Rabatt­gut­schei­ne zur Mit­glie­der­wer­bung für die Kran­ken­kas­se

Trotz Kon­kur­renz der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen dür­fen die­se sich jedoch nicht alle Frei­hei­ten des Mark­tes zunut­ze machen. Vor dem Hin­ter­grund des Gebots der Zusam­men­ar­beit der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen sind zur Wer­bung von Mit­glie­dern nur sol­che Mit­tel erlaubt, die einen Bezug zur Gesund­heit auf­wei­sen.

Rabatt­gut­schei­ne zur Mit­glie­der­wer­bung für die Kran­ken­kas­se

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den, dass Rabatt­gut­schei­ne für Ein­rich­tungs­häu­ser oder Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten kein zuläs­si­ges Instru­ment sind, um Mit­glie­der für eine gesetz­li­che Kran­ken­kas­se zu wer­ben. Damit ist die Rechts­auf­fas­sung der Auf­sichts­be­hör­den der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger bestä­tigt wor­den. Um neue Ver­si­cher­te zu gewin­nen, hat­te die AOK Bay­ern ihren Mit­glie­dern Rabat­te und Son­der­kon­di­tio­nen ver­mit­telt, bei­spiels­wei­se für Möbel- und Beklei­dungs­häu­ser, Fri­sör­be­su­che, Tex­til­rei­ni­gun­gen sowie Berg- und Som­mer­ro­del­bah­nen. Hier­ge­gen klag­ten sechs Ersatz­kas­sen. Zur Begrün­dung führ­ten sie aus, ent­spre­chen­de Rabat­te oder Son­der­kon­di­tio­nen ver­stie­ßen gegen die Regeln des Wett­be­werbs der Kran­ken­kas­sen. Die AOK Bay­ern hin­ge­gen ver­trat den Stand­punkt, die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen stün­den seit der Anglei­chung der Bei­trags­sät­ze und seit der Begrün­dung ihrer Insol­venz­fä­hig­keit in einem ver­schärf­ten Wett­be­werb zuein­an­der. Daher sei es gerecht­fer­tigt, inten­si­ver um Bei­trags­zah­ler zu wer­ben.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Ber­lin wür­den zwar die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren, jedoch dürf­ten sie sich nicht alle Frei­hei­ten des Mark­tes zunut­ze machen. Von Geset­zes wegen hät­ten sie ihre Tätig­keit dar­auf zu beschrän­ken, ihre Mit­glie­der in Gesund­heits­fra­gen zu unter­stüt­zen und zu ver­sor­gen. Wei­te­re Gren­zen folg­ten aus dem Gebot der Zusam­men­ar­beit der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen. Vor die­sem Hin­ter­grund dürf­ten sie sich bei der Wer­bung von Mit­glie­dern nur sol­cher Mit­tel bedie­nen, die einen Bezug zur Gesund­heit auf­wie­sen.

Sozi­al­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 10. August 2012 – S 81 KR 1280/​11