Nadel­epi­la­ti­on für Trans­se­xu­el­le – und die Kos­ten­über­nah­me

Auch wenn eine dem Arzt­vor­be­halt unter­lie­gen­de Epi­la­ti­ons­be­hand­lung von kei­nem Arzt ange­bo­ten wird, folgt dar­aus kein Anspruch auf eine Leis­tung durch eine ande­re Berufs­grup­pe.

Nadel­epi­la­ti­on für Trans­se­xu­el­le – und die Kos­ten­über­nah­me

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Über­nah­me der Behand­lungs­kos­ten für eine Nadel­epi­la­ti­on durch eine Kos­me­ti­ke­rin abge­lehnt. Gleich­zei­tig ist das Urteil des Sozi­al­ge­richts Braun­schweig [1] auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen wor­den. Geklagt hat­te eine 1963 gebo­re­ne Frau aus Braun­schweig, die als Mann gebo­ren wur­de und eine ope­ra­ti­ve Geschlechts­an­glei­chung durch­füh­ren ließ. Nach der OP soll­ten die Bart­haa­re ent­fernt wer­den. Eine Laser-Epi­la­ti­on bei ihrem Haut­arzt brach­te zunächst gute Erfol­ge. Es ver­blie­ben jedoch eini­ge weiß­haa­ri­ge Berei­che, bei denen der Laser nicht wirk­te. Von ihrer Kran­ken­kas­se ver­lang­te die Frau daher die Kos­ten­über­nah­me für eine Nadel­epi­la­ti­on in einem Kos­me­tik­stu­dio. Sie teil­te dazu mit, dass weiß­li­che, bors­ti­ge Haa­re nur mit der Elek­tro­na­del ent­fernt wer­den könn­ten. Es gäbe kei­nen Arzt, der die­se Behand­lung anbie­ten wür­de. Für ihre Kos­me­ti­ke­rin sei es jedoch eine Stan­dard­the­ra­pie.

Von der Kran­ken­kas­se ist der Antrag abge­lehnt wor­den, da eine Nadel­epi­la­ti­on inner­halb des gesetz­li­chen Sys­tems nur von Der­ma­to­lo­gen erbracht wer­den dür­fe. Auch wenn fak­tisch kei­ne Ärz­te die­se Behand­lung erbrin­gen wür­den, so lie­ge es am Gesetz­ge­ber bzw. der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung, wei­te­re Berufs­grup­pen anzu­er­ken­nen.

Mit Urteil vom 8. Okto­ber 2019 hat das Sozi­al­ge­richt Braun­schweig [1] die Beklag­te ver­pflich­tet, die Klä­ge­rin mit einer Nadel­epi­la­ti­ons­be­hand­lung zur Ent­fer­nung der Bart­haa­re zu ver­sor­gen. Gegen die­ses Urteil hat sich die Kran­ken­kas­se mit der Beru­fung gewehrt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men betont, dass eine Epi­la­ti­ons­be­hand­lung dem Arzt­vor­be­halt unter­lie­ge. Hier­für gebe es auch kei­ne Aus­nah­men. Zwar sei es als sog. Sys­tem­ver­sa­gen zu bewer­ten, dass kei­ne Ärz­te die benö­tig­te Behand­lung anbie­ten wür­den. Gleich­wohl fol­ge dar­aus kein Anspruch auf eine Leis­tung durch eine ande­re Berufs­grup­pe. Denn die Kran­ken­kas­sen könn­ten nach ihrem Auf­ga­ben­kreis nur auf sys­tem­in­ter­ne Leis­tun­gen für ihre Ver­si­cher­ten zugrei­fen. Wei­te­res sei für die Kas­se recht­lich unmög­lich und kön­ne allein vom Gesetz­ge­ber gere­gelt wer­den. Die Gerich­te sei­en hier­zu nicht befugt.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 17. März 2020 – L 16 KR 462/​19

  1. SG Braun­schweig, Urteil vom 18.04.2018 – S 37 KR 394/​18[][]