Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht von Stif­tungs­zu­wen­dun­gen

Bei monat­li­chen Zah­lun­gen aus einer Stif­tung han­delt es sich um bei­trags­pflich­ti­ge Ver­sor­gungs­be­zü­ge i.S. von § 229 Abs 1 Satz 1 Nr 5 SGB V.

Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflicht von Stif­tungs­zu­wen­dun­gen

Im hier ent­schie­de­nen Fall bil­lig­te das Bun­des­so­zi­al­ge­richt, dass die Kran­ken­kas­se von dem als Rent­ner pflicht­ver­si­cher­ten Klä­ger aus den monat­li­chen Zah­lun­gen der Stif­tung die gefor­der­ten Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge ver­lan­gen. Dafür ist es uner­heb­lich, ob die Leis­tun­gen sol­che i.S. von § 1 BetrAVG sind; denn der Begriff der "betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung" ist im Bei­trags­recht nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts eigen­stän­dig aus­zu­le­gen 1.

Eben­so ist es ohne Belang, dass die Zuwen­dun­gen nicht die ein­heit­li­che Absi­che­rung aller Arbeit­neh­mer eines Betrie­bes bezwe­cken und in wel­cher orga­ni­sa­to­ri­schen Form der Arbeit­ge­ber die Ver­sor­gung sicher­stellt. Auch wenn ehe­ma­li­ger Arbeit­ge­ber und leis­tungs­ge­wäh­ren­de Stif­tung hier unter­schied­li­che Rechts­sub­jek­te sind, stel­len Sat­zung und Geschäfts­ord­nung der Stif­tung gleich­wohl eine der­art enge Ver­bin­dung zwi­schen Arbeit­ge­ber und frü­he­rem Arbeits­ver­hält­nis sowie zwi­schen dem Eigen­tü­mer der Fir­men­grup­pe und der von ihm initi­ier­ten Stif­tung her, dass an einer Leis­tung der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung kein Zwei­fel bestehen kann. Der dafür nöti­ge betrieb­li­che Bezug der lau­fend monat­lich aus­ge­kehr­ten Leis­tun­gen ist zu beja­hen.

Bei der hier vor­zu­neh­men­den Gesamt­be­trach­tung 2 bele­gen die­se Umstän­de eine hin­rei­chen­de Ver­wur­ze­lung der gewähr­ten Leis­tun­gen gera­de in der frü­he­ren Beschäf­ti­gung bzw sind die­se "auf­grund der Beschäf­ti­gung" erwor­ben. Wer nur auf­grund einer bestimm­ten frü­he­ren Berufs­tä­tig­keit in den Genuss sol­cher Leis­tun­gen gelan­gen kann und die­ses Recht auch aus­übt, bedient sich für sei­ne zusätz­li­che Siche­rung im Alter, bei Inva­li­di­tät und Tod des Unter­halts­pflich­ti­gen nicht irgend­ei­ner Form der pri­va­ten Vor­sor­ge, son­dern ist als Begüns­tig­ter in eine betrieb­li­che Alters­ver­sor­gung ein­ge­bun­den und macht sich damit im gewis­sen Umfang deren Vor­tei­le nutz­bar 3.

Eben­so liegt ein den Ren­ten der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung ver­gleich­ba­rer Siche­rungs­zweck vor. Die Leis­tun­gen kom­men nur Mit­ar­bei­tern der Fir­men­grup­pe H. zugu­te und wer­den expli­zit in Erfül­lung des Wun­sches des Stif­ters gewährt, den Mit­ar­bei­tern der von ihm gegrün­de­ten oder über­nom­me­nen Fir­men sowie deren Rechts­nach­fol­gern eine Alters‑, Wit­wen/r- oder Inva­li­den­ren­te zu zah­len. Die Vor­aus­set­zun­gen sind ähn­lich einer qua­li­fi­zier­ten War­te­zeit aus­ge­stal­tet (10-jäh­ri­ge Min­dest­be­triebs­zu­ge­hö­rig­keit in Bezug auf bestimm­te Stich­ta­ge). Dass die Zuwen­dun­gen blo­ße Schen­kun­gen aus per­sön­li­cher Ver­bun­den­heit zum Stif­ter sein sol­len, schließt die Bei­trags­pflicht nicht aus. Die Leis­tun­gen der Stif­tung sind jeden­falls auch dazu bestimmt, Betriebs­an­ge­hö­ri­gen – zu denen der Klä­ger gehört – ihr ent­gan­ge­nes Ein­kom­men aus einer abhän­gi­gen Beschäf­ti­gung mit per­so­nel­lem Bezug zum Stif­ter zu erset­zen und haben damit Ent­gel­ter­satz­funk­ti­on.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 25. Mai – B 12 P 1/​09 R

  1. z.B. SozR 4 – 2500 § 229 Nr 7[]
  2. vgl BSG, SozR 2200 § 180 Nr 38 S 154 f[]
  3. vgl schon BSG, SozR 3 – 2500 § 229 Nr 1 S 5[]