Pfle­ge­geld und die psy­chi­sche Betreu­ung eines lebens­be­droh­lich Erkrank­ten

Pfle­ge­geld ist nicht für einen abge­schlos­se­nen Zeit­raum in der Ver­gan­gen­heit zu Gewäh­ren, wenn die Über­prü­fung der Hil­fe­be­dürf­tig­keit zu Leb­zei­ten eines Ver­si­cher­ten nicht statt­ge­fun­den hat und hier­für auch kein Anlass bestan­den hat. Pfle­ge rich­tet sich nach den Ver­rich­tun­gen des § 14 SGB XI und umfasst daher nicht die psy­chi­sche Betreu­ung eines lebens­be­droh­lich erkrank­ten Ver­si­cher­ten.

Pfle­ge­geld und die psy­chi­sche Betreu­ung eines lebens­be­droh­lich Erkrank­ten

Rechts­grund­la­ge für die Gewäh­rung von Pfle­ge­geld ist § 44 SGB VII. Danach wird Pfle­ge­geld gezahlt, solan­ge Ver­si­cher­te infol­ge des Ver­si­che­rungs­falls so hilf­los sind, dass sie für die gewöhn­li­chen und regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­den Ver­rich­tun­gen im Ablauf des täg­li­chen Lebens in erheb­li­chem Umfang der Hil­fe bedür­fen, eine Pfle­ge­kraft gestellt oder Heim­pfle­ge gewährt (§ 44 Abs. 1 SGB VII). Das Pfle­ge­geld ist unter Berück­sich­ti­gung der Art oder Schwe­re des Gesund­heits­scha­dens sowie des Umfangs der erfor­der­li­chen Hil­fe auf einen Monats­be­trag zwi­schen 300 € und 1.199 € (Beträ­ge am 01.07.2008) fest­zu­set­zen (§ 44 Abs. 2 Satz 1 SGB VII). Wäh­rend einer sta­tio­nä­ren Behand­lung wird das Pfle­ge­geld bis zum Ende des ers­ten auf die Auf­nah­me fol­gen­den Kalen­der­mo­nats wei­ter­ge­zahlt und mit dem ers­ten Tag des Ent­las­sungs­mo­nats wie­der auf­ge­nom­men (§ 44 Abs. 3 Satz 1 SGB VII). Die Bun­des­re­gie­rung setzt mit Zustim­mung des Bun­des­ra­tes die neu­en Min­dest- und Höchst­be­trä­ge nach § 44 Abs. 2 SGB VII in der Rechts­ver­ord­nung über die Bestim­mung des für die Ren­ten­an­pas­sung in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung maß­ge­ben­den aktu­el­len Ren­ten­wer­tes fest (§ 44 Abs. 6 SGB VII).

Der Begriff der die Gewäh­rung von Pfle­ge­geld in der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung vor­aus­set­zen­den Pfle­ge wird zwar weder durch das Sieb­te Buch Sozi­al­ge­setz­buch SGB VII noch durch das Elf­te Buch Sozi­al­ge­setz­buch defi­niert [1], nimmt aber auf die Ver­rich­tun­gen im täg­li­chen Leben Bezug, somit auf § 14 SGB XI [2]. § 14 Abs. 4 SGB XI stellt einen Kata­log der­je­ni­gen Ver­rich­tun­gen auf, die der Gesetz­ge­ber als regel­mä­ßig wie­der­keh­rend ansieht. Dazu zäh­len im Bereich der Kör­per­pfle­ge das Waschen, Duschen, Baden, die Zahn­pfle­ge, das Käm­men Rasie­ren, die Darm- oder Bla­sen­ent­lee­rung (Nr. 1), im Bereich der Ernäh­rung das mund­ge­rech­te Zube­rei­ten oder die Auf­nah­me der Nah­rung (Nr. 2), im Bereich der Mobi­li­tät das selb­stän­di­ge Auf­ste­hen und Zu-Bett-Gehen, An- und Aus­klei­den, Gehen, Ste­hen, Trep­pen­stei­gen oder das Ver­las­sen oder Wie­der­auf­su­chen der Woh­nung (Nr. 3) und im Bereich der haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung das Ein­kau­fen, Kochen, Rei­ni­gen der Woh­nung, Spü­len, Wech­seln und Waschen der Wäsche und Klei­dung oder das Behei­zen (Nr. 4). Die Vor­schrift bezeich­net ledig­lich die­je­ni­gen Ver­rich­tun­gen im Ablauf des täg­li­chen Lebens, die bei der Begut­ach­tung und Abstu­fung der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit zu berück­sich­ti­gen sind und schließt damit die Her­an­zie­hung ande­rer Bedarfs­be­rei­che bei der Fest­stel­lung von Pfle­ge­be­dürf­tig­keit aus [3]. Der stren­ge Bezug des Begriffs der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit auf die­se Ver­rich­tun­gen ist ver­fas­sungs­ge­mäß [4]. Die all­ge­mei­ne psy­chi­sche Betreu­ung fällt nicht dar­un­ter [5].

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 22. Novem­ber 2012 – L 6 U 3563/​10

  1. vgl. zum Fol­gen­den BSG, Urteil vom 09.11.2010 – B 2 U 6/​10 R, SozR 4–2700 § 2 Nr. 16[]
  2. so auch LSG Saar­land, Urteil vom 13.04.2011 – L 2 U 76/​07, unter Bezug­nah­me auf BSG, Urteil vom 26.06.2011 – B 2 U 28/​00 R, SozR 3–2700 § 44 Nr. 1[]
  3. vgl. BT-Drucks. 12/​5262 S. 96[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 22.05.2003 – 1 BvR 452/​99[]
  5. BSG, Urteil vom 01.09.2005 – B 3 P 5/​04 R[]