Ren­ten­wert­be­stim­mungs­ver­ord­nung 2011

Das Bun­des­ka­bi­nett hat die "Ren­ten­wert­be­stim­mungs­ver­ord­nung 2011" beschlos­sen. Die­se Ver­ord­nung ent­hält eine Erhö­hung der Alters­ren­ten zum 1. Juli um 0,99%.

Ren­ten­wert­be­stim­mungs­ver­ord­nung 2011

Grund­la­ge der Ren­ten­an­pas­sung ist zunächst die Lohn­ent­wick­lung. Mit der deut­li­chen wirt­schaft­li­chen Erho­lung im ver­gan­ge­nen Jahr sind die Brut­to­löh­ne und ‑gehäl­ter in Deutsch­land wie­der kräf­tig gestie­gen. Die für die Ren­ten­an­pas­sung rele­van­te Lohn­stei­ge­rung im Jahr 2010 beträgt 3,10% in den alten Län­dern und 2,55% in den neu­en Län­dern.

Neben der Lohn­ent­wick­lung ist auch der Nach­hal­tig­keits­fak­tor in der Anpas­sungs­for­mel rele­vant, der die Ver­än­de­rung des Ver­hält­nis­ses von Ren­ten­be­zie­hern zu Bei­trags­zah­lern auf die Ren­ten­an­pas­sun­gen über­trägt. Der Nach­hal­tig­keits­fak­tor wirkt in die­sem Jahr mit 0,46% anpas­sungs­dämp­fend. Auch der soge­nann­te Ries­ter-Fak­tor geht in die Ren­ten­an­pas­sung ein. Er spie­gelt die Belas­tun­gen der Beschäf­tig­ten beim Auf­bau ihrer Alters­vor­sor­ge wider: zum einen ent­lang der "Ries­ter-Trep­pe" die stei­gen­den Auf­wen­dun­gen für die staat­lich geför­der­te zusätz­li­che Alters­vor­sor­ge, und zum ande­ren etwai­ge Ver­än­de­run­gen des Bei­trags­sat­zes zur Ren­ten­ver­si­che­rung. Er wirkt sich in die­sem Jahr – wegen der nächs­ten Stu­fe der "Ries­ter-Trep­pe" und bei unver­än­der­tem Bei­trags­satz in 2010 – mit 0,64% dämp­fend auf die Ren­ten­an­pas­sung aus.

Aus die­sen Daten ergä­be sich rech­ne­risch eine Ren­ten­an­pas­sung von 1,99% in den alten Län­dern und 1,41% in den neu­en Län­dern.

Dass die Ren­ten­er­hö­hung tat­säch­lich gerin­ger aus­fällt liegt an den Vor­jah­ren, in denen die Ren­te gleich­ge­blie­ben ist, auf­grund der Ren­ten­for­mel aber eigent­lich hät­te sin­ken müs­sen: Begin­nend mit der dies­jäh­ri­gen Ren­ten­an­pas­sung wird näm­lich der Aus­gleichs­be­darf abge­baut, der durch Anwen­dung der Schutz­klau­sel in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ent­stan­den ist. Eine Ren­ten­stei­ge­rung darf durch die Wir­kung von Nach­hal­tig­keits- und Ries­ter-Fak­tor zwar gedämpft wer­den. Eine posi­ti­ve Ren­ten­an­pas­sung darf sich dadurch jedoch nicht ins Nega­ti­ve keh­ren. Die­se nicht rea­li­sier­ten Wir­kun­gen müs­sen im Sin­ne der Genera­tio­nen­ge­rech­tig­keit eben­so nach­ge­holt wer­den wie die auf­grund der Ren­ten­ga­ran­tie im letz­ten Jahr nicht vor­ge­nom­me­ne Ren­ten­min­de­rung. Die­ser Aus­gleichs­be­darf beträgt in den alten Län­dern 3,81%, in den neu­en Län­dern 1,83%. Um ihn abzu­bau­en, wer­den in den kom­men­den Jah­ren die jeweils rein rech­ne­risch mög­li­chen posi­ti­ven Ren­ten­an­pas­sun­gen hal­biert.

Zum 1. Juli 2011 steigt damit der aktu­el­le Ren­ten­wert in den alten Län­dern von gegen­wär­tig 27,20 € um 0,99 Pro­zent auf 27,47 €.

Für die neu­en Län­der ergä­be sich eine rech­ne­ri­sche Ren­ten­an­pas­sung von 0,71%. Auf­grund einer beson­de­ren Schutz­klau­sel Ost dür­fen die Ren­ten in den neu­en Län­dern jedoch nicht weni­ger stark stei­gen als in den alten Län­dern. Sie stei­gen min­des­tens um den sel­ben Pro­zent­satz wie in den alten Län­dern. Der aktu­el­le Ren­ten­wert (Ost) steigt ent­spre­chend von gegen­wär­tig 24,13 € auf 24,37 €.

Der Aus­gleichs­be­darf unter­blie­be­ner Ren­ten­min­de­run­gen ver­rin­gert sich so zum 1. Juli 2011 in den alten Län­dern von 3,81% auf 2,85%. Der für die neu­en Län­der maß­geb­li­che Aus­gleichs­be­darf (Ost) geht von 1,83% auf 1,43% zurück.