Natur­heil­zen­trum mit Heil­prak­ti­ker­be­hand­lung und die Kos­ten­über­nah­me

Der Leis­tungs­ka­ta­log der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) umfasst u.a. die ärzt­li­che und psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung. Zwin­gen­de Vor­aus­set­zung der Kran­ken­be­hand­lung ist die Appro­ba­ti­on der betref­fen­den Behand­ler. Heil­prak­ti­ker sind damit von der selb­stän­di­gen Leis­tungs­er­brin­gung für GKV-Pati­en­ten aus­ge­schlos­sen.

Natur­heil­zen­trum mit Heil­prak­ti­ker­be­hand­lung und die Kos­ten­über­nah­me

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kos­ten­über­nah­me für die Behand­lung sei­nes Erschöp­fungs­syn­droms in einem Natur­heil­zen­trum abge­lehnt und die Beru­fung gegen den Gerichts­be­scheid des Sozi­al­ge­richts Han­no­ver [1] zurück­ge­wie­sen. Ein seit lan­gem an chro­ni­scher Erschöp­fung, all­er­gi­schem Asth­ma, Tin­ni­tus, einer Nie­ren­er­kran­kung u.a. lei­den­de Mann aus Lan­gen­ha­gen hat die Kla­ge ein­ge­reicht. Er hat­te bei sei­ner Kran­ken­kas­se die Kos­ten­über­nah­me für die Behand­lung sei­nes Erschöp­fungs­syn­droms in einem Natur­heil­zen­trum bean­tragt und gab dazu an, dass sei­ne Erkran­kung beson­ders schwer sei. Nach sei­ner Ansicht gäbe es in Deutsch­land kei­ne Kas­sen­ärz­te, die eine pas­sen­de Behand­lung durch­füh­ren könn­ten. Dem­ge­gen­über sei die Heil­prak­ti­ke­rin des Natur­heil­zen­trums auf die Behand­lung von Erschöp­fungs­syn­dro­men spe­zia­li­siert.

Die Kran­ken­kas­se lehn­te den Antrag ab, da Heil­prak­ti­ker nicht berech­tigt sei­en, ihre Leis­tun­gen über die Gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) abzu­rech­nen. Eine Behand­lung kön­ne nur durch zuge­las­se­ne Ärz­te erfol­gen. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren ist vor dem Sozi­al­ge­richt Han­no­ver Kla­ge ein­ge­reicht wor­den. Die­se wur­de mit Gerichts­be­scheid vom 7. Okto­ber 2019 abge­wie­sen. Damit war der Klä­ger nicht ein­ver­stan­den und hat sein Ziel mit der Beru­fung wei­ter­ver­folgt.

Zur Urteils­be­grün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men sich auf die Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts bezo­gen, wonach der Leis­tungs­ka­ta­log der Gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung u.a. die ärzt­li­che und psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung umfas­se. Zwin­gen­de Vor­aus­set­zung der Kran­ken­be­hand­lung sei die Appro­ba­ti­on der betref­fen­den Behand­ler. Der gesetz­li­che Arzt­vor­be­halt bedeu­te einen gene­rel­len Aus­schluss nicht­ärzt­li­cher Heil­be­hand­ler von der selb­stän­di­gen und eigen­ver­ant­wort­li­chen Behand­lung. Das Erfor­der­nis der Appro­ba­ti­on sei auch nicht aus­nahms­wei­se bei erfolg­lo­ser Arzt­su­che ver­zicht­bar, son­dern es sei eine zwin­gen­de beruf­li­che Min­dest­qua­li­fi­ka­ti­on für den Behand­lungs­an­spruch [2]. Der Aus­schluss von Heil­prak­ti­kern von der selbst­stän­di­gen Leis­tungs­er­brin­gung in der GKV sei mit Art. 12 Abs. 1 GG zu ver­ein­ba­ren und ver­sto­ße auch nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG. Heil­prak­ti­ker sei­en damit von der selb­stän­di­gen Leis­tungs­er­brin­gung für GKV-Pati­en­ten aus­ge­schlos­sen.

Eine Kos­ten­über­nah­me der GKV für die Behand­lung in einem Natur­heil­zen­trum war daher abzu­leh­nen.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nie­der­sach­sen-Bre­men, Urteil vom 19. August 2020 – L 4 KR 470/​19

Naturheilzentrum mit Heilpraktikerbehandlung und die Kostenübernahme
  1. SG Han­no­ver, Gerichts­be­scheid vom 07.10.2019 – S 10 KR 209/​19[]
  2. BSG, Urteil vom 13.12.2016 – B 1 KR 4/​16 R[]