Gestel­lung sol­cher durch die Antrags­geg­ne­rin selbst.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len offen­ge­las­sen, ob in Bezug auf die Antrags­er­wei­te­rung über­haupt ein Rechts­schutz­be­dürf­nis für die Inan­spruch­nah­me gericht­li­chen Eil­rechts­schut­zes bestand oder ob der Antrag­stel­ler nicht ver­pflich­tet gewe­sen wäre, zunächst einen Antrag bei der Antrags­geg­ne­rin zu stel­len.

Jeden­falls sei der Antrag auf einst­wei­li­gen Rechts­schutz unbe­grün­det, denn ein Anspruch sei nicht erkenn­bar. Bei Leis­tungs­be­rech­tig­ten wer­de gemäß § 21 Abs. 6 SGB II ein Mehr­be­darf aner­kannt, soweit im Ein­zel­fall ein unab­weis­ba­rer, lau­fen­der, nicht nur ein­ma­li­ger beson­de­rer Bedarf bestehe. Der Mehr­be­darf sei unab­weis­bar, wenn er ins­be­son­de­re nicht durch die Zuwen­dun­gen Drit­ter sowie unter Berück­sich­ti­gung von Ein­spar­mög­lich­kei­ten der Leis­tungs­be­rech­tig­ten gedeckt sei und sei­ner Höhe nach erheb­lich von einem durch­schnitt­li­chen Bedarf abwei­che.

Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len betont, dass nach § 12a Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 Satz 1 der inso­weit maß­geb­li­chen Ver­ord­nung zum Schutz vor Neu­in­fi­zie­run­gen mit dem Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 (Coro­na­schutz­ver­ord­nung – Coro­naSch­VO) für das Land Nord­rhein-West­fa­len in der ab dem 27.04.2020 gül­ti­gen Fas­sung ledig­lich das Tra­gen einer tex­ti­len Mund-Nase-Bede­ckung (zum Bei­spiel All­tags­mas­ke, Schal, Tuch) in bestimm­ten Lebens­la­gen erfor­der­lich sei. Ähn­li­che Rege­lun­gen wür­den in den ande­ren Bun­des­län­dern gel­ten. Die Finan­zie­rung der­ar­ti­ger Gesichts­be­de­ckun­gen, die als Bestand­teil der Beklei­dung ange­se­hen wer­den könn­ten, sei aus dem Regel­be­darf mög­lich. Ein unab­weis­ba­rer Bedarf lie­ge mit­hin nicht vor.

Aus die­sen Grün­den sind die der­zeit zum Schutz vor Neu­in­fi­zie­run­gen mit dem Coro­na­vi­rus vor­ge­schrie­be­nen Gesichts­be­de­ckun­gen aus dem SGB II-Regel­be­darf zu finan­zie­ren.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 30. April 2020 – L 7 AS 625/​20 B ER