Rau­chen am Arbeits­platz – und der gesetz­li­che Unfall­schutz

Es ist für den Schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ohne Bedeu­tung, dass der Ver­si­cher­te mit sei­nem ver­bo­te­nen Rauch­ver­such selbst schuld­haft die ers­te Ursa­che des Feu­ers setz­te. Maß­ge­bend ist viel­mehr der betriebs­be­zo­ge­ne Lösch­ver­such.

Rau­chen am Arbeits­platz – und der gesetz­li­che Unfall­schutz

Mit die­ser Begrün­dung hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall unter Zurück­wei­sung der Beru­fung der beklag­ten Berufs­ge­nos­sen­schaft die Ent­schei­dung des Sozi­al­ge­richts Reut­lin­gen [1] bestä­tigt, mit wel­cher der Wit­we eines ver­stor­be­nen ver­si­cher­ten Arbeit­neh­mers Hin­ter­blie­be­nen­ver­sor­gung zuge­spro­chen wur­de. Der Arbeit­neh­mer hat­te im Früh­jahr 2017 ein Groß­feu­er an sei­nem Arbeits­ort ver­ur­sacht, als er vor Beginn sei­ner Schicht ver­bots­wid­rig rau­chen woll­te, dann vor Schreck sein wohl defek­tes Feu­er­zeug fal­len ließ und dadurch eine Folie auf dem Boden der Betriebs­stät­te in Brand geriet. Die töd­li­chen Ver­let­zun­gen zog er sich nicht hier­bei zu, son­dern bei dem anschlie­ßen­den Ver­such, die Flam­men mit sei­nen Füßen aus­zu­tre­ten. Dabei geriet sei­ne Klei­dung in Brand.

Nach Auf­fas­sung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Baden-Würt­tem­berg dien­te der Lösch­ver­such, der den Tod ver­ur­sach­te, dem Unter­neh­men, weil ein Arbeit­neh­mer ver­trag­lich ver­pflich­tet ist, das Ver­mö­gen sei­nes Arbeit­ge­bers zu schüt­zen. Soweit der Ver­stor­be­ne dane­ben auch eige­ne Inter­es­sen ver­folg­te, etwa den Scha­den aus sei­nem vor­an­ge­gan­ge­nen Rauch­ver­such zu min­dern, trat die­ser Beweg­grund hin­ter dem betriebs­dien­li­chen Motiv zurück. Dass der Ver­si­cher­te mit sei­nem ver­bo­te­nen Rauch­ver­such selbst schuld­haft die ers­te Ursa­che des Feu­ers setz­te, ist für den Schutz der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ohne Bedeu­tung.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 4. Mai 2020 – L 1 U 3920/​18

  1. SG Reut­lin­gen, Urteil vom 20.09.2018 – S 7 U 3152/​17[]