Übernahme der Kosten für eine Feldenkrais-Therapie

Ein spezifischer therapeutischer Nutzen der Feldenkrais-Lehren für Wirbelsäulenbeschwerden ist nicht anerkannt. Standardbehandlungen für diese Beschwerden sind vorzuziehen und verdrängen den Anspruch auf weniger erprobte Innovationen.

Übernahme der Kosten für eine Feldenkrais-Therapie

So hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen in dem hier vorliegenden Fall die Kostenübernahme durch die Gesetzliche Krankenversicherung abgelehnt. Die Klage hat ein Mann aus Langenhagen eingereicht. Der 1967 geborene Kläger ist bei der beklagten Krankenkasse gesetzlich krankenversichert und leidet seit Jahren unter zahlreichen Erkrankungen wie chronischer Erschöpfung, allergischem Asthma, Tinnitus, einer Nierenerkrankung u.a. . Neben vielen weiteren Behandlungsansätzen wollte er nun eine Therapie nach der Feldenkrais-Methode ausprobieren. Dies hatte ein Privatarzt ihm ergänzend empfohlen, nachdem ihm bereits das Schwimmen gut bekommen war. Die erwarteten Kosten über einen Zeitraum von zwei Jahren beliefen sich auf rd. 7.900 €.

Von der Krankenkasse ist die Kostenübernahme abgelehnt worden, da eine Feldenkrais-Therapie kein anerkannter Gesundheitskurs sei. Ob ein Kurs übernommen werde, beurteile die Zentrale Prüfstelle Prävention (ZPP) anhand gesetzlicher Vorgaben. Das vorliegende Kurskonzept entspräche inhaltlich und methodisch nicht den vorgegebenen Qualitätskriterien. Dem hielt der Mann entgegen, dass er auf eine Probestunde gut angesprochen habe. Die Erschöpfungssymptome seien stark reduziert und er fühle sich energiegeladener. Außerdem sei die Wirbelsäule beweglicher und er habe nun mehr Körperspannung. Nachdem das Widerspruchsverfahren erfolglos geblieben war, hat der Kläger auch vor dem Sozialgericht Hannover1 sein Ziel nicht erreicht. Die Feldenkrais-Therapie gehöre unter keiner in Betracht kommenden Anspruchsgrundlage zu den Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung. Ein therapeutischer Nutzen sei vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) nicht anerkannt. Dagegen hat sich der Kläger mit seiner Berufung gewehrt.

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Nach Auffassung des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen sei für eine Kostenübernahme ein anerkannter therapeutischer Nutzen des Heilmittels Voraussetzung. Die Feldenkrais-Lehren seien eine pädagogische Bewegungstherapie, die sich mit dem gesamten Menschen, seinen Gewohnheiten und seinem vorhandenen Potential beschäftige. Ein spezifischer therapeutischer Nutzen sei hier jedoch nicht anerkannt. Außerdem lägen wissenschaftliche Erkenntnisse in Form von Einzelfallberichten, Assoziationsbeobachtung, Berichte von Expertenkommission oder Studien dazu nicht vor.

Darüber hinaus gäbe es Standardbehandlungen wie Physiotherapie für Wirbelsäulenbeschwerden. Standardmethoden verdrängten den Anspruch auf weniger erprobte Innovationen.

Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Urteil vom 19. August 2020 – L 4 KR 482/19

  1. SG Hannover, Gerichtsbescheid vom 25.10.2019 – S 10 KR 305/19[]

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