Ren­ten­hö­he – und die Bei­trags­ren­di­te

Die Anwart­schaft auf eine Ren­te aus eige­ner Ver­si­che­rung in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ist von Art. 14 Abs. 1 GG geschützt 1.

Ren­ten­hö­he – und die Bei­trags­ren­di­te

Auch für ren­ten­recht­li­che Anwart­schaf­ten ergibt sich die Reich­wei­te der Eigen­tums­ga­ran­tie erst aus der Bestim­mung von Inhalt und Schran­ken des Eigen­tums, die nach Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG Sache des Gesetz­ge­bers ist 2. Soweit in bestehen­de ren­ten­recht­li­che Anwart­schaf­ten ein­ge­grif­fen wird, ist zu berück­sich­ti­gen, dass in ihnen von vorn­her­ein die Mög­lich­keit von Ände­run­gen ange­legt ist.

Eine Unab­än­der­lich­keit der bei ihrer Begrün­dung bestehen­den Bedin­gun­gen wider­sprä­che dem Ren­ten­ver­si­che­rungs­ver­hält­nis, das im Unter­schied zu einem pri­va­ten Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis von Anfang an nicht allein auf dem Ver­si­che­rungs­prin­zip, son­dern auch auf dem Gedan­ken der Ver­ant­wor­tung und des sozia­len Aus­gleichs beruht 3.

Danach kann kei­ne Ver­let­zung des Eigen­tums­grund­rechts allein wegen einer vor­geb­lich zu gerin­gen Höhe der Ren­te vor­lie­gen. Denn der Umfang sei­nes Ren­ten­an­spruchs ergibt sich erst aus den für die Gewäh­rung von Alters­ren­te maß­geb­li­chen gesetz­li­chen Vor­schrif­ten.

Ähn­li­ches gilt auch für ver­meint­li­che Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers, aus den geleis­te­ten Bei­trä­gen eine (zumin­dest posi­ti­ve) Ren­di­te zu sichern:

Aus dem in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung grund­sätz­lich ange­ord­ne­ten, die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit nach Art. 2 Abs. 1 GG berüh­ren­den Ver­si­che­rungs­zwang mit einem erheb­li­chen Bei­trags­satz­ni­veau folgt die Pflicht des Gesetz­ge­bers, für die erbrach­ten Bei­trags­leis­tun­gen im Ver­si­che­rungs­fall adäqua­te Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen zu erbrin­gen 4. Dabei kann jedoch nicht vor­aus­ge­setzt wer­de, dass die Bei­trags­zah­lun­gen in der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung im Ergeb­nis eine mit ande­ren Alters­vor­sor­ge­sys­te­men ver­gleich­ba­re Ren­di­te erzie­len müss­ten, da das das Ren­ten­ver­si­che­rungs­ver­hält­nis im Unter­schied zu einem pri­va­ten Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis von Anfang an nicht allein auf dem Ver­si­che­rungs­prin­zip, son­dern auch auf dem Gedan­ken der Ver­ant­wor­tung und des sozia­len Aus­gleichs beruht 5

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 20. April 2016 – 1 BvR 1122/​13

  1. vgl. BVerfGE 117, 272, 292; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 58, 81, 109 f.; 100, 1, 37; 116, 96, 124 f.[]
  3. vgl. BVerfGE 116, 96, 125; BVerfGK 15, 59, 63[]
  4. vgl. BVerfGK 11, 465, 473[]
  5. vgl. BVerfGE 116, 96, 125[]