Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Arbeit­neh­mer in einem Ver­ein

Die sofor­ti­ge Ein­zie­hung von nach­ge­for­der­ten Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen hat zu unter­blei­ben, wenn die Inter­es­sen des betrof­fe­nen Ver­eins schwe­rer wie­gen, als das Inter­es­se der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung Rhein­land (DRV) an der sofor­ti­gen Ein­zie­hung der Bei­trä­ge. Dann ist ein Abwar­ten bis zur ent­gül­ti­gen Ent­schei­dung gebo­ten.

Sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Arbeit­neh­mer in einem Ver­ein

So hat das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf in dem hier vor­lie­gen­den Fall im Rah­men eines Eil­ver­fah­rens ent­schie­den, mit dem der betrof­fe­ne Ver­ein Gefähr­de­ten­hil­fe Kurs­wech­sel e. V. Wup­per­tal sich gegen die Nach­for­de­rung von ins­ge­samt knapp 125.000 Euro Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge gewehrt hat, die von der DRV für die Jah­re 2008 bis 2011 sofort ver­langt wor­den sind. Der Ver­eins­zweck besteht u. a. dar­in, jun­ge Men­schen aus einem von Kri­mi­na­li­tät und Dro­gen­miss­brauch gepräg­ten Umfeld wie­der in die Gesell­schaft zu inte­grie­ren. In dem Zusam­men­hang sind Wohn­ge­mein­schaf­ten ein­ge­rich­tet wor­den, in denen auch die Lei­ter mit ihren Fami­li­en leben und arbei­ten. Mit der Begrün­dung, die bei­den Vor­stän­de und zugleich Wohn­grup­pen­lei­ter des Ver­eins sei­en abhän­gig Beschäf­tig­te und somit sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Arbeit­neh­mer, hat­te die DRV für die Jah­re 2008 bis 2011 ins­ge­samt knapp 125.000 Euro Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nach­ge­for­dert. Dage­gen hat der Ver­ein Wider­spruch ein­ge­legt und um einst­wei­li­gen Rechts­schutz nach­ge­sucht.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Düs­sel­dorf erfül­le die mis­sio­na­ri­sche bzw. dia­ko­ni­sche Tätig­keit der bei­den Haus­grup­pen­lei­ter nicht den Arbeit­neh­mer­be­griff. Ihre Tätig­keit sei nicht fremd­be­stimmt, son­dern ent­sprä­che allein ihrem sozia­len Enga­ge­ment. Sie sei­en auch kei­nen Wei­sun­gen unter­le­gen. Eine Voll­stre­ckung der Bei­trä­ge zum jet­zi­gen Zeit­punkt hät­te die Schlie­ßung der Ein­rich­tung zur Fol­ge und die hil­fe­be­dürf­ti­gen Men­schen wür­den wie­der auf der Stra­ße ste­hen. Ein Abwar­ten bis zur Ent­schei­dung über den Wider­spruch sei des­halb gebo­ten. Die Inter­es­sen des Ver­eins wögen schwe­rer, als das Inter­es­se der DRV an der sofor­ti­gen Ein­zie­hung der Bei­trä­ge.

Das Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf hat die auf­schie­ben­de Wir­kung des Wider­spruchs ange­ord­net.

Sozi­al­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 12. Febru­ar 2013 – S 26 R 156/​13 ER