Über­zah­lun­gen bei Hartz IV

Ist für Bezie­her von Arbeits­lo­sen­geld II anhand der Bewil­li­gungs­be­schei­de nicht ohne wei­te­res erkenn­bar, dass die Grund­si­che­rungs­be­hör­de Ein­kom­men unzu­rei­chend ange­rech­net hat, darf nach einem aktu­el­len Urteil des Sozi­al­ge­richts Dort­mund die ArGe die Über­zah­lun­gen für zurück­lie­gen­de Zeit­räu­me nicht zurück­ver­lan­gen.

Über­zah­lun­gen bei Hartz IV

Dem Urteil des Sozi­al­ge­richts Dort­mund lag der Fal­le einer drei­köp­fi­gen Fami­lie aus Hemer zugrun­de, von der die Arbeits­ge­mein­schaft Mär­ki­scher Kreis­die Erstat­tung von 2314,- € an Leis­tun­gen nach dem SGB II ver­lang­te. Die ArGe hat­te über einen Zeit­raum von zwei Jah­ren meh­re­re Neu­be­rech­nungs­be­schei­de erlas­sen, weil die Ehe­leu­te über wech­seln­de Beschäf­ti­gun­gen und Ein­kom­men ver­füg­ten. In die­sem Zusam­men­hang ver­gaß der Sach­be­ar­bei­ter, das Kin­der­geld für die Toch­ter auf deren Leis­tungs­an­spruch durch­ge­hend anzu­rech­nen.

Auf die Kla­ge der Fami­lie hat das Sozi­al­ge­richt Dort­mund nun die Erstat­tungs­be­schei­de der ArGe auf­ge­ho­ben. Zwar sei das Kin­der­geld als Ein­kom­men auf den Leis­tungs­an­spruch der Toch­ter anzu­rech­nen. Der Rück­nah­me der Bewil­li­gungs­be­schei­de ste­he jedoch ein Ver­trau­ens­schutz der Klä­ger ent­ge­gen. Die­se hät­ten die Leis­tun­gen für den Lebens­un­ter­halt der Fami­lie ver­braucht.

Die Eltern hät­ten die erfor­der­li­che Sorg­falt nicht in beson­ders schwe­rem Maße ver­letzt, so dass ihre Unkennt­nis von der Über­zah­lung nicht auf gro­ber Fahr­läs­sig­keit beru­he. Sie hät­ten davon aus­ge­hen dür­fen, dass die Behör­de ihre Anga­ben zum Kin­der­geld voll­stän­dig berück­sich­ti­ge. Wegen der kom­pli­zier­ten Gestal­tung der Bewil­li­gungs­be­schei­de und der schwan­ken­den Leis­tungs­hö­he auf Grund der Anrech­nung wech­seln­der Erwerbs­ein­kom­men sei die feh­ler­haf­te Berech­nung der Leis­tun­gen für einen juris­ti­schen Lai­en nicht augen­fäl­lig gewe­sen.

Sozi­al­ge­richt Dort­mund, Urteil vom 22. Juli 2009 – S 28 AS 228/​08