Mut­ter und Sohn

Das Zusam­men­le­ben einer über 65jährigen Mut­ter mit ihrem 36jährigen Sohn recht­fer­tigt nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts kei­ne Kür­zung ihrer Grund­si­che­rung im Alter auf 80% des Regel­sat­zes.

Mut­ter und Sohn

Die im Jah­re 1940 gebo­re­ne Klä­ge­rin des jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Falls leb­te bei ihrem 1969 gebo­re­nen Sohn. Bei­de bezo­gen zunächst bis Ende Mai 2005 Regel­leis­tun­gen der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach dem SGB II in Höhe von jeweils 345 €. Ab Juni 2005 erhielt die Klä­ge­rin, die im Lau­fe des Monats das 65. Lebens­jahr voll­ende­te, Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung im Alter (Sozi­al­hil­fe) nach dem SGB XII unter Berück­sich­ti­gung eines Regel­sat­zes in Höhe von nur noch 276 € (80% des Regel­sat­zes einer allein ste­hen­den Per­son), weil sie mit ihrem Sohn nach Ansicht des Sozi­al­am­tes einen gemein­sa­men Haus­halt führ­te und des­halb eine Gesamt­leis­tung von nur 180% statt wie zuvor im Rah­men des SGB II von 200% gerecht­fer­tigt sei.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat jetzt das Urteil des Lan­des­so­zi­al­ge­richts für die Zeit ab 9. Juni 2005 bestä­tigt, wonach der Klä­ge­rin für die­se Zeit im Rah­men der Grund­si­che­rung im Alter und bei Erwerbs­min­de­rung ein Sozi­al­hil­fe­re­gel­satz in Höhe von 100 vH zusteht.

Das SGB II geht typi­sie­rend von pro­zen­tua­len Abschlä­gen der Regel­leis­tung nur inner­halb von Bedarfs­ge­mein­schaf­ten aus; nur inso­weit kön­nen nor­ma­tiv Ein spa­run­gen auf Grund eines gemein­sa­men Haus­halts ange­nom­men wer­den. Zwar kennt das SGB XII nicht das Rechts­in­sti­tut der Bedarfs­ge­mein­schaft; die­ser ver­gleich­bar ist jedoch im SGB XII die so genann­te Ein­satz­ge­mein­schaft, inner­halb der wie bei der Bedarfs­ge­mein­schaft Ein­kom­men und Ver mögen auch für ande­re ein­zu­set­zen ist. Die Klä­ge­rin und ihr Sohn bil­de­ten jedoch weder eine Be darfs­ge­mein­schaft iS des SGB II noch eine Ein­satz­ge­mein­schaft iS des SGB XII. Unter Gleich­heits gesichts­punk­ten (Art 3 GG) ist es des­halb nicht gerecht­fer­tigt, die Klä­ge­rin sozi­al­hil­fe­recht­lich schlech­ter zu stel­len als im Rah­men der Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de nach dem SGB II. Nach bei­den Geset­zen ist sie als Allein­ste­hen­de und im SGB XII als Haus­halts­vor­stand zu behan­deln. Eine Redu­zie­rung des Regel­sat­zes auf 80 vH ist nicht gerecht­fer­tigt.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 19. Mai 2009 – B 8 SO 8/​08 R