Sozi­al­hil­fe für voll­jäh­ri­ge, bei ihren Eltern leben­de behin­der­te Men­schen

Erwerbs­un­fä­hi­ge voll­jäh­ri­ge behin­der­te Men­schen, die Leis­tun­gen für den Lebens­un­ter­halt nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch – Sozi­al­hil­fe – (SGB XII) erhal­ten und bei ihren Eltern bezie­hungs­wei­se einem Eltern­teil leben, besit­zen grund­sätz­lich einen Anspruch auf Leis­tun­gen für den Lebens­un­ter­halt nach der Regel­be­darfs­stu­fe 1 (100 %).

Sozi­al­hil­fe für voll­jäh­ri­ge, bei ihren Eltern leben­de behin­der­te Men­schen

An die­ser Recht­spre­chung zur Sozi­al­hil­fe für voll­jäh­ri­ge behin­der­te Men­schen, die bei ihren Eltern leben, hält das Bun­deso­zi­al­ge­richt auch wei­ter­hin fest. Gleich­zei­tig hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt sei­ne Auf­fas­sung bekräf­tigt, dies erge­be sich bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung des § 27a Abs 3 SGB XII in Ver­bin­dung mit der Anla­ge zu § 28 SGB XII und der gesetz­li­chen Ver­mu­tung einer gemein­sa­men, damit auch eige­nen, nicht frem­den Haus­halts­füh­rung (§ 39 Satz 1 SGB XII).

In den bei­den jetzt vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren wur­de die Sache jedoch an das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len zurück­ver­wie­sen, weil aus­rei­chen­de Fest­stel­lun­gen zur Höhe der Leis­tung fehl­ten. Betont wur­de, dass Ermitt­lun­gen zur Wider­le­gung der gesetz­li­chen Ver­mu­tung einer gemein­sa­men Haus­halts­füh­rung nur bei qua­li­fi­zier­tem Vor­trag des Sozi­al­hil­fe­trä­gers zum Feh­len der Fähig­keit des behin­der­ten Men­schen an einer gemein­sa­men Haus­halts­füh­rung auch unter ent­spre­chen­der Anlei­tung zuläs­sig sind und Eigen­stän­dig­keit nicht mit Eigen­in­itia­ti­ve gleich­zu­set­zen ist. Bereits in den Urtei­len vom 23.07.2014 ist aus­ge­führt wor­den, dass typi­sie­rend davon aus­zu­ge­hen ist, dass Eltern ihrer Ver­pflich­tung zur För­de­rung des behin­der­ten Men­schen und Anlei­tung im Rah­men sei­ner Fähig­kei­ten nach­kom­men; inso­weit han­delt es sich nicht um eine wider­leg­ba­re Ver­mu­tung.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urtei­le vom 24. März 2015 – B 8 SO 5/​14 R und B 8 SO 9/​14 R