Ter­mins­ge­bühr bei schrift­li­chem Ver­gleich vor dem Sozi­al­ge­richt

Wird im sozi­al­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren auch ohne münd­li­che Ver­hand­lung ein schrift­li­cher Ver­gleich geschlos­sen, so fällt nach einer Ent­schei­dung des Sozi­al­ge­richts Stutt­gart in der Regel gleich­wohl eine Ter­mins­ge­bühr an. Aus der Vor­be­mer­kung 3 Abs. 3 von Teil 3 von Anla­ge 1 zu RVG ist zu ent­neh­men, dass hier eine aus­zu­fül­len­de plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke besteht [1].

Ter­mins­ge­bühr bei schrift­li­chem Ver­gleich vor dem Sozi­al­ge­richt

Haupt­streit­punkt des Kos­te­ner­in­ne­rungs­ver­fah­rens ist im Kern die Klä­rung der Fra­ge, ob die Ter­mins­ge­bühr nach Nr. 3106 VV in Ansatz gebracht wer­den kann. Ent­spre­chend der Kos­ten­recht­spre­chung der erken­nen­den Kam­mer [2] ist das der Fall. Im Ergeb­nis gleich­lau­tend haben sich hier bereits auch die Sozi­al­ge­rich­te Karls­ru­he [3] und Mann­heim (SG Mann­heim, Beschluss vom 22.09.2008 – S 11 R 526/​08)) geäu­ßert. Hier­bei über­zeugt ins­be­son­de­re auch der Hin­weis auf ein gesetz­ge­be­ri­sches Redak­ti­ons­ver­se­hen. Soweit in die­sem Zusam­men­hang z.B. das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len [4] aus einem Schrei­ben des Gesetz­ge­bers Rück­schlüs­se zie­hen will, so über­zeugt sei­ne Dar­stel­lung nicht. Ins­be­son­de­re berück­sich­tigt sie nicht, dass der Gesetz­ge­ber in einer – rechts­tech­nisch neu­en Dar­stel­lungs­wei­se – mit der Vor­be­mer­kung 3 Abs. 3 von Teil 3 der Anla­ge 1 zu dem RVG sei­nen Wil­len auch in dem Sin­ne zum Aus­druck gebracht hat, dass objek­tiv über­flüs­si­ge Ter­mi­ne zur Pro­to­kol­lie­rung eines bereits getrof­fe­nen Kon­sen­ses allei­ne zur Schaf­fung eines Kos­ten­tat­be­stands ohne sons­ti­ge Not nicht ver­fügt wer­den sol­len [5] und sich hier­durch kei­ne gebüh­ren­mä­ßi­gen Nach­tei­le ein­stel­len soll. Dem steht auch nicht der Beschluss der 3. Kam­mer des 1. Senats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 19. Dezem­ber 2006 [6] ent­ge­gen, zumal Beschlüs­se vor­lie­gen­der Art ohne­dies gemäß § 30 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG kei­ne Geset­zes­kraft haben und der kon­kre­te Beschluss zum einen die gel­ten­de Rege­lung des sog. „ein­fa­chen Rechts“ unter ver­fas­sungs­recht­li­chen Gesichts­punk­ten nicht bean­stan­det und zum ande­ren sich im Kern auch ledig­lich zu einer streit­wert­be­zo­ge­nen Son­der­vor­schrift nied­ri­ge­ren Anwalts­ho­no­rars nach § 49 RVG äußert, die vor­lie­gend für Fäl­le von Betrags­rah­men­ge­büh­ren ohne­dies nicht ein­schlä­gig ist.

Sozi­al­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 23. Dezem­ber 2009 – S 6 SB 2031/​09 KE

  1. ent­ge­gen LSG NRW, Beschluss vom 29.08.2007 – L 2 B 13/​06 KN[]
  2. vgl. zuletzt SG Stutt­gart, Beschluss vom 20.08.2009 – S 6 SB 3986/​09 KE[]
  3. SG Karls­ru­he, Beschluss vom 25.10.2006 – S 10 SB 3025/​05 KO‑A[]
  4. LSG NRW, Beschluss vom 29.08.2007 – L 2 B 13/​06 KN[]
  5. s.a. BT-Drs. 15/​1971, S. 209[]
  6. BVerfG, Beschluss vom 19.12.2006 – 1 BvR 2091/​06[]