Rechts­weg bei Strei­tig­kei­ten im Rah­men der Inte­grier­ten Ver­sor­gung

Für Strei­tig­kei­ten über die Ver­ein­bar­keit einer nach § 140c SGB V zwi­schen den Kran­ken­kas­sen und ihren Ver­trags­part­nern im Rah­men der inte­grier­ten Ver­sor­gung ver­ein­bar­ten Ver­gü­tung mit berufs­recht­li­chen Vor­schrif­ten der Ärz­te ist nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs der Rechts­weg zu den Sozi­al­ge­rich­ten eröff­net.

Rechts­weg bei Strei­tig­kei­ten im Rah­men der Inte­grier­ten Ver­sor­gung

Nach § 51 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 Satz 1 SGG ent­schei­den die Gerich­te der Sozi­al­ge­richts­bar­keit über pri­vat­recht­li­che Strei­tig­kei­ten in Ange­le­gen­hei­ten der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung, auch soweit durch die­se Ange­le­gen­hei­ten Drit­te betrof­fen wer­den. Für die Eröff­nung des Rechts­wegs zu den Sozi­al­ge­rich­ten ist des­halb ent­schei­dend, ob es sich um eine Strei­tig­keit in einer Ange­le­gen­heit der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung han­delt. Nicht von Bedeu­tung ist nach der Bestim­mung des § 51 SGG, ob die Strei­tig­keit öffent­lich-recht­li­cher oder pri­vat­recht­li­cher Natur ist [1].

Von einer Ange­le­gen­heit der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung ist aus­zu­ge­hen, wenn der Gegen­stand des Streits Maß­nah­men betrifft, die unmit­tel­bar der Erfül­lung der den Kran­ken­kas­sen nach dem Fünf­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­buchs oblie­gen­den öffent­lich-recht­li­chen Auf­ga­ben die­nen. Wird der wett­be­werbs­recht­li­che Anspruch dage­gen nicht auf einen Ver­stoß gegen Vor­schrif­ten des SGB V, son­dern aus­schließ­lich auf wett­be­werbs­recht­li­che Nor­men gestützt, deren Beach­tung auch jedem pri­va­ten Mit­be­wer­ber obliegt, han­delt es sich nicht um eine Ange­le­gen­heit der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung i.S. von § 51 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 2 Satz 1 SGG [2].

Bei einem Streit über die Zuläs­sig­keit eines im Rah­men der Inte­grier­ten Ver­sor­gung geschlos­se­nen Ver­tra­ges ist, so der BGH, davon aus­zu­ge­hen, dass die­ser unmit­tel­bar der Erfül­lung der den Kran­ken­kas­sen nach dem Fünf­ten Buch des Sozi­al­ge­setz­buchs oblie­gen­den öffent­lich-recht­li­chen Auf­ga­ben dient. Denn die Kran­ken­kas­sen stel­len den Ver­si­cher­ten die in den §§ 11 bis 68 SGB V genann­ten Leis­tun­gen unter Beach­tung des Wirt­schaft­lich­keits­ge­bots zur Ver­fü­gung (§ 2 Abs. 1 Satz 1 SGB V).

Nach nähe­rer Maß­ga­be des § 140a SGB V kön­nen die Kran­ken­kas­sen Ver­trä­ge über eine ver­schie­de­ne Leis­tungs­sek­to­ren über­grei­fen­de Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten oder eine inter­dis­zi­pli­när-fach­über­grei­fen­de Ver­sor­gung mit den in § 140b Abs. 1 SGB V genann­ten Ver­trags­part­nern abschlie­ßen. Die Ver­trags­part­ner der Kran­ken­kas­sen müs­sen die Erfül­lung der Leis­tungs­an­sprü­che der Ver­si­cher­ten nach der Rege­lung des § 140b Abs. 3 Satz 2 SGB V gewähr­leis­ten. Die Ver­trä­ge zur inte­grier­ten Ver­sor­gung legen gemäß § 140c Abs. 1 Satz 1 SGB V die Ver­gü­tung fest. Aus der Ver­gü­tung für die inte­grier­ten Ver­sor­gungs­for­men sind sämt­li­che Leis­tun­gen zu ver­gü­ten, die von teil­neh­men­den Ver­si­cher­ten im Rah­men des ver­trag­li­chen Leis­tungs­auf­trags in Anspruch genom­men wer­den (§ 140c Abs. 1 Satz 2 SGB V).

Dage­gen kommt es für die Beur­tei­lung der Rechts­weg­fra­ge nicht dar­auf an, ob die frag­li­che Ver­gü­tungs­pau­scha­le gegen §§ 3, 4 Nr. 11 UWG i.V. mit § 31 BOÄ ver­stößt. Nach die­ser Bestim­mung der BOÄ ist es Ärz­ten nicht gestat­tet, für die Zuwei­sung von Pati­en­ten ein Ent­gelt oder ande­re Vor­tei­le sich ver­spre­chen oder gewäh­ren zu las­sen. Der von der Rechts­be­schwer­de gel­tend gemach­te Ver­stoß gegen § 31 BOÄ – sein Vor­lie­gen unter­stellt – ändert nichts dar­an, dass die frag­li­che Ver­gü­tungs­re­ge­lung in direk­tem Zusam­men­hang mit der inte­grier­ten Ver­sor­gung nach §§ 140a bis 140d SGB V steht und die Strei­tig­keit sich des­halb nicht aus­schließ­lich nach wett­be­werbs­recht­li­chen Nor­men beur­teilt (hier §§ 3, 4 Nr. 11 UWG i.V. mit § 31 BOÄ), deren Beach­tung jedem pri­va­ten Mit­be­wer­ber obliegt. Auch soweit es um einen mög­li­chen Kon­flikt zwi­schen Bestim­mun­gen des SGB V oder zu ihrer Umset­zung getrof­fe­ner Ver­ein­ba­run­gen mit berufs­recht­li­chen Rege­lun­gen der Ärz­te geht, sind die Sozi­al­ge­rich­te zur Ent­schei­dung beru­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Dezem­ber 2008 – I ZB 31/​08

  1. BGH, Beschluss vom 04.12.2003 – I ZB 19/​03, GRUR 2004, 444, 445 = WRP 2004, 619 – Arz­nei­mit­tel­sub­sti­tu­ti­on; Beschluss vom 30.01.2008 – I ZB 8/​07, GRUR 2008, 447 Tz. 13 = WRP 2008, 675Treue­bo­nus[]
  2. BGH GRUR 2007, 535 Tz. 13 – Gesamt­zu­frie­den­heit; GRUR 2008, 447 Tz. 14 – Treue­bo­nus; Münch-Komm.UWG/Schaffert, § 4 Nr. 11 Rdn. 26[]