Pra­xis­ver­le­gung eines Ver­trags­arz­tes als Neu­nie­der­las­sung?

Die Pra­xis­ver­le­gung eines Ver­trags­arz­tes steht einer Neu­nie­der­las­sung nicht gleich. Die Ver­le­gung einer Arzt­pra­xis inner­halb des­sel­ben Pla­nungs­be­reichs und inner­halb der­sel­ben Stadt recht­fer­tigt nicht die hono­rar­recht­li­che Gleich­stel­lung mit einer Neu­nie­der­las­sung im Sin­ne des anzu­wen­den­den Hono­rar­ver­tei­lungs­maß­stabs (HVM).

Pra­xis­ver­le­gung eines Ver­trags­arz­tes als Neu­nie­der­las­sung?

In dem jetzt vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schie­de­nen Fall hat­te die auf höhe­re Ver­gü­tung kla­gen­de Ärz­tin ein­ge­wandt, sie habe ihre Pra­xis fak­tisch neu gegrün­det und nicht – unter Mit­nah­me der bis­he­ri­gen Pati­en­ten – ledig­lich ver­legt. Die bis­he­ri­ge Pra­xis habe in einer Neben­stra­ße mit einer ungüns­ti­gen Infra­struk­tur gele­gen, so dass es ihr erst auf­grund der Ände­rung gelun­gen sei, neue Pati­en­ten­krei­se zu erschlie­ßen und die Arbeits­plät­ze ihrer Arzt­hel­fe­rin­nen zu sichern.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz jedoch nicht. In der blo­ßen Ver­le­gung der Pra­xis kann nach Ansicht des Lan­des­so­zi­al­ge­richts auf­grund des ein­deu­ti­gen Wort­lauts des Hono­rar­ver­tei­lungs­maß­stabs kei­ne Neu­nie­der­las­sung gese­hen wer­den. Auch einen Här­te­fall, der unter Umstän­den zu einer höhe­ren Ver­gü­tung hät­te füh­ren kön­nen, hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz nicht ange­nom­men. Ins­be­son­de­re war nicht fest­zu­stel­len, dass die Ärz­tin im strei­ti­gen Zeit­raum in exis­ten­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten gera­ten ist und dass ein Ver­sor­gungs­be­darf bestand. Der Hono­rar­ver­tei­lungs­maß­stab (jetzt Hono­rar­ver­tei­lungs­ver­trag) war in § 85 SGB V gesetz­lich ver­an­kert. Durch ihn wur­de die zwi­schen den Gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen und der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung ver­ein­bar­te Gesamt­ver­gü­tung unter den Kas­sen­ärz­ten ver­teilt. Er ent­hielt z.B. Anga­ben über Moda­li­tä­ten der Abrech­nung und der Hono­rar­aus­zah­lun­gen.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 5. Mai 2011 – L 5 KA 4/​10