Pro­zess­kos­ten­hil­fe für Ehe­gat­ten von Gewerk­schafts­mit­glie­dern

Wer die Kos­ten eines Gerichts­pro­zes­ses nicht auf­brin­gen kann, erhält Pro­zess­kos­ten­hil­fe, es sei denn, er kann – in arbeits­ge­richt­li­chen oder sozi­al­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren – unent­gelt­li­chen gewerk­schaft­li­chen Rechts­schutz in Anspruch neh­men. Dem Ehe­gat­ten eines Gewerk­schafts­mit­glieds hin­ge­gen darf nach einer Ent­schei­dung des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts mit die­ser Begrün­dung Pro­zess­kos­ten­hil­fe nicht ver­wei­gert wer­den.

Pro­zess­kos­ten­hil­fe für Ehe­gat­ten von Gewerk­schafts­mit­glie­dern

In dem jetzt vom Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall klagt eine Frau auf Aner­ken­nung eines höhe­ren Gra­des der Behin­de­rung. Ihren Antrag auf Pro­zess­kos­ten­hil­fe lehn­te das Sozi­al­ge­richt Mar­burg mit der Begrün­dung ab, der Ehe­mann der Klä­ge­rin sei Mit­glied der IG Metall. Nach deren Sat­zung kön­ne sich die Klä­ge­rin von einem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Gewerk­schaft unent­gelt­lich ver­tre­ten las­sen.

Das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt hob die­se Ent­schei­dung des Sozi­al­ge­richts nun jedoch auf: Nach dem Sozi­al­ge­richts­ge­setz sei­en die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Gewerk­schaf­ten nur für ihre Mit­glie­der ver­tre­tungs­be­fugt, nicht hin­ge­gen für deren Ehe­gat­ten. Für Nicht­mit­glie­der könn­ten sie zwar als Bei­stand in der Ver­hand­lung zuge­las­sen wer­den. Dies ste­he der Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe jedoch nicht ent­ge­gen.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Beschluss vom 19. Janu­ar 2011 – L 4 SB 71/​10