Nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel

Der Aus­schluss nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Arz­nei­mit­tel aus dem Leis­tungs­ka­ta­log der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) ist nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts rech­tens.

Nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel

In dem jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall lei­det der 1934 gebo­re­ne bei der beklag­ten Ersatz­kas­se ver­si­cher­te Klä­ger an einer chro­ni­schen Emphy­sem­bron­chi­tis. Die beklag­te Kran­ken­kas­se ver­sorg­te ihn des­we­gen seit 1983 mit dem nicht verschreibungs­pflichtigen Arz­nei­mit­tel "Gelo­myr­tol for­te". Seit 1. Janu­ar 2004 schließt § 34 Abs 1 Satz 1 SGB V (in der Fas­sung des GKV-Moder­ni­sie­rungs­ge­set­zes vom 14. Novem­ber 2003) nicht verschreibungs­pflichtige Arznei­mittel aus dem Leis­tungs­ka­ta­log der GKV aus. "Gelo­myr­tol for­te" wur­de auch nicht in den Aus­nah­me­ka­ta­log den­noch ver­ord­nungs­fä­hi­ger Mit­tel in den Arz­nei­mit­tel-Richt­li­ni­en des Gemein­samen Bun­des­aus­schus­ses auf­ge­nom­men. Der Klä­ger hat mit sei­ner Kla­ge begehrt, auch wei­ter­hin von der Beklag­ten mit dem Mit­tel ver­sorgt zu wer­den. Das hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt – wie die Vor­instanzen – ver­neint.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat hier­zu ent­schie­den, dass der Aus­schluss nicht verschreibungs­pflichtiger Arz­nei­mit­tel aus dem Leis­tungs­ka­ta­log der GKV recht­mä­ßig ist. Er ist mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz und den Grund­rech­ten aus Art 2 Abs 2 und 2 Abs 1 Grund­ge­setz in Ver­bin­dung mit dem Sozi­al­staats­prin­zip ver­ein­bar. Der Gesetz­ge­ber durf­te im Rah­men sei­nes Einschätzungsermes­sens davon aus­ge­hen, dass nicht ver­schrei­bungs­pflichtige Arznei­mittel bereits vor dem 1. Janu­ar 2004 in den Apo­the­ken über­wiegend ohne Rezept abge­ge­ben wur­den und dass es sich um Arznei­mittel im unte­ren Preis­be­reich von durch­schnitt­lich weni­ger als 11 Euro je Packung han­del­te. Der Aus­schluss die­ser Arz­nei­mit­tel aus der Leis­tungs­pflicht der GKV war ver­fas­sungs­recht­lich zumut­bar. Dies und die Mög­lich­keit, sich ohne ärzt­li­che Ver­schrei­bung die Arz­nei­mit­tel selbst zu ver­schaf­fen, sind hin­rei­chen­de Sach­grün­de für den gesetz­li­chen Leistungsaus­schluss. Er wird zudem durch Aus­nahmen abge­mil­dert.

Dass der Gesetz­ge­ber die nicht ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Arz­nei­mit­tel grund­sätz­lich nicht in den Leis­tungskatalog der deut­schen GKV auf­ge­nom­men hat, ver­stößt auch nicht gegen Euro­päi­sches Recht. Das hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (EuGH) in der Sache Pohl-Bos­kamp (EuGHE I 2006, 10611) bereits hin­rei­chend klar ent­schie­den. Des­halb bedurf­te es kei­ner Vor­la­ge an den EuGH.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 6. Novem­ber 2008 – B 1 KR 6/​08 R