Pra­xis­ge­bühr

Die „Pra­xis­ge­bühr“ ist recht­mä­ßig.
Die in § 28 Abs 4 iVm § 61 Satz 2 SGB V vor­ge­se­he­ne vier­tel­jähr­li­che Zuzah­lung von 10 € für den Arzt­be­such von Ver­si­cher­ten (die „Pra­xis­ge­bühr“) ist nach Ansicht des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nicht ver­fas­sungs­wid­rig.

Pra­xis­ge­bühr

Der bei der beklag­ten Kran­ken­kas­se ver­si­cher­te Klä­ger begehr­te die Rück­zah­lung von 30 €, die er als Pra­xis­ge­bühr für das 1. – 3. Quar­tal 2005 hat ent­rich­ten müs­sen. Er hält die Pra­xis­ge­bühr für grund­sätz­lich ver­fas­sungs­wid­rig und bean­trag­te bei der Beklag­ten schon Ende 2004, ihn von die­ser frei zu stel­len. Die Beklag­te lehn­te dies ab, weil die Vor­aus­set­zun­gen einer Befrei­ung gemäß § 62 SGB V nicht vor­lä­gen und die Erhe­bung der Pra­xis­ge­bühr nicht ver­fas­sungs­wid­rig sei. Die Kla­ge hier­gegen ist in allen Instan­zen erfolg­los geblie­ben. Ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken gegen die Praxis­gebühr sieht das Bun­des­so­zi­al­ge­richt nicht.

Die Pra­xis­ge­bühr fügt sich naht­los ein in das Sys­tem der sons­ti­gen Zuzah­lun­gen, die von den Ver­sicherten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung bei der Inan­spruch­nah­me von Leis­tun­gen der Kran­ken­kas­sen (etwa Arz­nei­mit­tel, Heil­mit­tel und Hilfs­mit­tel) zu ent­rich­ten sind. Zur Fra­ge der Recht­mäßigkeit sol­cher Zuzah­lun­gen haben das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und das Bundessozial­gericht schon mehr­fach Stel­lung genom­men. Die Kran­ken­kas­sen sind weder nach dem SGB V noch von Ver­fas­sungs wegen gehal­ten, alles zu leis­ten, was an Mit­teln zur Erhal­tung oder Wieder­herstellung der Gesund­heit ver­füg­bar ist. Der Leis­tungs­ka­ta­log der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung darf viel­mehr auch von finan­zi­el­len Erwä­gun­gen mit­be­stimmt sein. Gera­de im Gesund­heits­we­sen hat der Kos­ten­aspekt für gesetz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dun­gen erheb­li­ches Gewicht. Dem Gesetz­ge­ber ist es im Rah­men sei­nes Gestal­tungs­spiel­rau­mes grund­sätz­lich erlaubt, die Ver­si­cher­ten über den Bei­trag hin­aus zur Ent­las­tung der Kran­ken­kas­sen und zur Stär­kung des Kos­ten­be­wusst­seins an bestimm­ten Kas­sen­leis­tun­gen in der Form von Zuzah­lun­gen zu betei­li­gen, jeden­falls soweit dies dem Ein­zel­nen finan­zi­ell zuge­mu­tet wer­den kann und der Ver­si­che­rungs­schutz durch die Höhe der Zuzah­lun­gen nicht aus­ge­höhlt wird. Davon kann bei einer vier­tel­jähr­li­chen Zuzah­lung von 10 € für den Pra­xis­be­such und einer Begren­zung der Gesamt­sum­me aller Zuzah­lun­gen auf 2 % der jähr­li­chen Brut­to­ein­nah­men zum Lebens­un­ter­halt (§ 62 SGB V) bei chro­nisch Kran­ken, die wegen der­sel­ben schwer­wiegenden Krank­heit in Dau­er­be­hand­lung sind, auf nur 1 % nicht die Rede sein.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 25. Juni 2009 – B 3 KR 3/​08 R