Tsche­chi­scher Zahn­ersatz

Auch für die Ver­sor­gung mit Zahn­ersatz im Aus­land gibt es den Fest­zu­schuss der Kran­ken­kas­se nur bei vor­he­ri­ger Geneh­mi­gung des Heil- und Kos­ten­plans durch die Kran­ken­kas­se.

Tsche­chi­scher Zahn­ersatz

In einem ges­tern vom Bun­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit geneh­mig­te die beklag­te AOK der bei ihr ver­si­cher­ten Klä­ge­rin im Juli 2004 eine zahn­pro­the­ti­sche Ver­sor­gung gemäß dem Heil- und Kos­ten­plan eines Vertragszahn­arztes. Die Klä­ge­rin ließ sich aller­dings nicht auf die­ser Grund­la­ge behan­deln, son­dern begab sich erst im März 2006 zur Zahn­ersatzversorgung nach Tsche­chi­en. Die Beklag­te erhielt ca zwei Wochen spä­ter die – zugleich als "Kos­ten­vor­anschlag" bezeich­ne­te – Rech­nung eines tsche­chi­schen Zahn­arz­tes über eine Zahnersatz­versorgung mit Kos­ten von 1.810 Euro. Die Beklag­te lehn­te es ab, dafür den gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Fest­zu­schuss zu zah­len, weil es an der erfor­der­li­chen vor­he­ri­gen Geneh­mi­gung eines Heil- und Kos­ten­plans feh­le. Kla­ge und Beru­fung der Klä­ge­rin sind vor dem Sozi­al­ge­richt und dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt Baden-Würt­tem­berg ohne Erfolg geblie­ben.

Zu Recht, wie das Bun­des­so­zi­al­ge­richt ges­tern ent­schie­den hat. Auch bei Zahn­ersatz­ver­sor­gung im Aus­land ist eine vor­he­ri­ge Geneh­mi­gung des Heil- und Kos­ten­plans er­forderlich. Dar­an fehl­te es der Klä­ge­rin. Das Erfor­der­nis vor­he­ri­ger Geneh­mi­gung einer zahn­prothetischen Behand­lung durch die Kran­ken­kas­se gilt nicht nur für eine Behand­lung im Inland, son­dern auch in ande­ren EG-Mit­glie­d­­staa­ten. Das ver­stößt nicht gegen Euro­pa­recht. Das ein­heit­lich gel­ten­de Geneh­mi­gungs­er­for­der­nis beein­träch­tigt die euro­pa­recht­li­che (pas­si­ve) Dienstleistungs­freiheit nicht, soweit – wie hier – Leis­tungs­er­brin­ger in ande­ren EG-Mit­glied­staa­ten weder unmit­tel­bar noch mit­tel­bar dis­kri­mi­niert wer­den. Der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten muss­te nicht ange­ru­fen wer­den, da die­se Fra­ge durch sei­ne Recht­spre­chung bereits geklärt ist. Die Klä­ge­rin konn­te sich auf den alten, ca 1 ½ Jah­re vor Behand­lungs­be­ginn geneh­mig­ten Heil- und Kos­ten­plan nicht mehr beru­fen. Die Geneh­mi­gung eines Heil- und Kos­ten­plans ver­liert gemäß den Bestim­mun­gen des Bun­des­man­tel­ver­tra­ges-Zahn­ärz­te nach Ablauf von sechs Mona­ten ihre recht­li­che Wir­kung.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 30. Juni 2009 – B 1 KR 19/​08 R